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Netflix vs. AT&T – welche ist die bessere Aktie?

Leo Sun, The Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

In der Vergangenheit waren Netflix (WKN: 552484) und AT&T (WKN: A0HL9Z) eher keine Konkurrenten. Netflix verfügte über eine der größten Videostreaming-Plattformen der Welt. AT&T hingegen bot hauptsächlich WLAN und Pay-TV-Dienste in den USA und Lateinamerika an.

Doch nachdem AT&T vor zwei Jahren Time Warner gekauft hatte, kam man sich ins Gehege. Dieser Kauf im Wert von 85 Milliarden USD legte den Grundstein für das neue Streaming-Ökosystem von AT&T. Von dem erhoffte man sich, dass es den anhaltenden Verlust an Pay-TV-Abonnenten bei DirecTV, U-verse und AT&T TV ausgleichen würde.

Die Pläne von AT&T waren ehrgeizig. Aber AT&T enttäuschte die Investoren weiterhin durch das langsame Wachstum seines Wireless-Segments, sein schrumpfendes Pay-TV-Geschäft und seinen Schuldenberg. Infolgedessen stürzte die Aktie in den letzten zwölf Monaten um fast 30 % ab. Die Dividendengewinne wurden dadurch ausgelöscht.

Zur gleichen Zeit erfreute Netflix die Anleger mit seinem robusten Wachstum bei Abonnenten, Einnahmen und Gewinnen. Die Aktien stiegen im gleichen Zeitraum um fast 80 %. Aber wird Netflix AT&T in den nächsten zwölf Monaten weiterhin übertreffen? Werfen wir einen frischen Blick auf beide Unternehmen, um hier zu einer Entscheidung zu kommen.

Leichte Hoffnungsschimmer für AT&T

Die Betriebseinnahmen und das bereinigte EPS von AT&T gingen in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 um 6 bzw. 10 % zurück. Das Wireless-Geschäft hatte in der ersten Jahreshälfte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Pandemie schlossen viele Einzelhändler, die WarnerMedia-Gruppe hatte mit geschlossenen Kinos und verschobenen Filmstarts zu kämpfen. Zudem verlor das Pay-TV-Geschäft weiterhin Abonnenten an Streaming-Dienste.

Der jüngste Bericht von AT&T für das dritte Quartal enthielt jedoch drei ermutigende Entwicklungen. Erstens kamen 5,53 Millionen US-Mobilfunkkunden hinzu. Das übertraf die Prognose von 2,84 Millionen Netto-Neukunden deutlich.

Zweitens überstieg die Zahl der HBO- und HBO Max-Inlandsabonnenten zusammengenommen 38 Millionen. Im Q2 waren es noch 36 Millionen. Innerhalb dieser Gesamtzahl haben sich die HBO Max-Aktivierungen mehr als verdoppelt. Und schließlich schloss das Unternehmen das Quartal mit Schulden in Höhe von 152 Milliarden USD ab. Nach dem Time-Warner-Deal waren es noch 180 Milliarden USD.

Dennoch gingen die Einnahmen und Gewinne von AT&T im Quartalsvergleich gegenüber dem Vorjahr immer noch zurück. Das lag hauptsächlich am Verlust von über einer halben Million Pay-TV-Abonnenten und an den Problemen bei WarnerMedia. Analysten erwarten für das Jahr einen Rückgang der Einnahmen und Gewinne um 6 bzw. 11 %.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten die Analysten, dass die Einnahmen und Gewinne von AT&T im nächsten Jahr um etwa 1 % steigen werden. Neue 5G-Handys kommen auf den Markt, WarnerMedia nimmt den Betrieb wieder auf und die Streaming-Plattformen gewinnen mehr Abonnenten dazu.

Netflix startet weiter durch

Der Umsatz und der Gewinn von Netflix stiegen in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 um 25 bzw. 73 %. Die Gesamtzahl der Abonnenten stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 23 % auf 195,15 Millionen. Und der freie Cashflow verbesserte sich von minus 551 Millionen USD auf plus 1,15 Milliarden USD.

Netflix erwartet, dass sich diese Dynamik im vierten Quartal mit einem Wachstum von 20 % bei Einnahmen und Abonnenten fortsetzen wird. Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz und der Gewinn für das Gesamtjahr um 24 bzw. 50 % steigen werden.

Allerdings führt Netflix einen Großteil seines Wachstums in der ersten Hälfte des Jahres 2020 auf die Pandemie zurück. Die kurbelte die Nutzung von Streaming-Diensten an. Netflix geht davon aus, dass sich dieser harte Jahresvergleich in einem langsameren Abonnentenwachstum in der ersten Hälfte des Jahres 2021 niederschlagen wird.

Nichtsdestotrotz gehen Analysten weiterhin davon aus, dass der Umsatz und der Gewinn von Netflix im Geschäftsjahr 2021 um 18 bzw. 42 % steigen werden. Das Unternehmen erwartet, dass sein FCF zwischen minus 1 Milliarde USD und dem Break-even liegen wird. Man gibt mehr Geld für Eigenproduktionen und lizenzierte Inhalte aus. Doch CFO Spence Neumann sagte, das Unternehmen nähere sich „rasch“ einem „nachhaltig“ positiven freien Cashflow.

Netflix’ große Abonnentenzahl ermöglicht es dem Unternehmen, die kleinen Angreifer abzuwehren. Von denen haben viele immer noch mit Verlusten bei ihren Streaming-Plattformen zu kämpfen.

Der Gewinner: Netflix

Die AT&T-Aktie ist günstig bewertet und ihre Dividendenrendite von 7,7 % sieht verlockend aus. Aber die Aktie ist aus nachvollziehbaren Gründen billig. Der abrutschende Aktienkurs hat die Dividendengewinne in den letzten Jahren immer wieder zunichtegemacht.

Die Netflix-Aktie scheint zunächst teuer bewertet zu sein. Aber der Vorteil als First Mover, das interessante Ökosystem sowie das robuste Wachstum bei Einnahmen, Abonnenten und Gewinnen rechtfertigen diesen Preis.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix. Leo Sun besitzt Aktien von AT&T. Dieser Artikel erschien am 29.10.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020