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Wie Milliardäre mit dem Crash umgehen

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Oft stellen wir uns vor, wie gut es doch den reichen Investoren dieser Welt geht. Natürlich hätten wir ihren Wohlstand alle gern, aber sind wir auch wirklich bereit, den entsprechenden Preis dafür zu zahlen? Können wir Crashs wie den aktuellen gelassen durchleben?

Unternehmer und Investoren wie Elon Musk, Dr. Markus Braun, Jeff Bezos oder Warren Buffett halten meist sogar nur eine einzige Aktie, nämlich die des eigenen Unternehmens. Sie haben in den letzten Monaten Millionen- oder Milliardenbeträge verloren. Die Schwankungen sind hier noch viel höher als bei einem gestreuten Depot oder gar einem ETF-Portfolio.

Doch wie nutzen sie die Krise?

So verhalten sich Großanleger während des Einbruchs

Die Wirecard (WKN: 747206)-Aktien des Großaktionärs und Vorstandsvorsitzenden Dr. Markus Braun haben seit September 2018 mehr als 54 % an Wert verloren (13.03.2020). Ist er deshalb entnervt und verkauft nun alles? Nein, ganz im Gegenteil. Er ist davon überzeugt, dass seine Aktie früher oder später wieder neue Hochs erreichen wird.

Ein etwas weniger bekannter, aber guter Investor ist Peter Hargreaves. Er ist Gründer des Finanzdienstleisters Hargreaves Lansdown (WKN: A0MR1A), an dem er noch heute 24,3 % hält. Seine Aktien sind selbst nach dem Kurssturz immer noch etwa 1,58 Mrd. Euro wert. Zum Hoch im Mai 2019 lagen sie aber schon bei 3,24 Mrd. Euro.

Peter Hargreaves ist bereits 73 Jahre alt. Von der Empfehlung, mit zunehmendem Alter in Anleihen umzuschichten, hält er also anscheinend wenig. Er weiß, dass seine Anlage langfristig die beste sein wird, die nach dem Tod vererbt werden kann.

In einem Interview gab er jetzt bekannt, dass er zusammen mit seinem Sohn im Crash langsam wieder in Aktien investieren wird. Langsam, weil niemand genau weiß, wann der Boden erreicht ist. Hargreaves erwartet jedoch zukünftig wieder steigende Kure.

Von Warren Buffett werden wir erst im nächsten Quartal erfahren, was er gerade tut. Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2)s Historie zeigt jedoch, dass er Krisen geradezu liebt. Er hat über die vergangenen Jahre viel Kassenbestand aufgebaut, getreu seinem Motto: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und sei ängstlich, wenn andere gierig sind.“

So hat er beispielsweise nach dem 1987er-Crash, der ähnlich rasant verlief wie der Coronaviruseinbruch, massiv in Coca-Cola (WKN: 850663)-Aktien investiert, die er bis heute hält. Im 1962er-Crash stieg er in Aktien von American Express (WKN: 850226) ein, die er ebenfalls bis heute hält.

Der als Value-Investor bekannte Howard Marks von Oaktree Capital (WKN A1JWW7) denkt, dass es nach dem Crash Zeit ist, langsam einzusteigen. Aber auch er kann nicht vorhersagen, ob die Kurse nicht vielleicht noch tiefer fallen. Aufgrund seiner Langfristperspektive ist ihm dies jedoch nicht so wichtig.

Mark Cuban kaufte bei seinen Twitter (WKN: A1W6XZ)-Aktien nach und fügte hinzu: „Ich bin genauso besorgt, verwirrt und unsicher wie alle anderen. In Bezug auf unser Land bin ich ein langfristig ausgerichteter Börsenbulle und irgendwann werden die Märkte wieder höher stehen, ich weiß nur nicht, wann.“

Was wir mitnehmen können

Millionäre und Milliardäre nutzen die günstigen Kurse sehr häufig zum Aktienkauf. Sie denken langfristig und bleiben dann Jahre und Jahrzehnte dabei. Wenn wir es ihnen gleichtun wollen, müssen wir durch die Börsentäler gehen und noch besser vorsichtig nachkaufen. Das geht mit Fonds genauso gut wie mit Einzelaktien.

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Christof Welzel besitzt Berkshire Hathaway-Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Twitter und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2021 $200 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien), Short January 2021 $200 Puts auf Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Short March 2020 $225 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Motley Fool Deutschland 2020