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Mercadolibre: 100 US-Dollar Kursplus nach Zahlen – jetzt noch aufspringen?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie von Mercadolibre (WKN: A0MYNP) hat im Kontext der aktuellen Berichtssaison ordentlich glänzen können. Zumindest legt das die erste Reaktion auf die Quartalszahlen nahe. Die Anteilsscheine haben selbst in der sogenannten After Hour um über 100 US-Dollar, genauer gesagt um 104 US-Dollar auf 725 US-Dollar (05.05.2020, Späthandel) zugelegt. Das entspricht einem Kursplus von rund 17 %.

Aber was war der Auslöser für dieses starke Kursplus? Und sollten Investoren jetzt noch auf diese Wachstumsgeschichte aufspringen? Fragen über Fragen. Versuchen wir im Folgenden ein paar Antworten zu finden.

Stark in der Krise

Wie wir anhand der Quartalsmitteilung erkennen können, hielt das Wachstum weiter an. So stiegen die Umsätze um 70,5 % im Jahresvergleich auf 652,1 Mio. US-Dollar. Das Gross Merchandise Volume im E-Commerce nahm dabei um 34,2 % auf währungsbereinigter Basis auf 3,4 Mrd. US-Dollar zu. Im Bereich der Zahlungsdienstleister, MercadoPago, stieg das Transaktionsvolumen im letzten Quartal um 82,2 % auf währungsbereinigter Basis auf 8,1 Mrd. US-Dollar. Erneut ein insgesamt starkes Quartal.

Und das ausgerechnet zur Unzeit: Wie das Management nämlich mitgeteilt hat, gab es insbesondere am Ende dieses Zeitraumes einige Schwierigkeiten. In der Spanne zwischen dem 18. und dem 24. März sei das Gross Merchandise Volume im E-Commerce sogar um 1,4 % eingebrochen. Sprich, hätte Mercadolibre innerhalb dieser sechs Tage so operieren können wie noch zuvor, wäre das Wachstum noch stärker gewesen.

Insgesamt scheint jedoch das Momentum dieser Wachstumsgeschichte zurückzukehren. Besonders Konsumgüter, Waren aus dem Gesundheitswesen und Spiele sind in diesen Tagen sehr gefragt. Das Management sagt außerdem, dass der April einen starken Rebound beinhalte. Womöglich ist das ein wichtiger Indikator dafür, dass das Wachstum weiter an Fahrt aufnimmt. Wobei diese Prognose natürlich den weiteren Unsicherheiten des Coronavirus obliegt.

Ist die Aktie jetzt ein Kauf?

Das Wachstum hält jedenfalls an, so viel steht fest. Und das in einer Phase, in der es auch in Lateinamerika einen Lockdown gegeben hat, der offensichtlich nicht spurlos an Mercadolibre vorbeigegangen ist. Das zeigt in dieser schwierigen Phase eine gewisse Stärke. Und das in beiden Bereichen. Die Lateinamerikaner besitzen daher mit dem E-Commerce und den Zahlungsdienstleistern zwei intakte Geschäftsbereiche, die noch immer deutlich zweistellige Wachstumsraten auf währungsbereinigter Basis aufweisen.

Die derzeitige Marktkapitalisierung beträgt inzwischen über 30 Mrd. US-Dollar. Mit quartalsweisen Umsätzen von 650 Mio. US-Dollar und einem Jahreswert von annualisiert ca. 2,8 Mrd. US-Dollar (unter Einbeziehung eines stärkeren Weihnachtsquartals) beläuft sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis dennoch über 10. Gewiss kein Schnäppchen mehr, was für eine volatile Wachstumsphase sprechen könnte. Vor allem, wenn das zweite Quartal womöglich einen Coronaeinbruch beinhalten wird.

Langfristig spricht jedenfalls wenig für ein höheres Bewertungsmaß. Zumindest nicht, solange Wachstumsraten im höheren zweistelligen Prozentbereich erzielt werden können. Selbst wenn Mercadolibre rein konservativ pro Jahr um 50 % p. a. wachsen sollte, würde die Bewertung in den nächsten fünf Jahren auf lediglich das Anderthalbfache der derzeitigen Marktkapitalisierung anwachsen. Dass ein solcher Richtwert möglich ist, zeigen klassische E-Commerce-Vertreter wie Amazon oder Alibaba, die bereits bedeutend größere Marktkapitalisierungen vorweisen.

Günstig sieht anders aus, aber …

Die Aktie von Mercadolibre wächst und wächst und wächst, das können wir jedenfalls für den Moment festhalten. Ja, sogar in der Krise hält diese Dynamik an. Das könnte wichtig für den weiteren operativen Verlauf werden.

Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 10 ist die Aktie alles andere als preiswert. Mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten und den zwei starken Megatrends E-Commerce und digitale Bezahldienstleistungen könnte die Aktie langfristig allerdings dennoch preiswert sein. Wobei man als Investor geduldig sein sollte, bis das Unternehmen in seine Bewertung hineinwächst.

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Vincent besitzt Aktien von Alibaba und Mercadolibre. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und MercadoLibre und empfiehlt die folgenden Optionen: Short January 2022 $1940 Call auf Amazon und Long January 2022 $1920 Call auf Amazon.

Motley Fool Deutschland 2020