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Commerzbank führt Strafzinsen für Privatkunden ein

Die Frankfurter Bank bittet nach Firmen nun auch vermögende Privatkunden zur Kasse. Zudem kassiert sie trotz eines Gewinnsprungs ihre Gewinnprognose.

Im Zuge der neuen Strategie fallen erneut Tausende Stellen weg. Foto: dpa

Bisher hat die Commerzbank die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht an Privatkunden weitergegeben. Aber damit ist es nun vorbei. „Wir haben zahlreiche Kunden angesprochen und beginnen nun, uns mit ihnen auf Maßnahmen zu verständigen“, sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag.

Kleinsparer seien bisher nicht betroffen, sondern „eher Kunden, die alle deutlich über eine Million haben“. Negativzinsen für Einlagen in der Größenordnung von 100.000 Euro oder darunter seien derzeit kein Thema.

„Wir kehren die Treppe von oben“, sagte Engels. „Wie weit wir die Treppe dann runterkehren werden, hängt davon ab, wie der einzelne Kunde darauf reagiert und wie weit wir damit kommen.“ Die Commerzbank hat in Deutschland gut elf Millionen aktive Privatkunden.

Banken müssen seit 2014 Negativzinsen bezahlen, wenn sie überschüssige Spargelder ihrer Kunden bei der Notenbank parken. Im September senkte die Notenbank den Einlagesatz auf minus 0,5 Prozent. An Brisanz gewonnen hat das Thema zudem, weil die EZB die Negativzinsen für lange Zeit zementiert hat.

Mehrere kleine und mittelgroße Geldhäuser haben mittlerweile Negativzinsen beziehungsweise Verwahrentgelte für Privatkunden eingeführt – oft für Einlagen ab 100.000 Euro.

Auch die Deutsche Bank habe entschieden, Negativzinsen nicht an durchschnittliche Privatkunden weiterzugeben, erklärte Vizechef Karl von Rohr in dieser Woche. „Aber die Frage ist relevant für große Firmenkunden und sehr vermögende Privatkunden.“

„Kunden nicht vertreiben“

Die Commerzbank hat als eines der ersten Finanzinstitute in Deutschland Negativzinsen von Firmenkunden verlangt. Nach der jüngsten Senkung des Einlagesatzes auf minus 0,5 Prozent werde die Bank bei den Firmenkunden nun noch einmal nachschärfen, kündigte Engels an. Zudem werde das Institut die individuellen Limits überprüfen, bis zu denen Unternehmen aktuell umsonst Geld auf ihren Konten parken können.

Privatkunden mit hohen Einlagen spreche das Institut individuell an und diskutiere mit ihnen zunächst über alternative Anlagemöglichkeiten, sagte Engels. „Wir wollen die Kunden nicht vertreiben.“ Aber die Belastungen durch die Negativzinsen seien mittlerweile so groß, dass die Bank diese nicht allein tragen könne. Der Finanzchef geht davon aus, dass sich die vermehrte Weitergabe von Negativzinsen in den kommenden Quartalen positiv auf die Zahlen der Commerzbank auswirken wird. „Das Potenzial ist groß.“

Im dritten Quartal hat die Commerzbank ihren Gewinn um 35 Prozent auf 294 Millionen Euro ausgebaut. Im Gegensatz zum großen Nachbarn Deutsche Bank schaffte es das Institut, seine Erträge leicht auszubauen. Außerdem sanken die Kosten sowie die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Die Befürchtung mancher Analysten, dass es bei der Commerzbank im Zuge des Konjunkturabschwungs zu einer Flut an Kreditausfällen kommt, hat sich damit bislang nicht bewahrheitet.

Große Unsicherheit

Trotz des Gewinnsprungs im dritten Quartal kassierte das Institut seine Prognose, den Vorjahresgewinn von 865 Millionen Euro im laufenden Jahr leicht zu übertreffen. Stattdessen rechnet Deutschlands zweitgrößte Privatbank nun mit einem rückläufigen Jahresüberschuss.

Die Bank begründete dies mit einer Verschlechterung des Marktumfelds. Die Einführung von höheren Freibeträgen bei der EZB werde das Institut zwar um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag entlasten. Insgesamt führe die weitere Lockerung der Geldpolitik aber zu einem stärkeren Margendruck und belaste das Ergebnis.

Zudem hätten makroökonomischen Unsicherheiten zugenommen, insbesondere wegen der globalen Handelskonflikte. Darüber hinaus rechnet die Commerzbank damit, im vierten Quartal mehr Steuern zahlen zu müssen.

Das Institut hat Ende September seine neue Strategie vorgestellt. Die Bank will 4300 Stellen streichen, die Direktbank Comdirect integrieren und die polnische Tochter M-Bank verkaufen. Für das Jahr 2023 hat das Institut das Ziel ausgegeben, eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent zu erzielen.

Viele Investoren kritisieren das als wenig ambitioniert, zumal die Commerzbank bereits im dritten Quartal auf eine Eigenkapitalrendite von 4,4 Prozent kam. Aber die Frankfurter wollen dieses Mal nicht zu viel versprechen, nachdem sie in den vergangenen Jahren regelmäßig die ausgegebenen Ziele verfehlt haben.

Vorstandschef Martin Zielke verteidigt das Renditeziel als neuen Realismus in schwierigen Zeiten. „Wunschdenken ist angesichts niedriger Zinsen, Konjunktureintrübung und geopolitischer Unsicherheiten nicht angesagt.“

Sein Vorstandskollege Engels hat in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Investoren gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass sie den Ansatz nachvollziehen können. „Der nüchterne Blick wird von vielen geschätzt – auch wenn das Resultat dann so ist, wie es ist.“

Bei Firmenkunden erhebt die Bank ab einer bestimmten Einlagenhöhe bereits seit Langem Strafzinsen. Foto: dpa