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Nach Anschlägen in Kabul: „Wir werden euch jagen und dafür bezahlen lassen“, sagt Joe Biden

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Der Eingang eines Kabuler Krankenhauses – nach den Explosionen.
Der Eingang eines Kabuler Krankenhauses – nach den Explosionen.

Außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu zwei Explosionen gekommen. Das schrieb der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag auf Twitter. In den Explosionen starben laut Pressemeldungen mindestens 72 Zivilisten und 13 US-Soldaten.

Der afghanische Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Taten nun für sich. Den IS-Kämpfern in Afghanistan sind die militant-islamistischen Taliban häufig nicht radikal genug gewesen. Der IS und die Taliban sind verfeindet, in der Vergangenheit haben sie sich Gefechte geliefert. Der IS hat in Afghanistan immer wieder schwere Anschläge verübt.

https://twitter.com/PentagonPresSec/status/1430907314043719683

Nach Angaben der USA sprengten sich um den Flughafen mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Eine Explosion hat sich demzufolge am sogenannten Abbey Gate des Hamid-Karzai-Flughafens zugetragen, die andere am nicht weit davon entfernten Baron Hotel. Unsere Business Insider-Kollegen aus den USA haben die Orte des Anschläge hier visualisiert:

Kanzlerin Angela Merkel verurteilte die Bluttat als „absolut niederträchtig“. Und US-Präsident Joe Biden richtete sich gestern Abend in einer Ansprache im Weißen Haus an die Adresse der Drahtzieher des Anschlags: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.“ Zum geplanten Abzug der US-amerikanischen Truppen steht Biden aber weiter – auch wenn Afghanistan damit wieder den Islamisten überlassen wird.

In einem Schreiben des deutschen Verteidigungsministeriums hieß es am Donnerstagabend, dass bei dem Anschlag keine deutschen Soldatinnen und Soldaten bei den Anschlägen verletzt wurden. Der Kommandeur des deutschen Kontingents vor Ort löste „die Notfallpläne für eine Emergency Departure“ aus. „Bis auf zwei Soldaten haben alle deutschen Einsatzkräfte den Flughafen in Kabul verlassen und sind auf dem Weg nach Taschkent,“ informierte das Verteidigungsministerium. Die beiden Soldaten mussten sich Schutzräume suchen und konnten nicht an Bord der deutschen Flugzeuge gehen. Mittlerweile befinden sie sich auch auf dem Weg nach Taschkent.

Hier könnt ihr die Unterrichtung des Verteidigungsministeriums zu den Anschlägen in Kabul lesen

Aus dem deutschen Verteidigungsministerium heißt es, dass alle Soldaten, Angehörige des Auswärtigen Amtes und der Bundespolizei, die dort im Einsatz waren, aus Kabul ausgeflogen seien. „Seit Montag, den 16. August, haben wir damit insgesamt 5347 Personen aus mindestens 45 Nationen evakuiert,“ schreibt das Ministerium. Die, die nach dem letzten deutschen Rettungsflug immer noch in Kabul befinden, will das Ministerium mit einem Call-Center der Bundeswehr und mit dem Einsatz von Militärattachés in den Nachbarländern Afghanistans unterstützen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und auch Kanzlerin Merkel betonten, dass die Bundesregierung weiter versuchen werde, schutzbedürftigen Menschen die Ausreise zu ermöglichen. „Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag“, sagte Merkel. „Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden.“

Tägliche Angriffsversuche auf den Kabuler Flughafen

Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen - an einem Gate ist ein langer Wassergraben - und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen.

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäußert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban. Unter anderem mit dieser Terrorgefahr begründet Biden auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald es weitere Details zu dem Fall gibt.

toh/jb/dpa

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