Werbung
Deutsche Märkte schließen in 8 Stunden 30 Minuten
  • DAX

    17.370,45
    +252,35 (+1,47%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.855,36
    +80,05 (+1,68%)
     
  • Dow Jones 30

    39.069,11
    +456,87 (+1,18%)
     
  • Gold

    2.030,80
    +0,10 (+0,00%)
     
  • EUR/USD

    1,0832
    +0,0005 (+0,04%)
     
  • Bitcoin EUR

    47.014,85
    -797,03 (-1,67%)
     
  • CMC Crypto 200

    885,54
    0,00 (0,00%)
     
  • Öl (Brent)

    78,13
    -0,48 (-0,61%)
     
  • MDAX

    26.099,76
    +385,56 (+1,50%)
     
  • TecDAX

    3.405,01
    +65,50 (+1,96%)
     
  • SDAX

    13.824,76
    +99,26 (+0,72%)
     
  • Nikkei 225

    39.098,68
    +836,48 (+2,19%)
     
  • FTSE 100

    7.684,49
    +21,98 (+0,29%)
     
  • CAC 40

    7.911,60
    +99,51 (+1,27%)
     
  • Nasdaq Compositive

    16.041,62
    +460,72 (+2,96%)
     

Millionenschweres Lastenrad-Startup Avocargo meldet Insolvenz an

Matti Schurr, CEO und Co-Founder von Avocargo, sitzt auf einem Lastenfahrrad seiner Firma.  - Copyright: dpa
Matti Schurr, CEO und Co-Founder von Avocargo, sitzt auf einem Lastenfahrrad seiner Firma. - Copyright: dpa

Keine acht Wochen ist es her, da versprühte Matti Schurr noch Optimismus. Sein Unternehmen fahre gut – „25.000 Mieten haben wir bereits vermittelt“, sagte der Gründer im Dezember in einem Podcast über sein Lastenrad-Startup Avocargo. Gefragt wurde er darin auch, welche große Schlagzeile über seine Firma als Nächstes zu lesen sein werde. Schurrs Antwort: Er könne sich vorstellen, dass es darin um einen Teil seines Geschäftsmodells gehe. Von Krisen oder Sorgen? Kein Wort.

Seit wenigen Tagen ist die Realität eine andere. Der Gründer muss sich mit einer viel ernsteren Frage beschäftigen: Hat sein Unternehmen überhaupt noch lange Bestand? Wie Gründerszene erfahren hat, stellte Avocargo in der vergangenen Woche einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Philipp Grauer bestellt.

Avocargo sucht einen Käufer

„Leider ist eine geplante Finanzierungsrunde nicht zustande gekommen“, sagte Grauer auf Anfrage von Gründerszene. Der Insolvenzverwalter sieht jedoch gute Chancen, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann. Das Geschäftsmodell von Avocargo sei auch weiterhin interessant. „Vor allem, wenn es keine Altlasten mehr gibt“, so Grauer. Statt einer neuen Finanzierungsrunde solle jedoch ein Verkauf des Unternehmens angestrebt werden. Konkrete Interessenten gebe es noch nicht.

Avocargo wurde 2021 von Matti Schurr und seinen Geschäftspartnern Marc Tabrizi und Loic Pinel gegründet. Noch im selben Jahr ging die Firma mit einem Free-Floating-Angebot für elektrisch unterstützte Lastenräder in Berlin an den Start. Die Räder können also frei innerhalb des Geschäftsgebiets angemietet und abgestellt werden. Die Ausleihe erfolgt per App.

Mit ihrem Konzept lagen die Gründer im Trend. Allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland laut Zweirad Industrie Verband (ZIV) rund 100.000 Cargobikes verkauft. Schätzungsweise 150 Sharing-Dienste für Lastenräder waren damals schon bundesweit aktiv. Sogar zum Wahlkampfthema wurden die dreirädrigen Gefährte. Die Grünen etwa forderten eine Kaufprämie als Alternative zum E-Auto.

Expansion kam nur schleppend voran

Wohl auch deshalb interessierten sich Investoren für das Geschäftsmodell von Avocargo. In zwei Finanzierungsrunden flossen nach Aussage der Gründer „mehrere Millionen Euro“ in das Unternehmen. Genaue Zahlen kommunizierten sie allerdings nie. Zu den Geldgebern gehörten unter anderem EIT Innoenergy, die Exxeta AG sowie Westtech Ventures und Starthub Ventures.

Mit dem Geld planten die drei Gründer in andere Städte zu expandieren. Von einem großflächigen Angebot im Bundesgebiet ist Avocargo jedoch bis heute weit entfernt. Laut Homepage sind die Lastenräder zwei Jahre nach Start nur in Berlin und München verfügbar. Zuletzt erweiterte das Startup sein Angebot um ein Abonnement. Zudem sollten vermehrt auch Geschäftskunden mit größeren Flotten angesprochen werden. Einen Testlauf mit Bio Company hatte das Startup bereits absolviert.

Erfolgreich genug waren die Angebote offensichtlich nicht, um Investoren von einer weiteren Kapitalspritze zu überzeugen. Ob sich für Avocargo ein Abnehmer findet, wird sich innerhalb der nächsten drei Monate zeigen. Solange erhalten die 17 Beschäftigten noch ihre Gehälter aus dem Insolvenzgeld.