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Miriam Meckel: „Nicht meckern, sondern machen“

·Lesedauer: 6 Min.

Um die digitale Weiterbildungsinitiative ada voranzutreiben, gründet die Handelsblatt Media Group mit Miriam Meckel, Léa Steinacker und Verena Pausder ein eigenes Unternehmen.

Mit ada hat die Handelsblatt Media Group (HMG) 2018 ein ambitioniertes Projekt gestartet. Das Ziel: Journalismus und digitale Bildung miteinander vereinen und eine multimediale Plattform schaffen, um Menschen und Unternehmen auf das Leben und Arbeiten von morgen vorzubereiten.

Jetzt stellt Gründungsverlegerin Miriam Meckel mit ada-Strategiechefin Léa Steinacker und Gründerin Verena Pausder (Fox & Sheep, HABA Digitalwerkstätten) die Weichen für die Zukunft der Initiative selbst.

Gemeinsam mit der HMG gründet das Trio die ada Learning GmbH, ein eigenes Unternehmen, an dem die HMG sowie die drei Gesellschafterinnen zusammen jeweils 50 Prozent der Anteile halten werden. Meckel und Steinacker übernehmen die operative Führung der Gesellschaft mit Sitz in Düsseldorf. Im Interview mit HMG-Geschäftsführerin Andrea Wasmuth erklären sie, was sie zu dem Schritt bewegt hat und was sie noch vorhaben.

Frau Meckel, mitten in der Corona-Pandemie, unter deren Folgen viele Unternehmen, auch in der Medienbranche, massiv leiden, gehen Sie mit ada in die Selbstständigkeit – und damit ins Risiko. Haben Sie sich das gut überlegt?
Miriam Meckel: Ja, das haben wir – auch wenn es in der Tat ein bisschen verrückt ist. Aber auch unternehmungslustig. Viele Firmen fordern von ihren Mitarbeitern ja genau das: Ownership. Wir sind davon überzeugt, dass wir mehr tun müssen, um die Veränderungen durch Digitalisierung anzupacken. Das ist ja kein reines Tech-Thema, sondern ein umfassender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel, der gerade passiert. Darin liegen viele Chancen, aber man muss verstehen, was geschieht, um die Zukunft mitzugestalten. Wir denken: Wer von anderen fordert, bei der digitalen Entwicklung unternehmerischer zu werden, kann auch selbst in Vorleistung gehen.

Frau Wasmuth, wird die Handelsblatt Media Group jetzt zum Start-up-Inkubator?
Andrea Wasmuth: Start-up-Mentalität ist genau das, was wir uns bei der HMG wünschen und fördern. Man sieht ja, was dann möglich ist. ada ist vor gut zwei Jahren als neue, digitale Weiterbildungsplattform auf den Markt gegangen, und die Resonanz war überwältigend. Das Team um Miriam hat eine starke Marke aufgebaut. Wir haben inzwischen nicht nur mehr als ein Dutzend Unternehmen als Partner gewonnen, sondern auch die Bundesregierung und die Bundesbank.

Wenn ada so erfolgreich ist, warum bleibt es dann nicht Teil der HMG?
Léa Steinacker: Weiterbildung ist ja nicht das Kerngeschäft der HMG. Umso mehr schätzen wir, dass wir die Möglichkeit hatten, das Projekt von Grund auf neu zu bauen. Jetzt braucht ada aber noch größeren Freiraum, Wachstum und zusätzliche Skills, um noch mehr Potenzial entfalten zu können. In der neuen Konstellation können die HMG und ada jeweils das beitragen, was beide am besten können..

.. und das wäre?
Meckel: Wir das Know-how in digitaler Bildung und modernen, auch virtuellen Lernkonzepten, die HMG ihre journalistische Qualität und Reichweite und die vielseitige Erfahrung in der Vermarktung. Ein wichtiger Teil der ada-Mission ist es, immer offen für neue Perspektiven zu bleiben. Das gilt für das Bildungsprogramm, unsere Veranstaltungen, die journalistischen Kanäle. ada braucht Flexibilität und Entfaltungsmöglichkeiten, dafür ist ein Start-up mit Beteiligung eines etablierten Medienhauses das ideale Umfeld.

„Das Team möchte investieren und wachsen“

Klingt so, als sei die HMG auch eine Art Back-up für ada in der Coronakrise?
Wasmuth: ada entwickelt sich trotz Corona sehr gut und hat kein Back-up nötig. Das Team möchte investieren und wachsen, unser Fokus liegt auf unseren Kernmarken Handelsblatt und Wirtschaftswoche. In der neuen Form können wir unterstützen, öffnen uns aber auch für Wachstumsimpulse von außen.

Woher soll das Geld für das Wachstum kommen?
Steinacker: ada ist profitabel und kann sich selbst finanzieren. Um weiter zu wachsen, gibt es immer die Möglichkeit, zusätzliche Partner einzubinden. Das ist auch unser Ziel. Wir durchleben ja gerade eine Zeit, in der digitale Weiterbildung immer wichtiger wird und die Zusammenarbeit über Organisationen und Branchen hinweg wächst.

Es ist aber auch eine Zeit, in der Unternehmen auf das Geld achten und Investitionen kappen, gern auch bei Weiterbildung, oder Frau Pausder?
Verena Pausder: Das mag für die Unternehmen gelten, die existenziell betroffen sind, ich denke da an die Luftfahrt- und die Tourismusbranche. Ansonsten machen wir eher die gegenteilige Erfahrung. Durch Corona hat fast jeder verstanden, dass Weiterbildung gerade beim Thema Digitalisierung absolut zentral ist. Unternehmen, die hier streichen, streichen einen Teil ihrer Zukunft.

Sie sind mehrfache Gründerin, Bildungsexpertin und seit einigen Wochen mit Ihrem Buch „Das Neue Land“ in der „Spiegel“-Bestsellerliste. Warum jetzt auch noch ada?
Pausder: Weil es perfekt zu dem passt, wofür ich mich seit Jahren einsetze. Digitale Bildung und Weiterbildung sind das Fundament eines auf Fortschritt ausgerichteten Europas. Darüber schreibe und spreche ich seit Langem, aber wir müssen eben auch handeln. Bei ada dabei zu sein und damit einen Beitrag für die digitale Bildung von Erwachsenen zu leisten ist für mich ein weiterer, logischer Schritt.
Meckel: Verena plädiert in ihrem Buch für eine wöchentliche Zukunftsstunde in jeder Familie. Gemeinsam ein digitales Tool, ein Onlinespiel ausprobieren oder etwas programmieren und so gemeinsam lernen. Das ist ein schönes Bild dafür, was auch wir erreichen wollen. Wir möchten mit ada zur digitalen Zukunftsstunde werden, erst mal für Deutschland, die Schweiz und Österreich, dann irgendwann für ganz Europa. Wer bei uns in der Community dabei ist, der will die Zukunft nicht verwalten, sondern gestalten.

„Der Markt bietet große Chancen“

Klingt nach großen Plänen. Gibt es vergleichbare Angebote nicht schon zuhauf?
Steinacker: Wir haben uns genau angeschaut, wer da im Markt unterwegs ist. Es gibt zwar viele Anbieter, die meisten arbeiten allerdings mit sehr traditionellen Konzepten. Stundenlange Frontalbeschallung in stickigen Konferenzräumen oder jetzt virtuell: ein Video nach dem anderen. Die Teilnehmer unseres Programms bekommen exklusive Lerninhalte auf einem digitalen Portal, arbeiten in Gruppen zusammen, vernetzen sich bei Konferenzen, entwickeln Innovationsprojekte – und transferieren dieses Wissen dann in ihre Organisationen. Diese Kombination ist ziemlich einzigartig.
Meckel: Allein in Deutschland hat der Weiterbildungsmarkt im B2B-Sektor ein Umsatzpotenzial von mehr als sieben Milliarden Euro. Der Markt bietet große Chancen.

Wie werden die HMG und ada künftig zusammenarbeiten?
Wasmuth: Zum Beispiel beim Austausch über Inhalte, in der Vermarktung und der Herstellung der journalistischen Produkte. Und noch einiges mehr.

Warum steigen Sie nicht ins Tagesgeschäft von ada ein, Frau Pausder?
Pausder: Ich bin Ende letzten Jahres aus dem operativen Geschäft bei den HABA Digitalwerkstätten ausgeschieden, weil nach vielen Jahren dafür der richtige Zeitpunkt gekommen war und ich ein neues Kapitel aufschlagen wollte. Das möchte ich in Ruhe angehen. Als „ada Ambassador“ werde ich mich aber voll für unser Unternehmen engagieren und habe schon einige Ideen, wie wir ada noch größer und erfolgreicher machen können.

Ihre Firma Fox & Sheep haben Sie vor einigen Jahren verkauft. Planen Sie für ada auch schon den Exit?
Pausder: Nichts läge mir ferner. Ich sehe mein Engagement als Gesellschafterin langfristig. Und zwar weil ich an ada glaube – ideell wie finanziell.

Was braucht man, um die digitale Bildung neu zu erfinden?
Meckel: Der Begriff mag überstrapaziert sein, aber es kommt vor allem auf das richtige Mindset an. Wir wollen nicht meckern, sondern machen. Der zynische Blick auf die Zukunft ist kein Geschäftsmodell. Und die Resonanz auf ada zeigt uns, dass wir mit dieser Haltung nicht die Einzigen sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Kirsten Ludowig.