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Neuartige Euro-Bonds stärken den Euro

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Die gemeinschaftliche Finanzierung der Coronahilfen schafft ein Wertpapier mit hoher Bonität. Das macht den europäischen Kapitalmarkt attraktiver.

In den USA bilden die Staatsanleihen einen Markt von rund 20 Billionen Dollar. Davon wird Europa auch nach Auflage der neuartigen Euro-Anleihen im Volumen von 900 Milliarden Euro noch weit entfernt sein. Aber diese Papiere sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den Euro zu einer Währung mit internationalem Gewicht zu machen.

Bisher steht der Euro vor allem aus einem Grund im Schatten des Dollars: Es gibt in dieser Währung nicht genügend „Safe Assets“, also Papiere, deren Bonität keinem Zweifel unterliegt. Deswegen eignet sich der Euro nicht so gut als Reservewährung für große Investoren und Notenbanken. Bisher übernehmen deutsche Staatsanleihen weitgehend diese Rolle als sichere Papiere, weil Deutschland zumindest unter den großen Euro-Ländern als finanziell am stärksten gilt.

In den USA gilt als sicher, dass die US-Notenbank (Fed) bei einer schweren Schuldenkrise Staatsanleihen kaufen würde. Damit unterliegen diese Papiere praktisch keinem Ausfallrisiko. Sie könnten im Extremfall höchstens durch steigende Kurse oder einen fallenden Wechselkurs an Wert verlieren. Aber das schreckt Investoren weit weniger als ein möglicher Zahlungsausfall.

In Europa ist die Situation anders. Die Europäische Zentralbank (EZB) darf einzelnen Staaten nicht helfen, die möglicherweise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Zwar tut sie das de facto dennoch mit ihren Käufen von Staatsanleihen im Rahmen ihrer geldpolitischen Programme.

Ganz deutlich wurde das bei dem Notfallprogramm, das unter dem Kürzel PEPP bekannt ist. Es hat ein Volumen von knapp 1,4 Billionen Euro und erlaubt der EZB, relativ flexibel gezielt Papiere einzelner Staaten zu kaufen. Vor dem Ausbruch der Coronakrise galt eine relativ strenge Regel, bei diesen Käufen feste Quoten einzuhalten, die sich nach Größe der jeweiligen Wirtschaft und der Bevölkerung eines Landes richten. Mit der Krise wurde diese Regel aufgeweicht.

Grundlage des Euro-Kapitalmarkts

Auf der anderen Seite hat es in der Euro-Krise im Fall von Griechenland aber 2012 einen Schuldenschnitt gegeben. Die unterschiedlich hohen Renditen für Staatsanleihen im Euro-Raum zeigen deutlich an, dass die Investoren einen ähnlichen Schritt für andere Länder nicht ausschließen.

Die Rendite für deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt bei minus 0,5 Prozent, die für Italien trotz der Unterstützung durch die EZB bei plus 0,8 Prozent. Der Beschluss, einen milliardenschweren Wiederaufbaufonds zu bilden, hat das Vertrauen in den Zusammenhalt der Euro-Zone bereits gestärkt. Aber erst die gemeinsame Finanzierung dieser Aufgaben kann eine wirklich europäische Grundlage des Euro-Kapitalmarkts bilden.

Dass es nicht schon früher entsprechende Papiere gab, hat politische Gründe. In finanzpolitisch stabileren Ländern der Euro-Zone ist die Sorge groß, bei gemeinsamen Finanzierungen könnten indirekt Zahlungsströme in die schwächeren Länder umgeleitet werden.

Tatsächlich haben bisher von Krisen meist die stabilen Länder wie zum Beispiel Deutschland und die Niederlande in Form von Kapitalzuflüssen profitiert, die allerdings auch das Zinsniveau entsprechend weit heruntergedrückt haben. Ein stärkerer Haftungsverbund würde zu einer Angleichung der Konditionen und der Risiken führen.

In der Folge der Euro-Krise kamen bereits Überlegungen auf, im großen Umfang Euro-Bonds mit gemeinsamer Haftung zu schaffen, die aber politisch keine Chancen hat. Kaum Zuspruch fanden auch Versuche, durch Aufteilung von Anleihen in Tranchen mit verschiedenem Haftungsumfang künstlich „Safe Assets“ zu schaffen. Sie stießen weder bei den Regierungen noch bei Investoren auf Zuspruch.