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Meine Mutter war ein Messie – jetzt halte ich mein Haus so sauber, wie ich nur kann

Unsere Autorin wuchs in einem Messie-Haushalt auf. Heute putzt sie ihr Haus zweimal täglich. (Symbolbild)
Unsere Autorin wuchs in einem Messie-Haushalt auf. Heute putzt sie ihr Haus zweimal täglich. (Symbolbild)

Jeden Morgen, bevor ich frühstücke, schrubbe ich die Toilette, putze das Waschbecken im Bad, wische alle Arbeitsflächen in der Küche und sauge Staub. Ich räume alles, was herumliegt, an dessen Platz, ordne die Kissen auf der Couch und atme dann tief durch. Ich brauche das Gefühl, sauber zu sein. Das Gefühl, etwas wert zu sein. Wertvoll für etwas. Vielleicht sogar des Lebens.

Ich bin in einem Wohnwagen aufgewachsen, zusammen mit meinen drei Geschwistern, einem oft abwesenden Vater und einer Mutter, die ein Problem mit dem Wegwerfen hatte. Eine Zeit lang war es einfach nur eng. Aber mit der Zeit wurden wir begraben in Müll.

In unsere Schlafzimmer kamen wir nur durch einen schmalen Gang durch Berge an Sachen. Und selbst unsere Betten waren halb begraben unter alten Zeitungen, Zeitschriften und Dreckwäsche. Wenn ich daran denke, wie es damals war, bekomme ich eine Gänsehaut. Wenn ich mich an die Dusche erinnere, dreht sich mir der Magen um; selbst der Ort, an dem wir uns sauber machen sollten, war schmutzig. Wir platzten buchstäblich aus allen Nähten vor Dreck. Wir hatten Flöhe. Und ich meine nicht, dass unsere Haustiere Flöhe hatten – ich meine, wir hatten die Flöhe.

Jetzt bin ich selbst Mutter, und ich bemühe mich, mein Haus so sauber wie möglich zu halten.

Ich habe mein Zuhause mit 18 verlassen.

Eines der besten Dinge am Erwachsenwerden ist die Möglichkeit, sich seinen eigenen Lebensraum zu schaffen. Mit 18 bin ich ausgezogen. Zuerst in ein Studentenwohnheim, später eine Wohnung in der Großstadt. Und irgendwann dann in ein kleines Haus für meine kleine Familie und mich.

Ich hatte mir immer ein Puppenhaus gewünscht – einen kleinen Ort, den ich kontrollieren konnte. Ich stellte mir vor, wie gut es sich anfühlen würde, die Möbel sorgfältig nach meinem Geschmack zu arrangieren und alles sauber zu halten. Nichts, was ich nicht gutheiße, würde in das Gebäude gelangen. Ich würde nicht einmal eine Miniatur-Zeitung hineinlassen.

Heute brauche ich kein Puppenhaus mehr. Mein echtes Haus ist das Puppenhaus – und ich bin die Hausherrin. Ich putze um sechs Uhr morgens und noch einmal um Mitternacht. Ich putze, bis mir die Hände wehtun – mehr, als irgendjemand sonst vernünftig finden würde. Ich putze so viel wie nötig, um ungeschehen zu machen, was mir angetan wurde.

Heute kann ich meiner Mutter verzeihen.

Manchmal frage ich mich, wie meine Mutter uns lieben und uns gleichzeitig so leben lassen konnte. Meine Mutter muss gelitten haben. Auch wenn es mir immer schwerfallen wird, mich sauber zu fühlen, weiß ich, dass sie mir nie absichtlich etwas antun wollte. Heute ist es leichter zu verzeihen als damals.

Trotzdem ist es ein schmaler Grat, auf dem ich mich bewege. Ein schwarzer Fleck auf unserem weißen Kachelboden reicht aus, um in mir Panik auszulösen; Krümel unter dem Tisch verursachen bei mir Gänsehaut. Mein 7-jähriger Sohn hat gelernt, dass er seine Kleidung, die er draußen trägt, drinnen nicht tragen darf – niemals.

Vielleicht ist mein Bedürfnis nach Sauberkeit zu eng verbunden mit meinem Selbstverständnis – was, wie ich feststelle, in vielerlei Hinsicht genauso zerstörerisch sein kann, wie wenn die beiden überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Ich tue mein Bestes. Ich versuche mich daran zu erinnern, dass ich, obwohl ich mit dem Gefühl aufgewachsen bin, inmitten des Mülls selbst zu einem Stück Müll geworden zu sein, nicht mehr an diesem Ort bin. Ich muss mich nicht mehr befreien aus dem Müll, ich bin herausgekommen. Ich habe mir ein schönes kleines Haus gebaut.

Ich wische jede Oberfläche in meinem Blickfeld ab und bete, dass das Gefühl, jetzt sauber zu sein, ausreicht. Ausreicht, um nicht mehr zu glauben, dass ich genauso wenig Fürsorge verdiene, wie der Raum, der mich umgab.

Dieser Artikel wurde von Ben Peters aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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