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Monika Schnitzer soll Wirtschaftsweise werden

Mit der Münchner Professorin würde neuer Innovationsgeist in den Sachverständigenrat einziehen. Ab 2021 sollen erstmals zwei Frauen im Gremium sitzen.

Frauen seien zielgerichteter, hat Monika Schnitzer einmal gesagt. In Diskussionen komme man mit ihnen schneller voran. „Denn sie wissen, dass sie noch diverse andere Dinge auf die Reihe kriegen müssen.“ Daran gemessen könnten die Diskussionen im Sachverständigenrat künftig kürzer ausfallen. Denn Schnitzer soll eine der fünf Wirtschaftsweisen werden.

Die Entscheidung ist zwar noch nicht endgültig gefallen. „Es ist nichts entscheiden, solange nicht alles entschieden ist“, heißt in es Regierungskreisen. Denn neben Schnitzer sucht die Bundesregierung noch eine weitere Frau für ihr wichtigstes Wirtschafts-Beratergremium. Doch die Professorin von der LMU München hat sich nach Handelsblatt-Informationen bereit erklärt, als Wirtschaftsweise zur Verfügung zu stehen – und ist damit faktisch gesetzt.

Schnitzer berät die Bundesregierung schon seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen. Seit 2001 sitzt im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums, von 2011 bis 2019 war sie Beraterin für Forschungspolitik. Seit bald zehn Jahren wird Schnitzer auch als potenzielle Wirtschaftsweise gehandelt. Nach dem Wechsel der Wirtschaftsweisen Isabel Schnabel zur Europäischen Zentralbank stand die 58-jährige Schnitzer wieder ganz oben auf der Wunschliste der Bundesregierung.

Denn auf Schnabel sollte auf jeden Fall wieder eine Frau folgen. Schnitzer passte aber auch sonst perfekt ins Anforderungsprofil der Regierung: Sie ist Innovationsökonomin, forscht etwa darüber, wann Unternehmen mehr forschen und mehr investieren – ein Feld, das im Sachverständigenrat zuletzt als unterrepräsentiert galt.

Auch beschäftigte sie sich in ihren Arbeiten mit Außenhandelsthemen oder dem Einfluss multinationaler Konzerne, beides hochaktuelle Themen. „Sie ist eine hervorragende Politikberaterin und gerade in diesen Zeiten als Innovationsökonomin eine sehr gute Wahl“, sagt Gabriel Felbermayr, viele Jahre Kollege Schnitzers an der LMU München.

Neben ihrem guten wissenschaftlichen Ruf bringt Schnitzer zudem einen internationalen Blickwinkel mit, forschte in Stanford, Berkeley, Yale und Harvard. Als Ex- Vorsitzende des „Vereins für Socialpolitik“, der größten ökonomischen Standesvertretung Deutschlands, ist die Mutter dreier Kinder auch in der Wissenschaft bestens vernetzt.

Und selbst privat könnte Schnitzer – so sie will – sich mit einem Sparringspartner auf die Debatten im Rat vorbereiten: Ihr Ehemann ist Klaus Schmidt, ebenfalls Wirtschaftsprofessor und Chef des Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums.

Politisch ist Schnitzer nicht eindeutig einzuordnen, unter Ökonomen gilt sie aber eher der Union nahe stehend. Das ist deshalb von Bedeutung, weil noch zwei weitere Plätze im Sachverständigenrat frei werden. Der zweite in diesem Jahr frei werdende Posten soll ebenfalls mit einer Frau besetzt werden, Wunschkandidatin der Regierung ist die Frankfurter Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln.

Dass sie dem Ruf folgen wird, gilt aber als unwahrscheinlich. Das SPD-geführte Bundesfinanzministerium drängt zudem darauf, die 2021 frei werdende Stelle von Lars Feld gleich mit zu besetzen, um sich den Platz zu sichern. Dafür ist der Regionalökonom Jens Südekum im Gespräch.

Unabhängig von dieser Entscheidung werden aber spätestens 2021 erstmals definitiv zwei Frauen im Sachverständigenrat sitzen. Dass dies vor allem einem Bundesgesetz geschuldet ist, dass dies so vorschreibt, findet Schnitzer gut. „Ich bin für eine Frauenquote“, hat sie einst gesagt. Denn Vorurteile nähmen erst ab, wenn es ausreichend Frauen in Führungspositionen gebe. „Das ist längst wissenschaftlich belegt.“