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Der Mindestzuckergehalt in Limonaden wird abgeschafft

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Die Lebensmittelbuch-Kommission will künftig nicht mehr vorschreiben, wie viel Zucker Limonaden beinhalten müssen. Davon profitiert Lemonaid. Restlos glücklich macht die Entscheidung das Start-up dennoch nicht.

Der Limonadenhersteller Lemonaid kann endlich aufatmen. Die Mindestzuckergrenze für Limonaden ist gekippt. Bei einer neuerlichen Tagung zum Thema Erfrischungsgetränke Anfang Februar hat der Fachausschuss der deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) „einstimmig beschlossen, den Mindestzuckergehalt von Limonaden zu streichen und statt dessen einen üblichen Gesamtzuckergehalt von sieben Gramm pro 100 Milliliter oder mehr zu beschreiben“, so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Wer ohne Süßstoffe weniger Zucker verwendet, darf sein Produkt auch „Limonade“ nennen – muss die Abweichung aber kenntlich machen. Das bedeutet, dass Lemonaid seine Pfandflaschen wohl nicht austauschen muss, wenn sie einen kleinen Aufkleber „weniger Zucker“ anbringen.

„Der Leitsatzentwurf stellt eine Öffnung zur Marktentwicklung dar, den üblichen Zuckergehalt zukünftig weiter zu reduzieren“, so das BMEL. Es folgen noch öffentliche Anhörungs- und Rechtsprüfungsverfahren, ehe der neue Leitsatz abschließend entschieden ist. Deshalb gibt der frisch veröffentlichte Sachstandsbericht der DLMBK diese Entwicklung allerdings noch nicht preis.

Anfangs hatte sich die unabhängige Kommission aus Lebensmittelwissenschaftlern, Branchenvertretern, Lebensmittelüberwachern und Verbraucherschützern schwergetan, sich dem Druck von Bundesministerin Julia Klöckner zu beugen. In dem Protokoll heißt es deshalb, dass zwei Drittel von 80 untersuchten Limonaden zwischen sieben und elf Gramm Zucker beinhalteten und dass diejenigen, die weniger nutzen, meist explizit auf dem Etikett darauf hinwiesen: „Nur wenige Anbieter geben keinen Hinweis. Die medial geäußerte Kritik, „die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches würden einen Mindestzuckergehalt für Limonaden ‚vorschreiben‘ und damit einer ernährungsphysiologisch gewünschten Reduzierung von Zucker in Fertig-Lebensmitteln entgegenstehen, entbehrt somit der Grundlage“, so die Kommission in dem Papier.

Damit ist die PR-Aktion des Limonaden-Start-ups Lemonaid, die mit dem Aufstellen einer „Zuckerpuppe“ mit dem Antlitz von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor ihrem Ministerium in Berlin kulminierte, doch noch von Erfolg gekrönt. In der ersten Runde der Sitzung des 6. Fachausschusses zu Getränken im Dezember war die Lebensmittelbuch-Kommission noch hart geblieben.

Lemonaid war von den Verbraucherschutzbehörden der Städte Hamburg und Bonn abgemahnt worden, dass ihre Getränke zu wenig Zucker beinhalteten, um sich Limonade nennen zu dürfen. Ob der aufstrebende Konzern mit 95 Mitarbeitern, damit zufrieden ist, zusätzliche Aufkleber vorn auf ihre mit der weißen Aufschrift „Limonade“ bedruckten Pfandflaschen anbringen zu müssen, sei dahingestellt. Der Austausch der Flaschen hätte eine Millionenschaden bedeutet.

Mehr zum Thema: Die Getränkefirma Lemonaid wurde 2020 abgemahnt, weil ihre Limonaden zu wenig Zucker enthalten. Über seinen kafkaesken Streit mit Julia Klöckner und das „russische Roulette“ des Lebens sprach Lemonaid-Gründer Paul Bethke im Podcast.

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