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Metas Mega-Krise: Schafft Zuckerberg den Turnaround?

Der Social-Media-Pionier befindet sich in der mit Abstand größten Krise seiner 18-jährigen Firmengeschichte. Weil die Wall Street die unklare Wette auf das Metaverse anzweifelt, hat Meta fast Dreiviertel seines Wertes verloren. Kann Gründer Mark Zuckerberg sein Lebenswerk retten?

Die Zukunft des Facebook-Konzerns erscheint so unklar wie nie (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)
Die Zukunft des Facebook-Konzerns erscheint so unklar wie nie (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)

Der Absturz ist historisch: Um sage und schreibe 74 Prozent stürzte die Meta-Aktie 2022 in der Spitze ab. Tatsächlich für 88 Dollar wurden die Anteilsscheine des Facebook-Mutterkonzerns vor einer Woche gehandelt – 338 Dollar wurden noch zu Jahresbeginn gezahlt, 378 Dollar auf dem Allzeithoch wenige Monate zuvor.

Es gibt in der an Dramen reichen Börsenhistorie wenige Vergleiche ähnlicher Abstürze eines Global Players vom Format Metas. Die Rückblende zur besten aller Zeiten ist gerade mal ein Jahr alt. Im Sommer und Herbst 2021 wurde der Social Media-Pionier noch mit über einer Billion Dollar bewertet und hat als letztes GAFAM-Mitglied damit die magische Bewertungsgrenze geknackt. Gleichzeitig war Meta zeitweise zum sechstwertvollsten Konzern der Welt aufgestiegen – übertroffen nur von den anderen vier Big-Tech-Konzernen und dem Öl-Multi Saudi Aramco.

Meta büßt 800 Milliarden Dollar Börsenwert ein, Zuckerberg mehr als 100 Milliarden Dollar

Ein Jahr später wurde Meta Inc. in der vergangenen Woche nur noch mit 240 Milliarden bewertet – eine Erosion von in der Spitze 800 Milliarden Dollar beim Börsenwert bzw. 100 Milliarden Dollar bei Mark Zuckerbergs Nettovermögen. Die Abstürze sind in beiden Fällen historisch: Meta fiel unter den wertvollsten Konzernen der Welt bis auf Platz 36 zurück, während Zuckerberg nicht mehr zu den zwanzig reichsten Menschen der Welt zählt. Sein Vermögen schmolz binnen eines Jahres von mehr als 140 Milliarden auf zuletzt nur noch 35 Milliarden Dollar zusammen. Schneller haben weder Billionen-Dollar-Konzerne noch dreifache Milliardäre ihr Kapital vernichtet.

Wie ist der Absturz nun zu erklären? Mit gleich vier Problemzonen auf einmal. Das erste Problem trifft unterdessen alle erfolgsverwöhnten Big-Tech-Konzerne an einer empfindlichen Stelle. Die hohe Inflation und die damit einhergehende Antwort der amerikanischen Notenbank in Form von massiven Leitzinsanhebungen hat praktisch alle Techaktien in diesem Jahr massiv unter Druck gesetzt. Wie Alphabet generiert auch Meta den überwältigenden Anteil seiner Erlöse durch das konjunktursensitive Werbegeschäft und spürt entsprechend schnell die wirtschaftliche Eintrübung.

Apple und TikTok setzten Meta zu

Der Social-Media-Pionier wird jedoch zusätzlich durch drei Sonderfaktoren belastet. Da ist einerseits der Gegenwind durch Apples veränderte Datenschutzregeln in mobilen Betriebssystemen, die Tim Cook bereits im Frühjahr 2021 ankündigte. Die Folge: Für Werbetreibende, die für 95 Prozent von Metas gesamten Konzernerlösen verantwortlich sind, wurde es ab dem Betriebssystem iOS 14 (Rollout im September 2021) schwerer, die Nutzergewohnheiten zu verfolgen und zu erfassen (Targeting). Entsprechend rechnete Metas Finanzchef Davis Wehner allein in diesem Geschäftsjahr mit happigen Umsatzeinbußen von rund 10 Milliarden Dollar – eine Zahl, die sich zu bestätigen scheint, wie die zuletzt immer enttäuschenderen Quartalsbilanzen beweisen.

Dann ist da der neue Rivale TikTok. Wie viel diese andere Herausforderung Meta kostet, erscheint spekulativ – aber die Folgen sind bereits spürbar. Die gerade mal sechs Jahre alte Social-Video-App, die es seit Jahren mit Abstand auf die meisten Downloads bringt, setzt dem Meta-Universum offenkundig fühlbar zu. „Nutzer haben heute viel Auswahl, wie sie ihre Zeit verbringen wollen, und Apps wie TikTok wachsen rasant“, gestand Mark Zuckerberg bereits zu Jahresbeginn vor Analysten ein. Vor wenigen Wochen legte Zuckerberg noch einmal in ungewohnten Tönen nach und gab zu: „Sie haben sich als sehr effektiver Konkurrent erwiesen.“

Metaverse-Wette verstört Wall Street

Für kollektives Kopfschütteln an der Wall Street sorgt unterdessen die immer kostspieligere Wette auf das Metaverse, das Zuckerberg zum großen Zukunftsmarkt auserkoren und sein Konzernimperium deswegen sogar in Meta umbenannt hat. Enorme 9,4 Milliarden Dollar Verlust häufte die neue Sparte Reality Labs, zu der etwa die Virtual-Reality-Headsets Meta Quest zählen, allein in den vergangenen drei Quartalen an – bei Umsätzen von gerade mal zwei Milliarden Dollar. Schlimmer noch: Finanzchef Wehner kündigte an, dass sich die Verluste im kommenden Jahr sogar noch „bedeutsam“ ausweiten würden.

Die jüngste Konzernbilanz vor zwei Wochen geriet dann schließlich zum Moment des vollständigen Vertrauensverlusts der Wall Streets. Die Meta-Aktie verlor in Reaktion auf das Zahlenwerk allein ein Drittel ihres Wertes in rund einer Handelswoche. Nach diesem jüngsten Kursrutsch scheint Mark Zuckerberg die Signale der Finanzmärkte nun jedoch endlich verstanden zu haben und kündigte diese Woche drastische Schritte an.

Reichen Massenkündigungen zum Turnaround?

11.000 Meta-Mitarbeiter erhielten diese Woche die Kündigung. Mehr als 13 Prozent der Beschäftigten war betroffen, jeder Achte muss also gehen. Zynischerweise applaudierte die Börse und schickte die Meta-Aktie seit Bekanntgabe der Freistellungen, auf die bereits im Vorfeld spekulierte wurde, um 17 Prozent nach oben.

Einen maßgeblichen Anteil dürfte daran die Botschaft von Mark Zuckerberg an die Belegschaft gehabt haben, die genau von der Börse registriert wurde. Der 38-Jährige erklärte detailliert, warum er die harten Einschnitte vornimmt: „Unsere Umsatzaussichten sind niedriger als zu Beginn dieses Jahres erwartet, und wir möchten sicherstellen, dass wir sowohl in der App-Familie als auch in Reality Labs effizient arbeiten.“ Zudem erklärte Zuckerberg, er glaube, „wir werden als Unternehmen zutiefst unterschätzt“.

Es klingt danach, als habe der umstrittene CEO nach einjähriger Metaverse-Irrfahrt endlich verstanden, worum es geht: die Fortführung seines Lebenswerks. Fundamental befindet sich Meta zwar im beschleunigten Abwärtstrend – die Umsätze gaben zuletzt um 5 Prozent nach, während der Gewinn gar um 52 Prozent wegbrach –, aber wichtige Metriken wie die Nutzerzahl blieben bis zuletzt stabil. Den ersten Teil des Turnarounds – nämlich eine größere Kosteneffizienz – hat Zuckerberg eingeleitet. Die nächsten Schritte werden allerdings schwieriger und langwieriger. Aktionäre dürften frühestens bei der nächsten Quartalsbilanz Ende Januar die Fortschritte überprüfen können.

Video: Stellenabbau bei Meta: mehr als 11.000 Entlassungen