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Netflix-Aktien waren noch nie billig – und haben die Anleger trotzdem saftig belohnt

Anders Bylund, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Der Streaming-Anbieter Netflix (WKN:552484) war noch nie eine wirklich billige Aktie. Das Unternehmen investiert konsequent alles verfügbare Reservekapital in das langfristige Wachstum des Umsatzes.

Das Ergebnis liegt in der Regel knapp über dem Break-even-Punkt. Das macht Netflix für Value-Anleger zu einer schwer zu rechtfertigenden Aktie macht. Abgesehen von der kurzen Qwikster-Episode in den Jahren 2011 und 2012, in der die Kurse von Netflix im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 70 % fielen, lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den letzten zehn Jahren oft 100-mal über den Gewinnen. Derzeit liegt das KGV von Netflix beispielsweise beim heftigen 91-Fachen des Gewinns.

Manche Dinge ändern sich nicht

Vor einem Jahrzehnt sah es recht ähnlich aus. Selbst hartgesottene Investoren dachten, dass die Aktie überbewertet sei und dass es eine gute Idee wäre, die Gewinne einzufahren.

Damals wurden die Netflix-Aktien zum 44-Fachen der Gewinne und zum 28-Fachen des freien Cashflows gehandelt. Der splitbereinigte Aktienpreis betrug damals 15,32 USD pro Aktie.

Seitdem haben die Aktien von Netflix eine Rendite von 2.840 % erzielt. Hätte man im Juli 2010 10.000 USD an Netflix-Aktien verkauft, wären einem Gewinne von 294.000 USD entgangen.

Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Anfang 2011 hat das digitale Streaming-Angebot von Netflix den eigentlichen Hauptmarkt des Unternehmens – den Versand von DVDs – quasi ersetzt. Die Aktie erreichte im Juli mit fast 43 USD mit Splitbereinigung ihren Höchststand. Damals wurden die Aktien von Netflix 76-mal über den Gewinnen und 85-mal über dem freien Cashflow gehandelt.

Danach kam das Qwikster-Debakel und schuf die beste Buy-in-Möglichkeit, die ich je für ein hochwertiges Unternehmen gesehen habe, dessen weltweites Wachstum gerade erst begann. Hätte man damals Netflix-Aktien gekauft, hätte man 10.000 USD in mehr als eine halbe Million Dollar verwandelt:

Daten von YCharts

Selbst wenn man auf dem Höhepunkt vor der Episode mit Qwikster gekauft hätte, wäre man reich belohnt worden:

Daten von YCharts

Das KGV gilt hier nicht

Das KGV und die Discounted-Cashflow-Analyse sind nützliche Werkzeuge, wenn man den Investitionswert von Unternehmen mit langsamerem Wachstum bewertet. Die sacken die Gewinne ein, anstatt jeden Cent in Wachstumsideen zu investieren. Netflix gehört nicht zu diesen Unternehmen. Die herkömmlichen Finanzkennzahlen machen im Zusammenhang mit Wachstumswerten wie diesem keinen Sinn. Die Gewinne und Cashflows werden kommen, wenn die Wachstumschancen nicht mehr so offensichtlich sind. Aber das dürfte noch einige Jahre dauern.

Derweil bleibt Netflix ein guter Kauf. Selbst zu Höchstständen dank Corona. Die Pandemie hat das Abo-Wachstum und den stärker gewinnorientierten Geschäftsplan eher beschleunigt. Denn morgen könnte die Aktie wieder fallen, und dann könnte sie nie wieder so günstig zu haben sein. Wie dem auch sei, ich denke, wir können auch im kommenden Jahrzehnt starke Erträge von Netflix sehen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix. Anders Bylund besitzt Aktien von Netflix. Dieser Artikel erschien am 18.6.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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