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Von Mittelalter- bis Hafenflair: Fünf besondere Weihnachtsmärkte

Tausende Weihnachtsfans zieht es in diesen Tagen wieder zu Mega-Veranstaltungen in die Ballungszentren. Dabei haben kleinere Märkte oft viel mehr Charme.

Die Deutschen lieben Weihnachtsmärkte. Rund zwei Drittel der Bevölkerung tummelt sich in diesen Wochen mindestens einmal auf einem der rund 3000 Advents-Märkte. Mehr als eine Milliarde Euro werden die Besucher dort wieder für Glühwein, Reibekuchen oder Geschenkartikel ausgeben, schätzt der Deutsche Schaustellerbund. Besonders umsatzstark sind die vorweihnachtlichen Mega-Veranstaltungen in Großstädten wie Köln, Stuttgart, München, Hamburg oder Dresden.

Doch mehr Flair bieten häufig die Märkte abseits der Ballungszentren. Hier gibt es einige besondere Orte, die sich in der Adventszeit als Ausflugsziel lohnen.

„Wein-Nachtlich“ in Traben-Trarbach

Wenn es draußen regnerisch und kalt ist, bietet sich der Mosel-Wein-Nachts-Markt für einen trockenen Adventsbummel an. In dem Mosel-Ort Traben-Trarbach öffnen bis zum 1. Januar sechs Weingüter ihre Keller für die Besucher.

Die weitläufigen Gewölbe sind heimelig erleuchtet. Neben den üblichen Deko-Artikeln oder Schmuck bieten Händler dort vor allem regionale Feinkost an, etwa Schokoladen, Senf oder Käse- und Wurstspezialitäten. Und natürlich gibt es Glühwein direkt vom Winzer. Auch Anbieter aus dem benachbarten Frankreich verkaufen hier.

Die riesigen Kellergewölbe verdankt Traben-Trarbach der Tatsache, dass es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der größten Weinumschlagsplätze Europas war. Während des Weihnachtsmarkts können Besucher sich durch die verschlungene Unterwelt des Ortes führen lassen. Außerdem lädt eine Schlittschuhbahn dazu ein, ein paar Runden zu drehen.

Mittelalterlich in Siegburg

Nostalgische Weihnachtsmärkte gibt es viele. Doch wohl kaum einer entführt die Besucher so weit in die Vergangenheit wie der Siegburger Markt. Bis zum 22. Dezember ist die Kreisstadt bei Bonn Schauplatz eines mittelalterlichen Spektakels.

Wer möchte, kann mit allen Sinnen in ein Markttreiben eintauchen, wie es vor 600 Jahren üblich war. Eingekehrt wird etwa beim Garbräter, beim Suppen- oder Spätzlekoch. Zum Dessert geht es in die Mandeley oder zum Mokka-Koch. Ihre Waren preisen unter anderem Quacksalber, Seifenkocherin, Gewürz-Krämer oder Fellhändler an.

Viele Handwerker lassen sich bei der Arbeit über die Schulter blicken, etwa Schmied, Seiler, Korbflechter oder Steinmetz. Dazwischen jonglieren Gaukler mit Bällen oder Fackeln. Spielleute sorgen mit Trommeln oder Sackpfeifen für den passenden mittelalterlichen Soundtrack.

Mit Bergpanorama in Lindau

Direkt am Wasser und mit dem Blick auf schneebedeckte Berggipfel lockt die Hafenweihnacht auf der Insel Lindau am Bodensee. Die Stände vor der Kulisse der kleinen Insel-Hafenanlage mit ihrem markanten Leuchtturm und dem Bayerischen Löwen bieten vom 5. bis 8. sowie vom 12. bis 15. Dezember kulinarische Spezialitäten und Glühwein aus der Region an. Daneben werden hochwertige Handwerksprodukte verkauft.

An den Markttagen werden außerdem winterliche Schiff-Rundfahrten auf dem Bodensee angeboten. Auch grenzüberschreitendes Weihnachtsmarkt-Hopping ist möglich. Unter dem Titel „3 Märkte, 2 Länder, 1 See“ verbindet eine Schiffslinie Lindau mit der österreichischen Nachbarstadt Bregenz, die zwei weitere Weihnachtsmärkte zu bieten hat.

Ein Ausflug ins vorweihnachtliche Lindau lässt sich auch mit einer winterlichen Stadt- oder Nachtwächterführung durch die mittelalterliche Altstadt kombinieren. Als Sehenswürdigkeit gilt die auf einer Fläche von rund 60 Quadratmetern aufgebaute Naturkrippe in der Inselkirche St. Stephan am Marktplatz.

Erzgebirgisch in Marienberg

Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge und Weihnachten gehören einfach zusammen. Auf dem Weihnachtsmarkt in Marienberg im sächsischen Erzgebirgskreis südöstlich von Chemnitz werden bis zum 22. Dezember erzgebirgische Weihnachtspyramiden, Schwibbögen oder Nussknacker im besonderen Flair der historischen Altstadt angeboten. Der in der Renaissance angelegte, völlig symmetrische Stadtkern gehört zum Unesco-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Höhepunkt der Marienberger Weihnacht ist das dritte Adventswochenende. Am 14. Dezember laden Geschäfte und Bürger der Innenstadt zu den „Offenen Höfen“ ein. In den Innenhöfen der Altstadt werden dann regionale Spezialitäten und Kunsthandwerk angeboten. Daneben gibt es ein Unterhaltungsprogramm von Theateraufführungen über erzgebirgische Weihnachtsmusik, Märchen und Krippenspiele bis hin zu Modeschauen.

Am 15. Dezember findet die traditionelle Bergparade statt. Daran beteiligen sich rund 350 Mitglieder sächsischer Knapp- und Bergbrüderschaften in ihren schwarz-weißen Trachten und grünen Kappen sowie etwa 160 Bergmusiker. Die Bergparaden sind eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt ist.

Maritim in Husum

Norddeutscher Winterzauber auf dem Marktplatz in Husum: Inmitten von Stufengiebel-Häusern aus Backstein weht bis zum 29. Dezember der Duft von Lebkuchen, Glühwein und gebrannten Mandeln. Neben dem Besuch auf dem gemütlichen Weihnachtsmarkt empfiehlt sich eine Stippvisite im Husumer Weihnachtshaus. In dem Gründerzeit-Haus wird auf 300 Quadratmetern eine der größten Sammlungen zum Thema Weihnachten präsentiert.

Das kleine Museum beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte des Weihnachtsfestes und seiner Bräuche. Zu sehen sind zum Beispiel historisch geschmückte Christbäume vom Biedermeier bis in die 50er Jahre, Weihnachtsschmuck oder historische Adventskalender. Im Advent finden besondere Veranstaltungen statt wie Marzipan-Verkostungen oder Besuche des Weihnachtsmannes.

Im Museums-Shop mit einer historischen Ladeneinrichtung von 1890 gibt es alles zu kaufen, was mit Weihnachten zu tun hat – von seltenem Christbaumschmuck über Printen bis zu Keks-Ausstechern und Weihnachts-Literatur. Verbinden lässt sich ein Advents-Ausflug nach Husum mit einem Besuch im Theodor-Storm-Museum. Der Autor der Novelle „Der Schimmelreiter“ wurde 1817 in der Hafenstadt geboren.