Deutsche Märkte schließen in 6 Stunden 28 Minuten
  • DAX

    15.696,61
    -31,06 (-0,20%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.158,05
    -0,09 (-0,00%)
     
  • Dow Jones 30

    33.823,45
    -210,22 (-0,62%)
     
  • Gold

    1.792,20
    +17,40 (+0,98%)
     
  • EUR/USD

    1,1910
    0,0000 (-0,00%)
     
  • BTC-EUR

    31.837,96
    -1.439,59 (-4,33%)
     
  • CMC Crypto 200

    941,61
    -28,27 (-2,91%)
     
  • Öl (Brent)

    70,51
    -0,53 (-0,75%)
     
  • MDAX

    34.341,95
    +119,26 (+0,35%)
     
  • TecDAX

    3.517,96
    +10,00 (+0,29%)
     
  • SDAX

    16.218,19
    +47,84 (+0,30%)
     
  • Nikkei 225

    28.964,08
    -54,25 (-0,19%)
     
  • FTSE 100

    7.123,88
    -29,55 (-0,41%)
     
  • CAC 40

    6.677,11
    +10,85 (+0,16%)
     
  • Nasdaq Compositive

    14.161,35
    +121,67 (+0,87%)
     

Mitarbeiter sagt, warum AstraZeneca „nicht in einer Million Jahren“ noch mal einen Impfstoff entwickeln würde

·Lesedauer: 3 Min.
Auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird der Impfstoff von AstraZeneca nur noch Menschen verabreicht, die 60 Jahre und älter sind.
Auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird der Impfstoff von AstraZeneca nur noch Menschen verabreicht, die 60 Jahre und älter sind.

Der AstraZeneca-Impfstoff hat sich innerhalb des vergangenen Jahres zum Sorgenkind unter den Corona-Impfstoffen entwickelt. Seine Geschichte ist geprägt von noblen Absichten, aber auch Kommunikationsfehlern, Impfstopps, Lieferengpässen sowie politischen und wirtschaftlichen Rivalitäten, wie „Bloomberg“ berichtet.

Aktuelle Berichte über Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfungen bei unter 60-Jährigen sorgen besonders in Europa für Unsicherheit. Bis zum 22. März meldete die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bei 25 Millionen Impfungen 86 Fälle von Hirnvenenthrombosen in Europa, von denen 18 tödlich verliefen — in Deutschland wurden Stand 10. April 42 Fälle dokumentiert, acht Patienten starben. Ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Gerinnseln ist denkbar, dennoch überwiegen laut der WHO die Vorteile der Impfung die Risiken. Ungeachtet dieser Empfehlung haben einige Regierungen, darunter auch Deutschland, die Anwendung der Impfung bei jüngeren Menschen gestoppt.

Druck bekommt das Unternehmen von allen Seiten: Trotz der Bedenken bezüglich der Sicherheit des Impfstoffs fordern viele Regierungen der EU noch mehr Dosen. Gleichzeitig fordern europäische Aufsichtsbehörden mehr Einblick in die Wirksamkeit des Impfstoffs bei Senioren und zu den Gefahren der Gerinnung. Zudem hält AstraZeneca immer wieder seine Lieferversprechen nicht ein. Neben anhaltenden Beschwerden drohte Mitte März die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, daher sogar damit, den Export von in der EU hergestellten oder abgefüllten Impfstoffen zu blockieren.

US-Gesundheitsbehörden zweifeln an Impfstoff-Studie von AstraZeneca

Auch in den USA erlebte AstraZeneca gerade einen herben Rückschlag: Die US-Studie sollte die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes untermauern und die Grundlage für die Notzulassung in den USA bilden. Aus einem geleakten Brief des Sicherheitsausschusses ging jedoch hervor, dass „veraltete Informationen“ in die eingereichte Studie einbezogen worden waren. Daher zweifelt die US-Gesundheitsbehörde NIAID an der Aussagekraft der neuen Untersuchung — erneut. Schon seit dem vergangenen Jahr ist die Beziehung zwischen dem Pharmaunternehmen und den USA angespannt.

Grund für den Ärger ist, dass AstraZeneca einige spätere Corona-Fälle in der Studie nicht beachtete. Zwar rechnete man damit, dass die endgültige Wirksamkeit durch sie um ein paar Prozent sinken könnte und bei älteren Menschen sogar steigen, dennoch machte man die voraussichtlichen Zahlen öffentlich. Laut Polly Roy, Professorin für Virologie an der London School of Hygiene and Tropical Medicine ist das ein erneuter Kommunikationsfehler: "Sie hätten nicht eine bestimmte Zahl nennen dürfen, wenn sie nicht sicher sind." AstraZeneca beeilte sich, die Zahlen zu korrigieren.

Vor diesem Hintergrund ist schon die nächste große Hürde für AstraZeneca in Aussicht. Noch in der ersten Aprilhälfte will das Unternehmen die Daten zur Prüfung einreichen, um eine Notfallzulassung in den USA zu beantragen. Eine endgültige Entscheidung könnte jedoch Wochen dauern — besonders in Anbetracht des von Misstrauen geprägten Verhältnisses und immer neuer Kritik am Impfstoff.

Vertrauen gegenüber dem Impfstoff leidet unter medialem Fokus

Umgekehrt gibt es aber auch Kritik gegen die öffentliche Intervention des NIAID, die von einigen Expertinnen und Experten als unnötig und extrem schädlich bezeichnet wurde. So etwas bringe den Impfstoff in Verruf und greife das Vertrauen der Menschen in AstraZeneca an. John Bell, Oxford-Professor für Medizin, findet den verstärkten medialen Fokus auf die negativen Aspekte von AstraZenecas Impfstoff problematisch.

„Wird der Impfstoff weiter niedergemacht, wird niemand das Vertrauen haben, das verflixte Ding zu verwenden", sagt er. "Und dann haben wir ein großes Problem — denn er ist einsatzbereit, billig, kann weltweit verwendet werden und ist eindeutig hochwirksam.“ Außerdem hat das britische Unternehmen versprochen, bis Ende 2021 bis zu 3 Milliarden Impfungen zu liefern und diese auf gemeinnütziger Basis für ein paar Dollar pro Dosis zu verkaufen.

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei AstraZeneca sind über das Ausmaß der Kritik, das ihnen auf dem Weg zu einem gemeinnützigen Impfstoff für die Bekämpfung der Pandemie begegnete, zutiefst erschüttert. Im Rahmen des von der WHO unterstützten Programmes Covax hilft AstraZeneca, Impfstoffe für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bereitzustellen. Auf die Frage, ob sie diesen ganzen Weg erneut auf sich nehmen würden, antwortet ein Angestellter laut Bloomberg: "Nicht in einer Million Jahren. Alles, was wir erlebt haben, ist Kummer."

it

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.