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Mittelständler Wibit will mit Poolmöbeln für die Oberklasse einen neuen Markt erobern

Hofer, Joachim
·Lesedauer: 5 Min.

Sie sind Pioniere im Geschäft mit Aquaspielplätzen. Nun wollen zwei Unternehmer aus Bocholt wieder einen Markt schaffen: schwimmende Möbel.

Es ist ein Sprung ins kalte Wasser: Mit edlen Poolmöbeln wollen zwei Unternehmer aus Bocholt die Schwimmbecken rund um den Globus erobern. Das ist ein Risiko, hat Robert Cirjak, 50, und Romann Rademacher, 47, aber noch nie abgehalten, sich ins Abenteuer zu stürzen. So auch in diesen Tagen.

Vor genau 25 Jahren haben die Chefs und Gründer des Mittelständlers Wibit angefangen, Wasserspielplätze weltweit zu verkaufen. Ein Geschäft, das sie weiter kräftig vorantreiben. Parallel dazu versuchen sie aber, die nächste Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Ihre neue Marke heißt „Looft“. Unter diesem Namen bieten sie jetzt ausgefallene und robuste Schwimmsessel an, ergonomisch geformte Luftmatratzen, geräumige Badeinseln und viele weitere schwimmende Accessoires für Hotels, Beachclubs und Villen. Die Preise: 250 bis 750 Euro. „Das ist ein neues Standbein in einem neuen Markt“, erklärt Rademacher.

Mit den herkömmlichen Luftmatratzen vom Discounter hätten ihre Produkte nicht einmal mehr die Form gemeinsam, meint Co-Chef Cirjak: „Das ist der Porsche der Luftmatratzen.“ Die Unternehmer setzen eine neue Technologie ein, mit der sie eigenen Angaben zufolge starkes und zugleich leichtes Material so biegen können, dass bequeme und sehr stabile schwimmende Poolmöbel entstehen.

Dass die Wibit-Chefs ungeachtet der Wirtschaftskrise expandieren, hat seinen Grund: Vor gut zwei Jahren haben sie sich mit Argos Wityu einen Finanzinvestor an Bord geholt, der seither die Mehrheit der Unternehmensanteile hält. Nun verfügen sie über die Mittel, um sich auf neues Terrain zu wagen.

Größter Hersteller von Wasserparks weltweit

Der gebürtige Kanadier Cirjak und der Westfale Rademacher haben sich Mitte der 90er-Jahre beim MSV Duisburg kennen gelernt. Aus der Freundschaft zweier Fußballer wurde eine unternehmerische Partnerschaft. 1996 begannen die beiden zunächst, Wassertrampoline aus Amerika zu importieren. Schnell gingen sie aber dazu über, ihre eigenen Aqua-Spielgeräte zu entwerfen und zu vertreiben.

Heute sehen sie sich mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent als größten Hersteller von Wasserparks weltweit. Mit 50 Mitarbeitern erzielen sie einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Genauere Angaben machen sie nicht.

Produziert wird in Fernost, verkauft auf der ganzen Welt. Denn das ist ein Ziel, das sich die zwei Amateurkicker 2006 zur Weltmeisterschaft in Deutschland gesetzt haben: Sie wollen in alle Länder liefern, die dem Weltfußballverband Fifa angehören. Bislang gelang ihnen das in 99 Nationen, also rund der Hälfte der Fifa-Mitglieder.

Bei den Betreibern der schwimmenden Spielplätze genießen die beiden Unternehmer aus dem Münsterland einen guten Ruf. „Wir haben keine anderen Wasserparks mit vergleichbarer Qualität und Haltbarkeit gefunden“, erklärt Yudiansah Yosal, CEO von Ecomarine Indonesia. „Unsere Anlage ist jetzt seit eineinhalb Jahren auf dem Meer und ist weiter in sehr gutem Zustand.“ An einem Strand auf Bali hat Wibit den größten aufblasbaren Wasserpark der Welt errichtet. Bis zu 600 Besucher können sich dort gleichzeitig vergnügen.

Es seien aber nicht nur die Produkte selbst, mit denen sich die Fabrikanten aus Deutschland auszeichnen, meint Yosal: „Sie haben uns auch bezüglich des Standorts beraten und sichergestellt, dass alle technischen Voraussetzungen stimmen.“ Es sei auch beruhigend gewesen, dass das Installationsteam bereits Anlagen auf der ganzen Welt gebaut habe und sehr erfahren sei. Betreiber wie Ecomarine verdienen ihr Geld mit Eintrittsgebühren.

Tausende auf einem Wasserspielplatz

Längst schwirren den Unternehmern Pläne für eine noch viel größere Anlage im Kopf herum. „In fünf, sechs Jahren wollen wir eine Art Disneyland auf dem Wasser entwerfen“, erläutert Cirjak. Ein Objekt, in dem Tausende Besucher gleichzeitig planschen können.

Möglich wird das durch die Unterstützung von Argos Wityu: Dem Private-Equity-Haus gehören inzwischen 60 Prozent der Anteile. Trotzdem genießen die Gründer weitgehende unternehmerische Freiheiten. Es ist ein Pakt, der beide Seiten offenbar zufriedenstellt. „Der kreative Unternehmergeist von Romann und Robert hat uns von Beginn an überzeugt, sie bei der weiteren Entwicklung des Weltmarktführers zu unterstützen“, sagen Frank Hermann und Fabian Söffge vom deutschen Argos-Wityu-Team.

Mithilfe von Argos Wityu können die Unternehmer lang gehegte Ideen verwirklichen. So gründen sie immer häufiger Gemeinschaftsunternehmen, um Wasserparks mit Partnern zu betreiben. Das kostet viel Geld und ist risikoreicher als das bisherige Geschäft. Dafür aber bietet es die Chance auf langfristige Einnahmen.

In Düsseldorf am Unterbacher See hat Wibit mit Frank Bauer einen Partner gefunden. „Der erste Kontakt zu Wibit kam durch die Messe Boot in Düsseldorf. Ich war gleich von den Produkten und dem Know-how des Teams begeistert“, erinnert sich der Unternehmer. „Die Zusammenarbeit macht einfach Spaß und ist sehr professionell.“ Auch in Berlin ist Wibit in einer Kooperation aktiv.

Angesichts des positiven Feedbacks stehen weitere Gemeinschaftsprojekte auf der Agenda: „Joint Ventures sind für uns ein Zukunftsmodell“, sagt Rademacher.

Corona ist natürlich nicht spurlos an Wibit vorbeigegangen. 2020 sei das einzige Jahr in der Firmengeschichte, in dem Witbit nicht gewachsen sei, ärgern sich die Unternehmer. Kein Wunder, denn der Tourismus hat weltweit massiv unter der Pandemie gelitten. Gleichwohl sei die Firma stets profitabel gewesen, nie sei ein Jahr mit Verlust abgeschlossen worden, beteuern die Chefs.

Die Pandemie werde dafür sorgen, dass die Leute die Zeit an der frischen Luft und auf dem Wasser künftig noch mehr zu schätzen wüssten, meinen die Unternehmer. Damit die Menschen auch auf den Wasserspielplätzen sicher vor dem Virus sind, haben sie bereits eine wasserfeste Maske für Mund und Nase entwickelt.

Der firmeneigene Pool, das Wibit-Testgelände sozusagen, befindet sich derzeit im Winterschlaf. Statt die neuen „Looft“-Matratzen auszuprobieren, sind die Mitarbeiter wie überall in Deutschland im Homeoffice.