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US-Arbeitslosenzahlen lassen Wall Street ins Minus rutschen

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sind nach wie vor hoch. Das bringt den drei Leitindizes Verluste ein. Der Dow konnte aber insgesamt im April zulegen.

Die anhaltende Entlassungswelle in den USA drückt die Kurse an den US-Börsen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones ging am Donnerstag 1,2 Prozent tiefer bei 24.346 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste S & P 500 büßte 0,9 Prozent auf 2912 Zähler ein. Dank der billionenschweren Hilfspakete der Regierung und der Notenbank Fed verzeichneten beide Indizes aber den größten Monatsgewinn seit gut 33 Jahren.

Der technologielastige Nasdaq gab 0,3 Prozent auf 8889 Punkte nach. Der Monat April bescherte dem Technologieindex den höchsten Monatsgewinn seit fast 20 Jahren.

Noch am Mittwoch stützten Anleger in der Hoffnung auf ein rasches Ende der Coronavirus-Krise den US-Aktienmarkt. Zudem erhielten die Leitindizes weiteren Schwung von positiv aufgenommenen Firmenbilanzen. Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 2,2 Prozent höher auf 24.633 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 3,6 Prozent auf 8914 Punkte vor. Der breit gefasste S & P 500 legte 2,7 Prozent auf 2939 Punkte zu.

In der vergangenen Woche beantragten 3,8 Millionen US-Bürger erstmals Arbeitslosenhilfe. Insgesamt haben sich seit Beginn der Coronavirus-Krise rund 30 Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet.

Parallel dazu brachen die US-Konsumausgaben im März mit 7,5 Prozent stärker ein, als zuvor befürchtet. Die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Diese Zahlen seien aber nicht überraschend, sagte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters National Securities. „Wir wissen, dass die Konjunkturdaten schlecht ausfallen und sich noch verschlimmern werden.“

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erweitert ihr Kreditprogramm zur Stützung kleinerer und mittlerer Unternehmen in der Coronakrise. Die Kredite können jetzt auch Firmen mit bis zu 15.000 Mitarbeitern oder bis zu einem Jahresumsatz von fünf Milliarden US-Dollar in Anspruch nehmen, wie die Fed am Donnerstag in Washington mitteilte.

Dadurch wird das Umsatzlimit im Vergleich zur bisherigen Richtlinie verdoppelt und die Mitarbeitergrenze um 5000 erhöht. Gleichzeitig senkt die Fed den Mindestkredit auf 500.000 US-Dollar, um auch kleineren Unternehmen Zugang zu gewähren.

Bereits am Mittwoch erklärten die Währungshüter, dass sie für die Stützung der US-Wirtschaft bereit sei, alles zu tun, was in ihrer Macht stehe. „Wir werden weiter proaktiv, aggressiv und mit Nachdruck agieren“, versprach Fed-Chef Jerome Powell. Dennoch seien die Möglichkeiten der Notenbank begrenzt, weshalb er auch die Politik in der Verantwortung sieht.

Blick auf die Einzelwerte

McDonald's hat aufgrund der Coronakrise einen Rückgang des Quartalsgewinns um 16,7 Prozent verzeichnet. Der Nettogewinn sank auf 1,11 (1,33) Milliarden Dollar. „Die durch die COVID-19-Pandemie verursachte globale Krise hat unser Geschäft erheblich gestört, und wir operieren weiterhin in einem sehr herausfordernden und unvorhersehbaren Umfeld“, sagte McDonald's-Chef Chris Kempczinski.

Der Fast-Food-Konzern gab an, dass rund 75 Prozent seiner etwa 39.000 Restaurants weltweit am Donnerstag in Betrieb waren. Der Umsatz sank um 6,2 Prozent auf 4,71 Milliarden Dollar (4,33 Milliarden Euro), und lag damit aber leicht über den Schätzungen der Analysten. Die Papiere des Fast-Food-Riesen sanken leicht.

Die Anzahl der Nutzer des Videodiensts Zoom sind doch nicht so hoch, wie bisher gedacht. Das Unternehmen stellte klar, doch keine 300 Millionen tägliche Nutzer zu haben. Stattdessen seien es „300 Millionen tägliche Zoom-Teilnehmer“, teilte der Anbieter von Online-Videokonferenzen dem Technologieblog „The Verge“ auf Anfrage mit.

Während Nutzer nur einmal täglich gezählt werden, werden die Teilnehmer jedes einzelnen Telefonats summiert und können damit auch doppelt oder dreifach gezählt werden. Zoom kämpft an mehreren Ecken mit Sicherheitslücken. Zuvor hatte „The Verge“ festgestellt, dass der US-Konzern seine eigene Blog-Nachricht zum Wachstum entsprechend abgeändert hat. Der Bezug sei „unbeabsichtigt“ vorgenommen worden, hieß es. Die Investoren straften das Unternehmen mit Verkäufen, die Aktien gaben 6,2 Prozent nach.

Gegen den Trend legten die Aktien von Facebook 5,2 Prozent zu. Das Quartalsergebnis sei besser ausgefallen als erwartet, schrieb Analyst John Blackledge vom Vermögensverwalter Cowen. Außerdem teilte das weltgrößte Online-Netzwerk mit, dass die Werbeeinnahmen in den ersten drei April-Wochen wieder angezogen hätten.

Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich positiv auf die Nutzerzahlen von Twitter aus. Der US-Kurznachrichtendienst konnte die Anzahl seiner täglichen Nutzer um fast ein Viertel auf 166 Millionen steigern. Der Umsatz im ersten Quartal sei um drei Prozent auf 808 Millionen Dollar geklettert, teilte Twitter mit. Damit wurden die Erwartungen von Analysten übertroffen. Wegen der Coronakrise, die die Werbeeinnahmen dämpft, hatte Twitter seinen Ausblick zurückgezogen. Unter dem Strich stand im ersten Quartal ein Verlust von acht Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 191 Millionen Dollar in der Bilanz gestanden. Anleger zogen sich enttäuscht von den Twitter-Titeln zurück, die Papiere verloren 7,7 Prozent.

Verluste meldete auch der US-Ölkonzern ConocoPhilips im ersten Quartal. Wegen einer Abschreibung auf eine Beteiligung und einer Wertminderung wegen gesunkener Ölpreise stand unter dem Strich ein Verlust von 1,7 Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in Houston mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar gemacht. Zudem plant der Konzern, die Ölförderung weiter zu drosseln.
Eine Quartalsdividende in Höhe von 42 Cent will Conoco dennoch ausschütten. Ende des ersten Quartals hätten die Barmittel bei 4,2 Milliarden Dollar gelegen. Inklusive Kreditlinien und kurzfristigen Anlagen liege die Liquidität bei 14 Milliarden Dollar. Die Aktien stürzten 1,4 Prozent in die Verlustzone. Noch am Vortag hatten die Papiere bereits fast zehn Prozent gewonnen.

Abwärts ging es auch für die Aktien von American Airlines. Sie gaben fünf Prozent nach. Wegen der Reise-Beschränkungen machte die Fluggesellschaft im ersten Quartal einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar.

Tesla-Aktien zogen nach Quartalszahlen anfangs kräftig an, drehten anschließend aber ins Minus und schlossen 2,3 Prozent tiefer. Allerdings hatten sich die Papiere seit Mitte März mehr als verdoppelt. Tesla habe die Erwartungen kräftig übertrumpft, merkte Analyst Ryan Brinkman von JPMorgan an.

Papiere des Chemiekonzerns Dow verloren 2,1 Prozent. Die Corona-Krise hatte den Gewinn des Unternehmens im ersten Quartal halbiert. Auch bei McDonald's ließ die Pandemie den Gewinn zuletzt einbrechen. Die Aktie der Fastfood-Kette schloss nach zwischenzeitlich höheren Verluste nur 0,14 Prozent tiefer.

Gesucht waren unterdessen die Aktien von Apple und Amazon, die um 2,1 beziehungsweise 4,3 Prozent zulegten. Amazon stiegen kurz vor der Schlussglocke auf ein Rekordhoch von 2475 Dollar. Beide Tech-Giganten veröffentlichten nach Börsenschluss ihre Quartalsberichte.

Blick auf andere Assetklassen

Die USA wollen noch freie Kapazitäten ihrer strategischen Ölreserven privaten Anbietern zur Verfügung stellen. Die Regierung arbeite an einem Plan, zusätzlich mehrere hundert Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) Öl zu lagern, teilte Finanzminister Steven Mnuchin am Donnerstag mit. Wo diese Zusatz-Kapazitäten herkommen sollen, ließ er offen.

Die USA lagern in ihrer strategischen Reserve derzeit etwa 636 Millionen Fass Rohöl. Das entspricht 90 Prozent der Gesamtkapazität von 714 Millionen Fass. Dem Energieministerium zufolge sind die privaten US-Öllager derzeit zu etwa 60 Prozent gefüllt. Am Hauptumschlagplatz Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma liege die Quote bei 81 Prozent.

Durch den wirtschaftlichen Stillstand als Folge der Coronavirus-Pandemie ist die weltweite Rohöl-Nachfrage binnen weniger Wochen um etwa ein Drittel eingebrochen, wodurch die Lager überzuquellen drohen. Die jüngste Einigung der großen Exportländer auf eine Drosselung der Fördermengen fängt nur einen kleinen Teil dieses Überangebots auf. Die Entwicklung hatte den Preis für die US-Ölsorte WTI vergangene Woche zeitweise unter Null gedrückt.

Am Donnerstag verteuerte sich WTI in der Spitze um mehr als 27 Prozent auf 19,15 Dollar je Barrel. Mut machte Anlegern der überraschende Rückgang der US-Benzinreserven. Er schürte Hoffnungen, dass die Nachfrage wieder anzieht.