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Kann der Moderna-Impfstoff die Impfmisere in Deutschland beenden?

·Lesedauer: 8 Min.

Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Behörde hat die EU-Kommission den Covid-Impfstoff von Moderna zugelassen. Damit wird es das zweite zugelassene Präparat für Europa. Wird damit jetzt alles gut?

Der bisherige Lockdown in Deutschland konnte nicht die erwünschte deutliche Absenkung der Corona-Infektions- und Todeszahlen und damit Entlastung der Kliniken bringen. Bund und Länder einigten sich daher am Dienstag auf eine Verlängerung des Lockdowns und weitere, durchaus harte Einschnitte. Vor allem die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger sorgt für Wirbel, von allen Seiten hagelt es heftige Kritik an der deutschen Impfstrategie.

Hoffnung weckt nun die Aussicht auf mehr Impfstoff: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am Mittwoch grünes Licht für den Einsatz des Vakzins von Moderna. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA empfahl eine bedingte Zulassung. Auf Grundlage dessen hat die Europäische Kommission den Impfstoff nun zugelassen. In den USA, Kanada und Israel ist der Impfstoff bereits erlaubt. Das Moderna-Serum ist nach dem Präparat von Biontech/ Pfizer der zweite Impfstoff, der in der EU zugelassen wird. Wird sich die Lage in Deutschland damit spürbar entspannen? Die wichtigsten Punkte um Überblick:

Wie viel Corona-Impfstoff ist da, wie viel wurde davon bereits genutzt?

Bislang wurden 1,3 Millionen Dosen des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech an die Bundesländer geliefert. Damit werden zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal versorgt. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch zeigen, dass inzwischen rund 316.962 Menschen eine erste Impfung erhalten haben.

Selbst wenn man die Hälfte der Dosen für die nötige zweite Impfung zurücklegt, wurde also noch lange nicht die gesamte in Deutschland verfügbare Menge aufgebraucht.

Warum geht es in Deutschland so langsam voran – und beschleunigen weitere Impfstoffe den Vorgang?

Das Gesundheitsministerium verweist für das Impfprozedere an die Bundesländer. Denn diese sind für Ankauf und die Verteilung des Impfstoffs zuständig. Sie verteilen den Impfstoff auf die Städte und Kommunen und regeln jeweils unterschiedlich, wie die ersten Personengruppen an die Impfungen kommen. Generell könnte das langsame Voranschreiten daran liegen, dass zunächst vorrangig in Alten- und Pflegeheimen geimpft wird. Die Bewohner dort sind oft nicht mobil, sodass Impfteams in die Heime fahren müssen. Das dauert länger als Massenimpfungen in einem Impfzentrum. Außerdem sind vor dem Impfen Aufklärungsgespräche mit einem Arzt vorgesehen und es müssen Formulare ausgefüllt werden.

Dass die Zulassung weiterer Präparate die Impfungen beschleunigt, gilt zwar als wahrscheinlich. Die größten Hoffnungen liegen hier aber nicht auf der bevorstehenden Moderna-Zulassung, sondern vor allem auf dem Serum von AstraZeneca. Das liegt daran, dass dieser Impfstoff nach einem anderen Prinzip funktioniert und preislich deutlich unter der Konkurrenz liegt. Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca muss außerdem nicht stark heruntergekühlt werden wie derzeit der von Biontech. Das würde die Logistik vereinfachen und das Serum könnte auch in Arztpraxen verabreicht werden. Daher dringt etwa der Virologe Christian Drosten darauf, dass die EMA auch rasch den Weg für das AstraZeneca-Mittel freimachen soll, das in Großbritannien bereits zugelassen ist.

Wann kommt die nächste Impfstoff-Lieferung in den Ländern an?

Die nächste Charge Biontech-Impfstoff kommt am Freitag, dem 8. Januar. Bis Anfang Februar sind jeweils montags drei weitere Liefertermine vorgesehen. Bis einschließlich 1. Februar sollen weitere 2,68 Millionen Impfdosen an die Länder verteilt werden, bis zum 16. Februar werde man insgesamt 5,34 Millionen Dosen liefern, so Biontech.

Noch im Januar sollte das Moderna-Präparat dazukommen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet zunächst nicht mit großen Lieferungen. Im ersten Quartal erwarte man in Deutschland knapp zwei Millionen Dosen, sagt Spahn. Wenn das Moderna-Mittel noch an diesem Mittwoch genehmigt werde, könnten erste Lieferungen nächste Woche eintreffen.

Die EU hat bereits 160 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffes bestellt. Insgesamt bekommt Deutschland nach Angaben des Gesundheitsministeriums über die EU 55,8 Millionen Impfdosen von Biontech sowie 50,5 Millionen Dosen der US-Firma Moderna. Dass Deutschland hiervon relativ gesehen so viele Impfdosen bekommt, liegt daran, dass einige EU-Staaten keinen Moderna-Impfstoff beziehen wollten und deshalb der deutsche Anteil größer wurde. Doch die weiteren Impfdosen gibt es natürlich genauso wenig auf einen Schlag, wie die von Biontech. Moderna erwartet laut einer Mitteilung, im ersten Quartal 2021 zwischen 100 und 125 Millionen Dosen weltweit verfügbar machen zu können – der Löwenanteil von 85 bis 100 Millionen Impfdosen geht dabei an die USA. Bleiben also nur 15 bis 25 Millionen Dosen an Länder jenseits Amerikas. Nur ein kleiner Teil der Dosen dürfte auf Deutschland entfallen. Sechs Millionen Dosen hatte Israel bestellt, das den Moderna-Impfstoff Anfang der Woche bereits zugelassen hat.

Weitere, hierzulande bislang nicht zugelassene Impfstoffe stehen aus: Von der Firma AstraZeneca steht Deutschland ein EU-Anteil von 56,2 Millionen Dosen zu. Hinzu kommen 42 Millionen Dosen über EU-Verträge mit dem deutschen Unternehmen Curevac, dessen Impfstoff in der ersten Jahreshälfte zugelassen werden könnte. 20 Millionen Dosen kann Deutschland zudem durch ein nationales Programm beziehen, weil die Entwicklung der Impfstoffe von Curevac ebenso wie bei Biontech durch Steuergeld gefördert wurde. Über die EU würde Deutschland zudem von Johnson & Johnson weitere 37,25 Millionen Dosen beziehen.


Wie könnten die Corona-Impfungen in Deutschland beschleunigt werden?

Kann man dann verschiedene Impfstoffe kombinieren, um den Vorgang zu beschleunigen?

In Großbritannien wurde die Möglichkeit geschaffen, bei der Auffrischung einen anderen Impfstoff zu verwenden als bei der ersten Spritze. Können zwei unterschiedliche Impfstoffe eingesetzt werden, sind die Ärzte flexibler und müssen nicht mehr die Hälfte aller Dosen für die Auffrischungen zurückhalten.

Doch dieses Vorgehen ist umstritten, klinische Studien liegen nicht vor. Einige Wissenschaftler vermuten, dass es möglich sein dürfte, das Immunsystem mit unterschiedlichen Impfstoffen zu trainieren, weil alle bislang vorliegenden Präparate auf das sogenannte Spike-Protein abzielen. Andere sind skeptischer. „Es gibt dazu null Daten. Es wurde nicht getestet, und falls es Studien gab, liegen die Ergebnisse nicht vor“, sagte John Moore, Mikrobiologe beim Weill Cornell Medical College in New York.

Gesundheitsminister Jens Spahn berief sich am Mittwoch auf die Ständige Impfkommission, die ebenfalls von einem Impfstoff-Mix abrät.

Könnten nicht einfach mehr Menschen eine erste Dosis Biontech/Pfizer-Präparat erhalten, anstatt den zuerst Geimpften eine zweite Dosis zu verabreichen?

Viele Bürger und auch Experten beschweren sich, dass nicht genügend Impfstoff da sei. Zwischenzeitlich kam die Debatte auf, ob man nicht zunächst auf die vorgesehene zweite Corona-Impfung verzichten könne, um erstmal mehr Menschen die erste Dosis verabreichen zu können.

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer traten hier jedoch schnell auf die Bremse: Es gebe keine Daten, dass die Impfwirkung nach 21 Tagen anhalte, erklärten die Unternehmen. Der Impfstoff müsse ein zweites Mal verabreicht werden, um eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent zu erreichen.

Das ändert sich auch beim Moderna-Impfstoff nicht: Das Präparat hat in Testreihen eine hohe Wirksamkeit von rund 94 Prozent bewiesen. Um seine Wirkung zu entfalten, muss das Mittel ebenfalls zweimal innerhalb von vier Wochen verabreicht werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-Arzneimittelbehörde FDA warnten am Dienstag nun ebenfalls davor, von der vorgeschriebenen Verabreichung der zwei Dosen abzuweichen. „Die verfügbaren Daten unterstützen weiterhin die Verwendung von zwei festgelegten Dosen jedes zugelassenen Impfstoffs in festgelegten Intervallen“, hieß es in einer Mitteilung der FDA. Mögliche Veränderungen in diesem Vorgehen wie die Reduzierung der Dosen oder die Verlängerung der Intervalle könnten eine Gefahr für das öffentliche Gesundheitswesen darstellen. Änderungen könnten erst dann erwogen werden, wenn es dazu wissenschaftlich fundierte Daten gebe.

Eine weitere Gefahr bei einer zeitlichen Entzerrung zwischen den Impfungen: Das Virus könnte sich in der Zwischenzeit anpassen, gibt Florian Krammer, Virologe bei der Icahn School of Medicine in New York, zu bedenken. Er erklärte, genau dieses Vorgehen werde genutzt, um Virenmutationen zu provozieren: „Wenn wir im Labor Mutationen erzeugen wollen, setzen wir das Virus einem geringen Antikörperdruck aus und steigern diesen dann langsam. Ich denke, es wäre gut, die zweite Dosis so bald wie möglich zu geben.“

Und wie steht es um die Impfstoff-Produktion?

Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch mit ihren zuständigen Ministern beraten, wie zusätzliche Produktion von Impfstoff durch die Regierung unterstützt werden kann. Man wolle alles tun, um die Produktion zu steigern. Sollten Darlehen oder Übergangsfinanzierungen nötig sein, werde dies kein Problem sein, sagte Merkel nach den Bund-Länder-Beratungen am Dienstagabend. Der Bund werde sich mit den Herstellern zusammensetzen und überlegen, wo man helfen könne. Es gebe zudem die berechtigte Hoffnung, dass Biontech in seiner geplanten Produktionsstätte in Marburg Ende Februar oder im März starten könne. Dies würde für Biontech und seinen Partner Pfizer die Möglichkeiten „sehr stark“ erhöhen, so die Kanzlerin.

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