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Modedesignerin kämpft für bedingungsloses Grundeinkommen in der Coronakrise

Die für ihre Korsetts bekannte Modeschöpferin Tonia Merz fordert Hilfen für die Opfer der Coronakrise. Ihre Petition hat schon fast eine halbe Million Unterschriften.

Es war eine Bauchentscheidung. „Vier Stunden nachdem Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf der Pressekonferenz den Shutdown im Einzelhandel verkündet hatte, hatte ich die Idee: Ich mache eine Petition“, sagt Tonia Merz. Sie wollte Unterschriften sammeln, um ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen in Deutschland einzuführen. „Damit jeder im Land sich in der Coronakrise das Nötigste fürs Leben leisten kann“, erklärt die Berliner Modedesignerin.

Die Petition war bislang erfolgreich: 464.000 Bundesbürger haben sie Stand Donnerstagmorgen unterschrieben. Jetzt hat Merz die Petition an die Bundeskanzlerin, an den Wirtschaftsminister und an alle Bundestagsabgeordneten geschickt. „Es kommt darauf an, dass die Menschen, die durch die Corona-Epidemie in Not geraten sind, schnell Hilfe bekommen, und vor allem unbürokratisch“, fordert die 46-jährige Unternehmerin.

Sie bekommt Unterstützung von weiteren Initiativen sowie von Prominenten wie Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm, der schon seit Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle fordert. Auch „Wir sind Helden“-Sängerin Judith Holofernes unterstützt die Initiative.

Tonia Merz ist niemand, der schnell nach Staatshilfen ruft. Sie hat sich schon während ihres Studiums für Modedesign an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin selbstständig gemacht – mit besonderen Korsetts. Auf die Idee kam die gebürtige Heidelbergerin bei einem Praktikum bei Velda Lauder, einer der führenden britischen Korsettdesignerinnen.

Heute fertigt die Frau, die seit 19 Jahren als Modedesignerin arbeitet, jährlich rund 300 bis 400 Korsetts, die zwischen 400 und 800 Euro kosten, mit vier festangestellten Mitarbeiterinnen – normalerweise. Doch nach dem Shutdown im März sackte der Umsatz ab. Sie musste ihren Showroom in Berlin schließen und auf die Pop-up-Stores verzichten, die sie sonst für kurze Zeit in anderen Städten betreibt. Sie beantragte für ihre Mitarbeiterinnen 25-prozentige Kurzarbeit.

Sie selbst hat schnell reagiert und begonnen, Schutzmasken zu fertigen. Doch das reicht nicht, um den verlorenen Umsatz im Stammgeschäft auszugleichen. Mit ihrer Petition will sie den Blick der Politiker, die derzeit viele Unternehmen mit Milliardenprogrammen unterstützen, auf die vielen einzelnen Menschen lenken, die zum Beispiel als Selbstständige besonders unter der Coronakrise leiden.

Ihre Hoffnung ist der Petitionsausschuss des Bundestags, der am 15. Juni zum letzten Mal vor der Sommerpause tagt. „Es muss schnell gehen, damit das bedingungslose Grundeinkommen von 800 bis 1200 Euro pro Person noch hilft, die Existenz von Menschen in der Coronakrise zu sichern“, hofft sie. Unterstützung bekommt sie von ähnlichen Initiativen wie der von Susanne Wiest, die schon rund 150.000 Unterschriften gesammelt hat.