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MUNICH RE IM FOKUS: Die Natur schlägt zurück

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MÜNCHEN (dpa-AFX) - Erst Starkregen mit Sturzfluten in Deutschland, dann Hurrikan "Ida" mit Sturmflut in den USA: Die Kräfte der Natur haben in den vergangenen Wochen viele Menschenleben gekostet und hohe Schäden verursacht. Die Versicherungsbranche muss für einen großen Teil der Schäden an Gebäuden, Betrieben und Autos geradestehen. Auch der Rückversicherer Munich Re <DE0008430026> greift tief in die Tasche - hat sein Gewinnziel für 2021 aber bisher nicht infrage gestellt. Was bei dem Dax-Konzern <DE0008469008> los ist, was Analysten sagen und wie sich der Aktienkurs entwickelt.

DAS IST LOS BEI DER MUNICH RE:

Die Manager der Munich Re gehören seit Jahren zu den größten Warnern und Mahnern in Sachen Klimawandel. Experten des Konzerns analysieren die Veränderung des Weltklimas, die Zunahme von Wetterextremen und versuchen künftige Entwicklungen vorherzusagen. Dieses Engagement entspricht keineswegs altruistischen Gründen - sondern gehört zur Geschäftsgrundlage des Rückversicherers.

"Der größtenteils von Menschen verursachte Klimawandel ist Realität und beeinflusst wetterbedingte Naturkatastrophen", schreibt die Munich Re in der Rubrik "Klimawandel" auf ihrer Internetseite. "Je nach Region und Naturgefahr kann sich dadurch die Risikolage verändern, zum Beispiel bei schweren Stürmen, Gewittern, Überschwemmungen oder Dürren. Versicherer müssen diese Veränderungen für ihr eigenes Risikomanagement genau verstehen."

Als die Hochwasserkatastrophe in Deutschland im Juli reihenweise Dörfer zerstörte und Menschen in den Tod riss, kam dies für die Munich Re zumindest im Prinzip nicht überraschend. "Überschwemmungen sind im Langfristvergleich nach Stürmen die Naturkatastrophe mit den weltweit höchsten Schäden", schreibt das Unternehmen. Zudem verändere der Klimawandel die Wahrscheinlichkeiten für Extremniederschläge. "Die Folge: häufigere Sturzfluten und Hochwasserkatastrophen."

Der deutsche Versichererverband GDV erwartet, dass Naturkatastrophen die Branche in diesem Jahr 11,5 Milliarden Euro kosten - und damit so viel wie nie zuvor. Seine Schadenschätzung für die Flutkatastrophe im Juli hat er bereits deutlich nach oben korrigiert - auf jetzt rund sieben Milliarden Euro. Die Zerstörungen, die Tief "Bernd" in Nachbarländern wie Belgien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz angerichtet hat, sind darin freilich nicht enthalten.

Munich-Re-Chef Joachim Wenning erwartet, dass der Konzern samt seiner Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo bei Tief "Bernd" insgesamt mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag davonkommt. Zu einer genaueren Prognose sah er sich bei der Vorlage der Quartalszahlen am 10. August noch nicht in der Lage.

Noch tiefer muss die Versicherungsbranche wohl für die Folgen von Hurrikan "Ida" in die Tasche greifen. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister CoreLogic schätzte die gesamten Schäden durch Wind, Sturmflut und Überschwemmungen an Privatgebäuden und Betrieben am 1. September auf 27 bis 40 Milliarden US-Dollar (22,8-33,8 Mrd Euro). Davon dürfte die Versicherungsbranche etwa 14 bis 21 Milliarden Dollar tragen. Der Löwenanteil entfalle auf den Bundesstaat Louisiana, der Rest auf Mississippi und Alabama. Die Schäden, die "Ida" in den Tagen danach unter anderem in New York anrichtete, sind in den Zahlen noch nicht enthalten.

Noch sind die Aufräumarbeiten in den USA im Gange. Nach Hochwasserkatastrophen dauert es üblicherweise einige Zeit, bis die Versicherer die Schäden aufnehmen und beziffern können. Die Munich Re hat ihr Gewinnziel bisher nicht in Zweifel gezogen. Wenning peilt für das laufende Jahr bisher einen Überschuss 2,8 Milliarden Euro an. Auch erhöhte Belastungen durch die hohe Zahl der Corona-Toten in den USA sowie Südafrika und Indien ließen die Prognose bisher nicht wackeln.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Der Aktien der Munich Re haben seit der Corona-Pandemie wie viele andere Papiere eine steile Berg- und Talfahrt vollzogen. Hatte er im Februar 2020 noch ein Langzeithoch von 284 Euro erreicht, ging es im Börsen-Crash binnen weniger Wochen um mehr als die Hälfte nach unten. Danach erholte er sich mit den Aktienmärkten bis Frühjahr 2021 wieder bis auf knapp 270 Euro.

Doch nach der Hochwasserkatastrophe in Europa sackte er im Juli wieder bis auf gut 215 Euro ab - um nach der Vorlage der Zwischenbilanz für das zweite Quartal im August wieder bis auf fast 260 Euro zu klettern. Doch seit sich Ende August mehrere schwere Stürme und schließlich Hurrikan "Ida" auf die US-Küsten zubewegten, drehte der Kurs wieder nach unten. Die inzwischen sichtbaren Schäden in Milliardenhöhe lassen auch für die Munich Re hohe Belastungen erwarten.

Damit hat die Aktie ihre seit dem Jahreswechsel erreichten Kursgewinne wieder abgegeben. Zuletzt wurde das Papier am Montag zu rund 242 Euro gehandelt - und war damit etwas billiger zu haben als Ende 2020, während der Dax in diesem Zeitraum fast 16 Prozent zulegte. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre kletterte der Kurs der Aktie um fast 50 Prozent und damit in etwa so stark wie der deutsche Leitindex.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Branchenexperten sind der Munich-Re-Aktie trotz allem zugetan. Die neun von dpa-AFX erfassten Analysten, die ihre Einschätzungen seit der Vorlage der Halbjahresbilanz aktualisiert haben, schreiben dem Papier im Schnitt ein Kursziel von rund 282 Euro zu. Das entspricht fast dem Stand kurz vor Ausbruch der Pandemie. Passend dazu empfehlen sechs der Analysten die Aktie zum Kauf, drei raten zum Halten. Für einen Verkauf plädiert keiner von ihnen.

Ashik Musaddi von der US-Bank JPMorgan hob sein Kursziel Anfang September sogar von 269 auf 290 Euro an. Er erwartet, dass sich die zuletzt gute Kursentwicklung der Versicherer fortsetzt. Allerdings ließ er seine Einstufung für das Munich-Re-Papier auf "Neutral" - obwohl sein Kursziel deutlich über dem derzeitigen Kurs liegt und er der Aktie mehr zutraut als der Durchschnitt der Experten.

Analyst Will Hardcastle von der schweizerischen Großbank UBS ist noch etwas optimistischer - und rät bei einem Kursziel von 299 Euro zum Kauf der Aktie. Nach seiner Ansicht könnte Hurrikan "Ida" 2021 zu einem der zehn teuersten Hurrikan-Jahre der Branchengeschichte machen. Zudem sei schon nach der Hochwasserkatastrophe in Europa absehbar gewesen, dass die Schäden 2021 das fünfte Jahr in Folge die Katastrophenbudgets der Rückversicherer sprengen würden. Die Zerstörungen durch "Ida" dürften die Munich Re und ihre kleinere Konkurrentin Hannover Rück <DE0008402215> nach Hardcastles Prognose aber weniger stark treffen als etwa den schweizerischen Rückversicherer Swiss Re <CH0126881561>.

Den größten Kursanstieg traut die Privatbank Berenberg der Munich-Re-Aktie zu. Als "Ida" bereits auf die US-Golfküste zusteuerte, hob Analystin Kathryn Fear ihr Kursziel von 306 auf 317 Euro an. Die derzeitige Bewertung der Aktie spiegle das hohe Gewinnpotenzial und die sehr sichere Dividendenrendite nicht wider, schrieb sie. Zudem rechnet sie damit, dass die Munich Re im kommenden Jahr wieder eigene Aktien vom Markt zurückkauft.

Das niedrigste Kursziel hat mit 241 Euro NordLB-Experte Volker Sack auf dem Zettel. Dabei konnte Hurrikan "Ida" seine Analyse Mitte August noch gar nicht beeinflusst haben. Allerdings hatte er seine Einschätzung auch mit den hohen Flutschäden in Europa und der bevorstehenden Hurrikan-Saison begründet.

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