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Mitarbeiterbeteiligungen können Unternehmen in der Coronakrise unkonventionell helfen

Die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen kann zur Bewältigung finanzieller Engpässe beitragen. Steuerlich attraktiv ist das aber nicht.

Die Beteiligung der Mitarbeiter kann zum Bestand des Unternehmens beitragen. Foto: dpa

In der Coronakrise leiden viele Unternehmen unter Liquiditätsengpässen durch Schließungen, Lieferprobleme oder Umsatzrückgänge. Um die laufenden Kosten zu decken, können sie einen KfW-Kredit erhalten. Bislang sind schon etwa 40.000 Anträge über knapp 40 Milliarden Euro eingegangen.

Allerdings gibt es auch unkonventionelle Möglichkeiten, den gebeutelten Firmen Liquidität zuzuführen oder Lohnausgaben zu senken. „In der Corona-Pandemie könnte die Mitarbeiterbeteiligung ein sehr interessanter Mechanismus werden“, meint Marc Krischer von der Kanzlei Oppenhoff & Partner. „Noch erhält diese Option zu wenig Aufmerksamkeit.“

Vorbild könnten Start-ups sein. Hier finden sich „virtuelle“ Beteiligungsformen, bei denen ein schuldrechtlicher Vertrag aufgesetzt wird, mit dem eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung nachgebildet wird. Dann profitiert der Arbeitnehmer von Ausschüttungen oder einem Anstieg des Unternehmenswerts, bekommt aber keine Mitbestimmungsrechte eingeräumt. „Das dürfte vor allem für GmbHs interessant sein, die ihre Mitarbeiter nicht unbedingt in den Gesellschafterkreis aufnehmen möchten“, erklärt Gesellschaftsrechtler Johannes Janning.

Virtuelle Programme werden allerdings wie Arbeitslohn voll besteuert, unterliegen also nicht der günstigeren Abgeltungsteuer. Zudem ist Vorsicht geboten, wenn bereits erarbeitete Boni in zukünftige Erfolgsbeteiligungen umgewandelt werden, da dies trotz fehlenden Geldflusses lohnsteuerpflichtig sein könnte. Die Beteiligung der Mitarbeiter am Eigenkapital des Unternehmens geht einen Schritt weiter. Der Arbeitnehmer erwirbt Anteile oder wandelt einen Teil des Gehalts in Anteile um.

Damit wird er voll am Gewinn des Unternehmens beteiligt und erhält Mitspracherechte. „Das kann zusätzlich interessante Motivationsaspekte haben“, sagt Rechtsexperte Janning. „Die Mitarbeiter engagieren sich mehr für ihr Unternehmen, wenn sie einmal im Jahr eine Dividende bekommen.“ Erträge unterfallen der Abgeltungsteuer. Die Arbeitnehmer müssen aber auch ein unternehmerisches Risiko tragen, zum Beispiel, wenn das Unternehmen insolvent wird.

„Hierzulande ist es leider nicht besonders attraktiv, Mitarbeiterbeteiligungen umzusetzen“, beklagt Steuerrechtler Krischer. In Frankreich etwa würden entsprechende Programme mit weitreichenden steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Anreizen ausgestaltet. „Deutschland hat sich noch nicht mit steuergünstigen Modellen hervorgetan.“ Insbesondere die Umwandlung von Gehaltsbestandteilen in virtuelle oder echte Kapitalbeteiligungen erfordere aktuell noch größeren Aufwand.

Altmaier: Gewinn für Unternehmen und Mitarbeiter

Tatsächlich liegt der jährliche Steuerfreibetrag für eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung derzeit bei 360 Euro. Die Wirtschaft fordert seit Längerem ein international übliches Niveau von mindestens 3 000 Euro. Zudem dringt sie darauf, dass Dividenden und Zinserträge nicht besteuert werden, wenn sie zum langfristigen Vermögensaufbau reinvestiert werden. Langfristige Anleger sollten zudem anders besteuert werden als kurzfristig denkende.

„Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sind ein Gewinn sowohl für Unternehmen als auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU). Ziel sei es, eine solche Beteiligung der Mitarbeiter gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen und auch Start-ups zu erhöhen.

Eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Studie kommt indes zu dem Fazit: Deutschland liegt im europäischen Vergleich bei der Nutzung der Kapitalbeteiligung bestenfalls im Mittelfeld, häufig aber auf den hinteren Plätzen. Die Gewinnbeteiligung ist in Deutschland hingegen sehr viel weiter verbreitet. Die Gutachter mahnen vor allem „steuerliche Ansatzpunkte“ an.