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Wie es ist, von narzisstischen Müttern erzogen zu werden — und welche Auswirkungen das auf das spätere Sozialleben haben kann

Als Karen Girdner in einigen ihrer Uni-Kurse durchfiel und ihr College-Stipendium dadurch gefährdete, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihre Mutter anzurufen. Aber als diese den Hörer abnahm, bekam Girdner nicht die Unterstützung, die sie suchte. Nachdem sie fünf Minuten darüber geredet hatten, sagte sie: „Ich habe Freunde, die zum Abendessen kommen, und ich habe dieses Wochenende viel zu tun. Wir können vielleicht irgendwann anders reden. Du musst das alleine herausfinden.“ So gibt Girdner ihre Erinnerungen wieder über die Zeit, als sie 18 Jahre alt war und auf der anderen Seite des Landes lebte. Weit weg von ihrer Familie. Girdner sagt, sie habe angefangen zu weinen. Ihre Mutter habe daraufhin gesagt, sie könne nicht mit ihr umgehen, wenn sie emotional sei – und einfach aufgelegt. Heute ist sich Girdner sicher, dass ihre Mutter eine Narzisstin ist.

Manchmal wird der Begriff „Narzisst“ verwendet, um einen unliebsamen Ex oder einen nervigen Kollegen am Arbeitsplatz zu beschreiben. Und klar: Einige Menschen zeigen Anzeichen von Narzissmus, wie beispielsweise einen Mangel an Empathie und eine Tendenz zur Kritikunfähigkeit. Aber nur bei wenigen Menschen – Schätzungen zufolge etwa sechs Prozent der Bevölkerung – wird die krankhafte Form des Narzissmus diagnostiziert, die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind in ihren persönlichen und beruflichen Beziehungen manipulativ, bis sie bekommen, was sie wollen, und jedes Gespräch über sich selbst und ihre Überlegenheit führen können. Business Insider hat mit zwei Frauen gesprochen, die davon überzeugt sind, von Narzisstinnen großgezogen worden zu sein, Personen, die sich wenig für sie interessierten.

„Es war eine langsam dämmernde Erkenntnis, dass sie überhaupt nicht an mir interessiert war“

Girdner zog zum ersten Mal im Juni 2020 in Betracht, dass ihre Mutter eine Narzisstin sein könnte, als ihr Therapeut dies vermutete. Nach ausführlichen Gesprächen über ihre Mutter habe der ihr vorgeschlagen, das Buch „Werde ich jemals genug sein?“ zu lesen.

„Meine Mutter hat jedes Kriterium erfüllt, außer vielleicht eines“, erzählt Girdner. „Dann habe ich meine Schwester angerufen und gesagt: 'Oh mein Gott, ich glaube, wir sind da auf etwas gestoßen'“. Girdners Schwester habe ihr zugestimmt.

Für L.L. Kirchner war die Erkenntnis, dass ihre Mutter eine Narzisstin sein könnte, ein langsamer Prozess. Als sie aufwuchs, habe sie es nicht als seltsam empfunden, dass ihre Mutter oft sagte: „Ich wünschte, ich hätte nie Kinder gehabt“, erinnert sich die Frau. Selbst als Kirchner als Teenagerin in eine Entzugsklinik für Drogen- und Alkoholmissbrauch musste, habe sie sich nicht daran gestört, dass ihre Mutter ihr nicht habe helfen wollen und kein Interesse an den gesundheitlichen Problemen der Tochter gezeigt habe, erinnert sie sich.

Diese Kommentare seien nie ein Thema gewesen – zum Teil auch, weil sie nicht oft miteinander sprachen, da ihre Mutter viele Jahre lang im Ausland lebte. Erst als Kirchner erwachsen wurde und bei ihrer Mutter Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde, habe sie begonnen, regelmäßiger mit ihr zu sprechen. In diesem schmerzhaften Moment habe sie die narzisstischen Tendenzen in den täglichen Telefongesprächen erst bemerkt.

„Zu ihr zu gehen, um sich Unterstützung zu holen, war so, als würde man im Baumarkt nach Äpfeln fragen. Es würde nicht passieren. Es war eine langsam dämmernde Erkenntnis, dass sie überhaupt nicht an mir interessiert war“, sagte Kirchner.

Einen narzisstischen Elternteil zu haben, kann dazu führen, dass man als Erwachsener zum „People-Pleaser“ werde, sagen Experten – also zu einer Person, die es immer allen recht machen will und als Einschleimer wahrgenommen werden kann. Girdner sagte, ihre Mutter habe in ihrer Familie „immer das letzte Wort“ gehabt. Wenn Girdner heute von Freunden nach ihrer Meinung zu Plänen gefragt werde, sage sie instinktiv: „Das ist mir egal, entscheide du.“

„Es ist fast so, als hätte ich zu viel Angst, meine Meinung zu sagen. Oder Angst, nicht gehört zu werden“, sagt Girdner. Sie fügt hinzu, dass sie sich häufig an neue Liebschaften klammere, die ihr Aufmerksamkeit schenkten, „weil ich glaube, dass mir das in meiner Kindheit gefehlt hat.“

So war es auch bei Kirchner, die nach eigenen Angaben früher mit einem Mann verheiratet war, der am Telefon die Scheidung verlangte, während er im Ausland war. Rückblickend, so Kirchner, sieht sie, dass sie sich stets Partner ausgesucht habe, die ihre emotionalen Bedürfnisse vernachlässigt hätten.

Betroffene müssen lernen, gesunde Grenzen zu setzen

Das Kind eines narzisstischen Elternteils kann unbewusst lernen, die Bedürfnisse des Elternteils an die erste Stelle zu setzen, um Aufmerksamkeit und Bestätigung zu erhalten. Das könne wiederum dazu führen, dass es zu einer „elterlichen Bezugsperson“ werde, schreibt der klinische Psychologe Mark Zaslav in dem Magazin "Psychology Today". Dieses Muster kann sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen, wenn eine Person ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle ignoriert, um eine andere Person zufriedenzustellen.

Wenn ihr das erwachsene Kind eines narzisstischen Elternteils seid, ist der wichtigste Schritt zu lernen, die Schuldgefühle loszulassen. Jemand, der bei einem Narzissten aufgewachsen ist, könne Schwierigkeiten haben, seinen eigenen Gefühlen und Instinkten zu vertrauen, so die Psychotherapeutin Erin Leonard.

Erwachsene Kinder narzisstischer Eltern hätten oft ein geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, weil sie angeblich egoistisch seien, und Probleme, Grenzen zu setzen, schreibt Zaslav. Leonard sagte: Wenn man lerne, bewusst wahrzunehmen, wann man an sich selbst zweifele, „kann das alles sein, was nötig ist, um eine Person dazu zu bringen, ihren Gefühlen zu vertrauen und gesunde Grenzen wiederherzustellen“. Laut Zaslav ist es der Schlüssel zur Heilung, mithilfe eines Therapeuten zu lernen, Schuldgefühle loszulassen. Er schreibt, dass die Auseinandersetzung mit den Grenzen eines narzisstischen Elternteils euch helfen könne, realistische Erwartungen an eure zukünftige Beziehung zu stellen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 15. März 2022 aktualisiert. Er wurde am 11. März 2022 veröffentlicht.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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