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Millennial-Führungskräfte geraten in die Kritik, weil sie sich zu sehr bemühen, der „coole Chef“ zu sein – ist das fair?

Nicht nur Millennials wollen coole Chefs sein. Ein respektvoller Umgang miteinander ist wichtig für jedes Arbeitsklima. - Copyright: Tom Werner
Nicht nur Millennials wollen coole Chefs sein. Ein respektvoller Umgang miteinander ist wichtig für jedes Arbeitsklima. - Copyright: Tom Werner

Millennials sind wieder unter Beschuss. Diesmal wegen der Managementeigenschaften, die ein Content Creator auf Social Media mit der Generation in Verbindung gebracht hat.

Vergangene Woche postete ein Tiktoker namens Rob ein Video mit der Bildunterschrift "POV: You have a Millennial manager", zu Deutsch: "POV: Du hast einen Millennial-Chef".

Millennial-Bosse: Laut Tiktoker Rob sind sie lässig und sensibel

In dem Clip spielt er die Rolle eines Managers, der sich mit Angestellten bespricht. Dabei gibt er eine allzu vertraute und bewusst lässige Figur ab.

Das Video wurde 10 Millionen Mal angesehen und über 21.400 Mal kommentiert. Viele dieser Kommentare kamen von Nutzenden, die sagten, dass sie einen solchen "Millennial Manager" hatten. Diese Vorgesetzten hätten ihr Arbeitsleben viel einfacher gemacht, da sie sich bei der Arbeit entspannt und unterstützt fühlten.

Viele selbsternannte Millennial-Manager schienen sich ebenfalls mit diesem Verhalten zu identifizieren und sagten, dass sie versuchten, keine Negativität an ihre Mitarbeiter weiterzugeben. Aber es dauerte nicht lange, bis sich das Blatt wendete.

Am 12. Januar wurde der Tiktok-Post erneut auf X gepostet, ehemals Twitter. Und zwar von einer Nutzerin, die schrieb, sie könne sich auch damit identifizieren. Das Video explodierte erneut, dieses Mal mit 14,6 Millionen Aufrufen, und während viele weiterhin lobten, waren andere weniger begeistert.

Die Zuschauenden begannen, den lässigen Umgang mit dem Management zu kritisieren

Als das Video weiter kursierte, begannen die Leute, einige der gezeigten Verhaltensweisen zu kritisieren. Ein Nutzer schrieb: "Diese Art von Managern ist das Schlimmste" und meinte, dass sie "ein falsches Gefühl von Wärme" erzeugten und den Mitarbeitenden letztendlich in den Rücken fielen.

Ein anderer, der sagte, er sei ein ehemaliger Chef gewesen, schloss sich dieser Meinung an und meinte, einige Manager versuchten zu sehr, bei ihren Mitarbeitern als entspannt zu gelten, würden aber letztendlich alles an die Vorgesetzten zurückmelden. Der Beitrag erhielt über 20.000 Likes.

Es heißt, solche Manager seien kontraproduktiv, sie verursachten Chaos, indem sie Prozesse ignorierten und durch unklare Erwartungen Ängste auslösten. Andere meinten, sie würden lieber Vorgesetzte aus einer älteren Generation haben. Diese kümmerten sich vielleicht weniger um sie, aber dafür sorgten sie dafür, dass die Arbeit korrekt erledigt wird. Jedoch ereilten Userinnen und User, die solche Kommentare abgaben, wiederum rasch schnippische Kommentare, sie seien schmierig, unecht und sogar toxisch. Das Urteil schien festzustehen: "Millennial-Manager" sind die schlimmsten. Aber vielleicht ist es komplizierter als das.

Nicht alle Millennial-Manager sind gleich, aber hinter dem Sketch verbirgt sich etwas Wahres

Vivek Iyyani ist der Gründer des Schulungsunternehmens Millennial Minds und Autor des Buches "The Millennial Leader" (deutsch: "Der Millennial-Chef"). In dem Buch untersucht er, wie verschiedene Generationen Führungsaufgaben am Arbeitsplatz übernehmen.

Für Business Insider (BI) schätzte er ein, dass die Vorstellung eines "Millennial-Managers" in dem Video zwar auf einem Stereotyp beruht. Aber was die Führungsmethoden angeht, bestehe eine klare Kluft zwischen den Generationen. Die in dem Video gezeigten Eigenschaften seien bei jüngeren Generationen in diesen Positionen "sichtbarer".

"Dieser Führungsstil kommt bei den jüngeren Millennials und der Generation Z viel besser an. Und ich glaube, dass wir diesen Ansatz bei dieser Gruppe häufiger sehen werden als bei den älteren Millennials, der Generation X oder den Babyboomern", sagte er.

Christopher Littlefield ist der Gründer von Beyond Thank You, einem Unternehmen für Unternehmensberatung und Management-Coaching. Er erklärte gegenüber BI, es sei nichts Neues, dass Führungskräfte versuchen, als "der coole Manager" zu gelten - so wie die Figur in dem viralen Video. Allerdings habe sich die Art und Weise, wie die Menschen danach streben, geändert.

"Über psychische Gesundheit zu sprechen, sich nach dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu erkundigen, ist nicht unbedingt etwas, was die Menschen in anderen Generationen getan haben. Es ist jetzt üblicher, weil es ein gesellschaftliches Thema ist", sagte Littlefield.

Die Figur des Managers aus dem Tiktok-Clip hat was Gutes

Littlefield sagte, dass die Darstellung der Managerinnen und Manager in dem Video eine gute Arbeit leistet. Sie veranschauliche die "Menschlichkeit", mit der sich Vorgesetzte mit den Mitarbeitenden auf einer persönlichen Ebene verbinden. Sie erkundigen sich zum Beispiel nach ihrer Gesundheit und stellen sicher, dass sie nicht überarbeitet sind.

Aber sie scheitern, betont er, wenn sie versuchen, sich Angestellten anbiederten, indem sie sich gegen das Unternehmen, dessen Richtlinien und andere Mitarbeitende wenden. Dies könne nach hinten losgehen und ein Gefühl des Misstrauens erzeugen. Den Kolleginnen und Kollegen gegenüber fungierten solche Vorgesetzte als schlechte Vorbilder, so der Experte.

Es sei positiv, wenn Managerinnen und Manager sich die Zeit nehmen, sich mit den Mitarbeitenden auszutauschen, sich an Dinge zu erinnern, die ihnen Sorgen bereiten, Memes auszutauschen und Witze zu machen. Die allgemeine professionelle Grenze müssten sie aber wahren, so Littlefield.

Kein Managementstil kann vollständig mit einer bestimmten Generation in Verbindung gebracht werden. Aber die Themen, die in der Parodie angesprochen werden, sind ein Hinweis auf einen Generationswechsel am Arbeitsplatz, so Littlefield.

In den vergangenen Monaten haben die Generation Z und die Millennials mehr Flexibilität am Arbeitsplatz und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gefordert, wie BI bereits berichtete.

Vivek Iyyani von Millennial Minds sagte, er glaube, dass einige Aspekte des Stereotyps des "Millennial-Managers" bei einigen Arbeitnehmenden gut ankämen. "Auch wenn ich nicht behaupte, dass alle Millennial-Manager diesen Ansatz verfolgen, so scheint dies doch die gewünschte Veränderung bei den Führungskräften zu sein. Jemand, der respektvoll und beschützend ist und sich für das Team einsetzt", sagte er.

Lest den Originalartikel auf Business Insider