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So miserabel sind die Arbeitsbedingungen bei Ryanair wirklich

Mitten in der Ferienzeit haben viele Flugbegleiter bei Ryanair die Arbeit niedergelegt. (Bild: Getty Images)

Wer ein Schnäppchen-Ticket ergattert, freut sich in der Regel. Doch wer mit Billig-Airlines wie Ryanair fliegt, sollte auch immer bedenken: Die Leidtragenden der Niedrigpreise sind in erster Linie die Mitarbeiter, die seit Mittwoch streiken. Wie schlecht es um deren Arbeitsbedingungen steht, erfahren Sie hier.

Wie die Unabhängige Flugorganisation (UFO) mitteilt, verdienen Ryanair-Flugbegleiter gerade mal 1.000 Euro netto pro Monat. Wer sein Gehalt aufbessern möchte, sei gezwungen, den Passagieren Rubellose oder Ähnliches zu verkaufen. Besonders prekär: Leiharbeiter bekommen bei krankheitsbedingten Ausfällen kein Geld. Als „unübertroffenes Schmuddelkind der Branche“, wenn es um Arbeitsbedingungen geht, bezeichnet Nicoley Baublies von UFO Ryanair.

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Einen ganz persönlichen Einblick in die Arbeitswelt der irischen Billigfluggesellschaft gewährten zwei Flugbegleiter der „Berliner Zeitung“. Sie berichten von skandalösen Verhältnissen: „Sie wollen, dass du immer Angst hast, deine Arbeit zu verlieren“, so der Flugbegleiter, der lieber anonym bleiben möchte, gegenüber der Zeitung. Weil die meisten Mitarbeiter nach zwei bis drei Jahren wüssten, wie es bei Ryanair laufe, sei es dem Unternehmen lieber, wenn sie es dann verlassen würden: „Sie wollen dich frisch und motiviert.“ Das sei ein Grund, warum die Fluggesellschaft am liebsten Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeitserfahrung einstelle.

“Ich bekomme kein Grundgehalt und Überstunden werden auch nicht vergütet”

Auch gegenüber „spiegel.de“ spricht eine Ryanair-Flugbegleiterin von miserablen Arbeitsbedingungen. Sie arbeite unter einem Leiharbeitsvertrag bei der Fluggesellschaft, bekomme kein Grundgehalt, sondern nur die Stunden bezahlt, die sie tatsächlich fliege. „Alle Vorbereitungen, die vom Boden aus getroffen werden, und auch der Anfahrtsweg werden nicht bezahlt. Es kommt sehr häufig zu Verspätungen oder Flugausfällen, weil zum Beispiel das Personal falsch eingeteilt wurde. Diese Überstunden bekommen wir auch nicht vergütet.“

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Im Flugzeug bekäme das Personal keine Verpflegung – es müsse für Essen und Getränke selbst aufkommen oder etwas mitbringen, berichtet die Flugbegleiterin, die aus offensichtlichen Gründen anonym bleiben möchte, weiter. Sie habe schon von Kollegen gehört, die wegen zu hoher Fehlzeiten ermahnt und denen sogar mit einer Kündigung gedroht wurde. Aus Angst gehen viele Beschäftigte deshalb krank zur Arbeit.

Ryanair ist mit 130 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr die größte Fluggesellschaft in Europa. Rund 13.000 Mitarbeiter zählt die irische Firma. Das Kabinenpersonal von Ryanair ist am Mittwoch in mehreren Ländern für zwei Tage in Streik getreten. Das Unternehmen musste daher europaweit allein am Mittwoch rund 400 Flüge streichen.

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Ryanair hatte versichert, alle 50.000 betroffenen Passagiere seien rechtzeitig umgebucht oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten. Darüber hinaus will man für Flugausfälle und -verspätungen infolge des aktuellen Streiks aber keine Entschädigungen zahlen. Gestreikt wird unter anderem dafür, dass Leiharbeiter unter gleichen Bedingungen arbeiten wie die Festangestellten.

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