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"Salihamidzic kann sich als Gewinner im Machtkampf fühlen"

·Lesedauer: 9 Min.
"Salihamidzic kann sich als Gewinner im Machtkampf fühlen"
"Salihamidzic kann sich als Gewinner im Machtkampf fühlen"

Andreas Herzog hatte seine erfolgreichste Zeit als Spieler bei Werder Bremen. Der Österreicher spielte von 1992 bis 1995 und von 1996 bis 2001 für die Grün-Weißen.

Er spielte in seiner ersten Zeit an der Weser mit Thomas Schaaf zusammen, der auch später sein Trainer war. Derzeit macht sich Herzog Sorgen um seine Bremer, die kurz vor dem Absturz in die Zweite Liga stehen (Die Tabelle der Bundesliga).

Im SPORT1-Interview spricht der 52-Jährige über die Lage an der Weser, Schaaf und seinen anderen Ex-Klub, den FC Bayern.

SPORT1: Herr Herzog, was sagen Sie zur aktuellen Lage bei Werder?

Andreas Herzog: Das ist eine brenzlige Situation. Durch die Niederlage in Augsburg ist man jetzt in dem Zwang, unbedingt Gladbach zu besiegen. Wenn das Spiel gegen die Borussia gewonnen wird, dann kann es gut ausschauen, denn für Bielefeld wird es in Stuttgart schwer und der 1. FC Köln wird zu Hause gegen Schalke gewinnen. Mit einem Werder-Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage oder zumindest einem Remis der Arminia wäre Werder gerettet. Aber sollten sie verlieren und Köln gewinnen, droht der Abstieg. Das wäre eine Katastrophe.

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SPORT1: Hat Werder aus den Fehlern in der vergangenen Saison nichts gelernt? (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Herzog: Es scheint so. Aber lange hat es ja in dieser Runde ganz gut ausgesehen. Werder war im gesicherten Mittelfeld. Zum Schluss kam da eine Niederlagen-Serie zustande und dann kam das Pokalspiel gegen Leipzig und durch die Leistung gegen RB hatte es Florian Kohfeldt verdient, dass man weiter auf ihn baut. Jetzt hat man doch gehandelt und ein Spiel vor Schluss ist es natürlich eine Mammut-Aufgabe für Thomas Schaaf.

"Wenn es einer schafft, dann Thomas"

SPORT1: Sie kennen Schaaf aus Ihrer aktiven Zeit, haben mit ihm zusammen gespielt. Ist er der Richtige?

Herzog: Wenn es einer schafft, dann der Thomas. Er kennt Werder in- und auswendig, war damals sehr erfolgreich. Auch zu meiner Zeit stieg er ein, als es mal richtig schlecht ausgesehen hat, aber das war eine andere Situation. Jetzt ist es nur noch ein Spiel und da geht es um alles.

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SPORT1: Aber wie irrsinnig ist das, einen Spieltag vor Toreschluss den Trainer auszutauschen? Ist das nicht zu spät?

Herzog: Es war vielleicht zu spät. Doch die Leistung gegen Leipzig zuletzt war trügerisch, weil die Verantwortlichen da gedacht haben, dass alles passt und die Leitung okay ist. Man hoffte da sicher, dass man die nötigen Punkte holen wird. Das ist nicht gelungen und jetzt hat man noch mal die berühmte Notbremse gezogen. Ich drücke Werder ganz fest die Daumen und wünsche Thomas alles Gute für diese schwere Aufgabe.

SPORT1: Stefan Effenberg war irritiert vom Trainerwechsel. Sie auch?

Herzog: In der Situation ist es verständlich, dass nochmal alles ausprobiert wird. So schlimm es für Kohfeldt auch ist, es musste ein neuer Reiz her. Wenn man einen anderen Trainer geholt hätte, der das Umfeld und die Mannschaft nicht so gut gekannt hätte, wäre das eine Panik-Aktion gewesen. Aber mit Thomas ist das schon ein logischer Schritt.

"Alle bei Werder müssen sich hinterfragen"

SPORT1: Müsste Frank Baumann nicht auch seinen Stuhl räumen?

Herzog: Alle bei Werder müssen sich hinterfragen und die vergangenen zwei Jahre richtig analysieren. Natürlich gibt es finanzielle Probleme, aber die sportlichen Leistungen sind einfach nicht gut genug. Man wäre im vergangenen Jahr schon fast abgestiegen und jetzt steht man wieder vor riesigen Problemen. Jetzt muss man erstmal hoffen, dass Thomas mit den Jungs einen Sieg gegen Gladbach holt.

SPORT1: Was kann er bewirken? Bei Eintracht Frankfurt und Hannover 96 hatte er keinen Erfolg. Und er wirkt jetzt nicht so, dass er mit Emotionen alle mitreißen kann.

Herzog: Das ist nicht seine Stärke. Thomas ist sicher nicht dieser extrovertierte Typ, aber er ist ein absoluter Fußball-Fachmann, sonst hätte er damals mit Werder nicht so viele Erfolge gefeiert. Für mich war es damals verständlich, dass er nach der langen Zeit in Bremen etwas Neues machen wollte. Es war aber auch schwer, das zu begreifen, weil er einfach zu Werder gehört. Er ist nicht der Trainer, der wild gestikuliert und pure Emotionen verstreut, aber er ist jetzt der Einzige, der die richtigen Akzente für die Rettung setzen kann.

SPORT1: Werder hat brutale finanzielle Schwierigkeiten. Wäre der Abstieg der Genickbruch, von dem sich der Verein für lange Zeit nicht mehr erholt?

Herzog: Ein Abstieg bei der finanziellen Lage wäre richtig schlecht. Man muss jetzt das beste daraus machen. Im Notfall - ich hoffe immer noch, dass Werder drin bleibt - könnte man in der 2. Liga eine ganz neue Mannschaft aufbauen, damit der Verein in einigen Jahren wieder besser dasteht.

Schleichender Tod? "Schon"

SPORT1: Aber ist es nicht ein schleichender Tod in den zurückliegenden Jahren?

Herzog: Schon. Das kann man so sagen. Aber man darf sich nicht nur mit den Finanzproblemen rausreden. Werder hat immer noch gute Spieler und deshalb glaube ich daran, dass ein Sieg gegen Gladbach gelingen kann. Wenn auch die Borussia gewinnen muss, um nach Europa zu kommen. Es wird ganz schwierig für Werder. Es geht im Fußball um so viel und da müssen die richtigen Charaktere auf dem Platz stehen. Wenn du jetzt zwei Jahre hintereinander gegen den Abstieg spielst, muss eine Reinigung des Kaders stattfinden. Sonst geht das im nächsten Jahr wieder so weiter. Die Spieler, die schon in der alten Runde dabei waren, strotzen natürlich nicht vor Selbstvertrauen. Werder braucht viel frisches Blut.

SPORT1: Sind Sie von Werders Rettung überzeugt?

Herzog: Nein. Es ist mehr ein Herzenswunsch. Überzeugt kann man nach den vergangenen Wochen nicht sein. Optimistisch bin ich schon, aber nicht zu 100 Prozent überzeugt.

SPORT1: Würden Sie gerne Werder-Trainer werden?

Herzog: Ich wurde in den zurückliegenden Jahren in Österreich immer wieder als Nationaltrainer gehandelt und wurde auch für einen Trainerjob bei Werder immer wieder genannt. Natürlich wäre das reizvoll. Natürlich würde ich mir Werder zutrauen, aber solange nichts konkret wird, macht es auch keinen Sinn, darüber groß zu reden oder darüber nachzudenken.

SPORT1: Lassen Sie uns über Ihren anderen Ex-Klub sprechen. Wie haben Sie das Trainerwechsel Flick zu Nagelsmann wahrgenommen?

Herzog: Hansi Flick hat, mit seiner Art zu arbeiten, perfekt zum FC Bayern gepasst. Er trifft die Mannschaft am richtigen Nerv. Nicht umsonst holst du so viele Titel. Das ist für mich ganz wichtig. Flick hat enormes Fachwissen. Aber auch die Intuition, das Bauchgefühl und den richtigen Umfang mit den Spielern bei einem Verein wie Bayern - das sind wichtige Dinge. Durch den Streit mit Salihamidzic hat Flick seinen Abgang sicher etwas forciert. Und ich könnte mir vorstellen, dass Flick beim DFB erfolgreich arbeiten könnte, weil er den Bayern-Block schon gut kennt.

SPORT1: Und was sagen Sie zu Nagelsmann?

Herzog: Seine Verpflichtung ging für mich sehr schnell über die Bühne. Wenn die Ablösesumme stimmt, haben die Bayern für diesen jungen Trainer sehr tief in die Tasche gegriffen. Das ist ein großer Vertrauensbeweis für Nagelsmann, aber auch eine schwere Bürde und Verpflichtung. Er muss Titel holen. Und diese Entscheidungsspiele, die Nagelsmann jetzt mit RB in Berlin verloren hat, wird er mit Bayern nicht verlieren, weil man das in München gewohnt ist. Bayern hat eine andere Qualität als der BVB oder Leipzig.

SPORT1: Kann sich Hasan Salihamidzic im Streit mit Flick als Gewinner fühlen?

Herzog: Man muss abwarten, wie die nächste Saison verläuft. Flick hat extrem viel gewonnen, den Ruf kann man ihm nicht mehr zerstören. Die Spieler haben sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet. Man hat aber auch gelesen: Einer muss weg. jetzt ist Flick weg, deshalb kann sich Salihamidzic im Machtkampf schon als Gewinner fühlen. Natürlich auch dank einer gewissen Rückendeckung von Uli Hoeneß.

"Schade, dass Miro einfach so geht"

SPORT1: Was sagen Sie dazu, dass Miro Klose den FC Bayern verlässt, ohne dass es Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung gegeben hat?

Herzog: Puuh. Miro war ein wichtiger Spieler für die Bayern und jahrelang auch für die Nationalmannschaft. Wie er jetzt als Trainer ist, weiß ich nicht. Früher oder später hätten die Münchner sicher mit Miro gesprochen, aber man wollte erstmal die Rolle des Cheftrainers klären. Das war die oberste Priorität. Es ist sicher schade, dass Miro einfach so geht. Wenn er als Trainer nur halbwegs so ist wie als Spieler, dann hat er eine große Karriere vor sich. Dann bieten sich Miro andere reizvolle Möglichkeiten auch im Hinblick auf einen Cheftrainer-Job. Oder vielleicht wird er auch als Co-Trainer von Flick beim DFB.

SPORT1: Adi Hütter ist ein Landsmann von Ihnen. Er hört auf bei Eintracht Frankfurt. Wie wären Sie früher als Spieler damit umgegangen, wenn Ihr Trainer zuerst gesagt hätte "ich bleibe" und dann doch gewechselt wäre?

Herzog: Ich wäre sicher irritiert gewesen. Natürlich muss man damit professionell umgehen. Als Trainer hast du deine Wunschspieler, die am Saisonende dann auch sagen, dass sie weg wollen. Es ist sicher keine gute Situation gerade bei Hütter, aber man hat es auch schon bei Marco Rose gesehen. Auf der anderen Seite ist es so: Wenn du als Trainer das bis zum Saisonende verborgen hältst und alle Leuten nicht die Wahrheit sagst, bist du der Lügner. Jetzt war es von Hütter auch nicht richtig. Im Fußball wird es immer komplizierter. Die einzigen Vereinstreuen sind die Fans. Fußball ist nicht mehr der Sport, sondern nur noch das Business Fußball. Da gehören solche Dinge wie mit Hütter oder Rose inzwischen zur Tagesordnung. Mir wird auch bei etwas anderem übel ...

Spielerstreiks ärgern Herzog

SPORT1: Nämlich?

Herzog: Wenn ich sehe, dass sich Spieler seit Jahren schon bei Vereinen wegstreiken. Ich wünsche mir, dass sich die Klub-Bosse mal hinstellen und sagen "Pass auf, du kannst dich jetzt nicht wegstreiken!" Aber bei den hohen Ablösesummen kann sich das kein Klub mehr leisten. Und für die Vereine wäre es besser, Ausstiegsklauseln ganz zu streichen. Aber leider gibt es diese im Fußball.

SPORT1: Wie war das damals bei Ihnen?

Herzog: Ich kann mich noch daran erinnern, als ich von Werder zum FC Bayern gewechselt bin. Otto Rehhagel fragte mich im Winter schon "Andreas, was machen Sie jetzt?", ich sagte ihm, dass ich im Sommer gehen werde und er meinte dann nur "Schauen Sie mir in die Augen und versprechen mir, bis zur letzten Sekunde alles für Werder zu geben." Ich habe es ihm versprochen. Bei einem Trainer ist es heutzutage eine ganz andere Situation. Leider. Das haben die Gladbacher und die Frankfurter gespürt.

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