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Montenegro: Bischof und Priester wegen Corona-Verstoßes festgenommen

NIKSIC (dpa-AFX) - Die Staatsanwaltschaft in Montenegro hat in der Nacht zum Mittwoch einen serbisch-orthodoxen Bischof und sieben Priester wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen die coronabedingten Gesundheitsvorschriften festgenommen. Dies berichtete das staatliche Fernsehen RTCG. Eine große Zahl von Gläubigen hatte am Dienstag im Kloster Ostrog bei Niksic an einem Gottesdienst für einen orthodoxen Heiligen teilgenommen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in Niksic verstieß die Messe gegen das geltende Versammlungsverbot. Die Gläubigen hätten außerdem den Sicherheitsabstand nicht eingehalten und keine Schutzmasken getragen. Bischof Joanikije von Budva und Niksic und die anderen Geistlichen wurden für 72 Stunden festgenommen.

Im Adria- und Balkanland Montenegro waren bis Mittwoch 324 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Bislang wurden neun Tote gemeldet. In den letzten sechs Tagen wurden keine Neuansteckungen verzeichnet.

Die serbisch-orthodoxe Kirche spielt die Gefahren der Pandemie herunter. Etliche ihrer Führer behaupten, dass Gebete und Gottesdienste der "beste Impfstoff" gegen die potenziell tödliche Lungenkrankheit seien. Außerdem praktiziert sie unhygienische Rituale. Bei der "Löffelkommunion" empfangen die Gläubigen die Kommunion vom selben Essbesteck, das herumgereicht wird.

In dem seit 2006 unabhängigen Montenegro bestehen zudem starke Spannungen zwischen der prowestlichen Regierung und der aus Belgrad gesteuerten serbisch-orthodoxen Kirche. Präsident Milo Djukanovic hatte den Konflikt Ende des Vorjahres mit einem neuen Kirchengesetz zusätzlich angeheizt. Dieses droht der serbisch-orthodoxen Kirche mit der Enteignung ihrer Kultstätten und Güter. Damals hatten Hunderttausende dagegen protestiert.