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Mindestens 18 Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Emal HAIDARY
·Lesedauer: 2 Min.
Einwohner am Ort des Anschlags.
Einwohner am Ort des Anschlags.

Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstag mindestens 18 Menschen getötet worden. 57 weitere Menschen seien bei dem Bombenanschlag nahe einem Bildungszentrum verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Wenige Stunden zuvor waren bei einem Bombenattentat in der Provinz Ghasni neun Zivilisten getötet worden.

Anwohner versammelten sich an dem Ort des Anschlags, wo Lachen von Blut zu sehen waren. "Ich stand ungefähr hundert Meter vor dem Gebäude, als eine große Explosion mich umhaute. Um mich herum waren Staub und Rauch", sagte der Augenzeuge Ali Resa. "Alle Menschen, die getöteten und verletzt wurden, waren Studenten, die das Gebäude betreten wollten."

Laut dem Innenministerium wurde der Angreifer bei dem Versuch gestoppt, in eine Bildungseinrichtung zu gelangen, wo Kurse für Studenten angeboten werden. "Als das Sicherheitspersonal ihn bemerkte, zündete der Attentäter die Bombe in einer Gasse", sagte der Tarek Arian.

Der IS beanspruchte den Anschlag für sich. Der Angreifer sei auf eine Ansammlung von Menschen zugelaufen, "wo er seine Jacke mit Sprengstoff zündete", erklärte die Dschihadistenmiliz in Online-Netzwerken.

Der Selbstmordanschlag ereignete sich im Westen Kabuls, wo viele Einwohner der schiitischen Hasara-Minderheit angehören. In der Vergangenheit geriet sie oft ins Visier sunnitischer Extremisten.

Wenige Stunden vor dem tödlichen Angriff in Kabul waren neun Zivilisten in der afghanischen Provinz Ghasni getötet worden, als eine am Straßenrand platzierte Bombe detonierte. Die Explosion erfasste einen Bus, der von Kabul in die Stadt Ghasni unterwegs war. Bei der Explosion wurden zudem vier Polizisten verletzt, wie ein Sprecher der regionalen Polizeibehörde mitteilte. Er machte die radikalislamischen Taliban für den Anschlag verantwortlich. 

In Afghanistan nahm die Gewalt zuletzt erheblich zu, obwohl die Taliban und die afghanischen Zentralregierung in Kabul inmitten von Friedensverhandlungen stecken. Die Taliban nutzen die Anschläge als Druckmittel in den Verhandlungen. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, warnte diese Woche vor einer Gefährdung des Friedensprozesses durch die Gewalt. 

Amnesty International meldete am Freitag, dass mindestens 50 Menschen bei Angriffen in der vergangenen Woche getötet worden seien. Die Menschenrechtsorganisation warf den Taliban und der Regierung vor, die Zivilbevölkerung nicht ausreichend zu schützen.

"Die Welt muss sich aufrichten und zur Kenntnis nehmen: Täglich werden afghanische Zivilisten abgeschlachtet", sagte Omar Waraich, Südasien-Koordinator bei Amnesty. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Schutz der Zivilbevölkerung "zu einer Kernforderung für ihre Unterstützung des Friedensprozesses zu machen".

hg/bfi