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Nach 30 Jahren Haft: US-Amerikaner lernt das Internet kennen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Stellen Sie sich vor, sie wären 1990 in ein Koma gefallen und würden jetzt wieder aufwachen. So ähnlich muss sich die Welt für diesen Mann anfühlen, der gerade nach 30 Jahren aus der Haft entlassen wurde.

Für viele Langzeithäftlinge wartet vor den Toren des Gefängnisses eine fast unbekannte Welt. (Symbolbild: Getty Images)
Für viele Langzeithäftlinge wartet vor den Toren des Gefängnisses eine fast unbekannte Welt. (Symbolbild: Getty Images)

Die US-amerikanische Anwältin Maria Burnett beschäftigt sich in ihrer Arbeit normalerweise mit großen Themen des Menschenrechts. Über 13 Jahre arbeite sie für Human Rights Watch vor allem in westafrikanischen Ländern. Doch die Problematik, der sich Burnett nun gegenüber sah, hatte mit Menschenrecht wenig zu tun. Stattdessen ging es um eine eklatante Wissenslücke, die dem Klienten nach dessen Entlassung zu Schaffen machte.

Denn der Mann wurde nach 30 Jahren in Haft aus dem Gefängnis entlassen und fand sich plötzlich in einer Welt wieder, die völlig von einem ihm unbekannten Medium dominiert wurde: dem Internet. Burnett schildert in einem Thread auf ihrem Twitter-Account, welche Herausforderungen ihren Klienten in der digitalen Gegenwart erwarteten.

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Vor sechs Wochen sei der Mann nach seiner langjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis gekommen, schreibt Burnett. Seitdem verlangten ständig Menschen von ihm, dass Unterlagen im Internet seien oder dass sie ihm etwas zumailen würden. "Vor ein paar Tagen hat er mir schüchtern gestanden, dass er nicht versteht, was irgendetwas davon bedeutet," schrieb die Anwältin in ihrem Eingangspost.

Fremdes digitales Terrain

Sie organisierte daraufhin einen Laptop für den digitalen Neuling und führte ihn in die Grundlagen des Internets ein. So lernte er zum Beispiel, nach dem WLAN-Passwort zu fragen. Aber der Lernprozess war nicht einfach, wie Burnett beschreibt. Alles an dem Laptop sei ihm schwergefallen. Von den Icons bis zur Benutzung des Touchpads musste er alles, was viele Menschen heute selbstverständlich nutzen, von der Pike auf neu lernen.

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Dazu kamen die Herausforderungen der Pandemie, in der viele Interaktionen nur noch per Videocall stattfinden. "Wir erstellten Zoom-Meeting-Links, fanden Links in Emails, öffneten Zooms, stellten das Mikro an und aus, schalteten die Kamera an und ab. Wir haben sehr viel Kaffee getrunken," erzählt Burnett in dem Thread von den schwierigen ersten Schritten im Internet.

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Die Anwältin gab zu, sich schuldig zu fühlen, dass sie einfach erwartet hatte, er würde all diese Dinge von selbst herausfinden und lernen. Die Geschichte endet mit einem Erfolgserlebnis: "Gestern Nacht hat er endlich an seinem ersten Zoom Meeting seines Lebens teilgenommen mit einer Gruppe von gerade entlassenen Bürgern," schrieb Burnett in ihrem letzten Post. Das sei ein kleiner aber selbstbewusster Schritt in die digitale Welt. "Er hat offiziell als freie Person gezoomt,"schloss die Menschenrechtsanwältin den Thread.

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