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Bill Gates kritisiert „wertlose Tests“ in den USA

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Der Microsoft-Gründer bezeichnet die Corona-Testverfahren in den USA als „Wahnsinn“. Die Bekämpfung von Covid-19 werde dadurch erschwert.

Warum gehen in den USA die Infektionszahlen in die Höhe, während sie in Europa auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharren? Kaum jemand kann diese Frage besser beantworten als Bill Gates, Gründer der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Nach Angaben des langjährigen Microsoft-Chefs geht Amerika zu lax mit dem Coronavirus um, Bars seien in vielen Regionen nicht geschlossen worden, zu wenige Amerikaner trügen Mund-Nasen-Schutzmasken.

Dazu kommt ein weiterer wichtiger Grund: unzulängliche Testverfahren. Pro Tag werden zwar mehr als 700.000 Menschen in den Vereinigten Staaten getestet. Aufgrund von überlasteten Labors würden Resultate aber mit zu großer Zeitverzögerung ermittelt.

Damit können Regierungsstellen nicht schnell genug auf lokale Ausbrüche reagieren und sie eingrenzen. Schnelle Testergebnisse gebe es schon, aber vor allem für „sehr Wohlhabende“. Die US-Regierung lasse sich über den Tisch ziehen. „Man bezahlt Milliarden Dollar für ungerechte Tests, um die wertlosesten Resultate der Welt zu erhalten“, sagte Gates am Sonntagabend in einem Fernsehinterview.

Seine Kritik habe er der zuständigen US-Behörde „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) vorgetragen, so Gates. Aber seine Verbesserungsvorschläge seien auf taube Ohren gestoßen. Beispielsweise, so der Stiftungschef, sollten die CDC nicht für Testergebnisse bezahlen, die älter als drei Tage sind. Ohne solch eine Sanktion hätten kommerzielle Anbieter wie Labcorp and Quest Diagnostics keinen Anreiz, sich zu beeilen.

Gesundheitsexperten empfehlen, Tests innerhalb von 24 bis 48 Stunden auszuwerten. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass Corona-Kranke die Symptome nicht ernst nehmen und den Kontakt mit anderen nicht meiden. Laut einer Umfrage von Harvard University, Northeastern University, Northwestern University und Rutgers University mussten Amerikaner im Juli im Schnitt vier Tage auf das Resultat warten.

Die US-Regierung habe allerdings keinerlei Interesse an einer Verbesserung, so Gates. Das Vorgehen sei „politisiert“, man wolle nur sagen, „wie großartig die Testverfahren“ seien. Gates beschrieb die Situation als „atemberaubend“.

Indirekt kritisiert Gates damit US-Präsident Donald Trump. Der hatte in einem Fernsehinterview vergangene Woche die Testverfahren in den USA ganz anders beschrieben und sie als „die besten aller Zeiten, die besten in der Welt“ bezeichnet. Die Hälfte der amerikanischen Tests seien „kurzfristig“ veranlagt, so Trump.

Skeptisch gegenüber Tiktok-Deal

Die Coronalage ist in den Vereinigten Staaten weiterhin besorgniserregend. Am vergangenen Samstag überstieg die Zahl der Infektionen die Grenze von fünf Millionen. Bislang sind rund 163.000 Amerikaner an der Infektionserkrankung Covid-19 gestorben. Pro Tag meldeten die Behörden durchschnittlich gut 1000 Todesfälle und rund 60.000 Neuinfektionen.

In keinem anderen Land der Welt gibt es in absoluten Zahlen gesehen so viele bekannte Infektionen und Todesfälle wie in den USA mit seinen 330 Millionen Einwohnern. „Kein anderes Land hat diesen Testwahnsinn“, erklärt sich Gates den Unterschied.

Derzeit verhandelt Microsoft mit dem chinesischen Konzern Bytedance über einen Verkauf des US-Geschäfts der Teenager-App Tiktok. Zuvor hatte Trump massiv Druck ausgeübt, ab Mitte September ist die App in den USA aufgrund von Sicherheits- und Datenschutzbedenken gesperrt.

Neben Microsoft soll auch der Kurznachrichtendienst Twitter an der milliardenschweren Übernahme von Tiktok in den USA interessiert sein. Gates ist allerdings kein Fan davon, wie er jetzt dem Hightech-Magazin „Wired“ sagte. Das Geschäft mit sozialen Medien sei „keine einfache Sache“.

Er nannte als Beispiel die notwendige Verschlüsselung von Daten. Tiktok könne trotz seiner Beliebtheit ein „vergifteter Kelch“ sein. Trumps Vorgehen, erst den Verkauf einer Firma zu verlangen, um dann einen Anteil am Verkaufspreis für die US-Regierung einzufordern, bezeichnete er als „ziemlich befremdlich“.

Die Entscheidung liege aber bei Microsoft, so Gates. Als Gründer und früherer Chef besitzt er allerdings einigen Einfluss beim Softwarekonzern, ist offiziell Berater von Microsoft und hält als Privatperson noch etwas mehr als ein Prozent am Unternehmen.

Der Konzern gehört zu den wertvollsten Unternehmen der Welt, besitzt eine Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen Dollar. Die meisten seiner Aktien übertrug der 64-jährige Gates bereits vor Jahren an die gemeinnützige Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung.