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Corona dämpft Konjunkturerwartungen in Deutschland

·Lesedauer: 3 Min.

Mannheim/Wiesbaden (dpa) - Neue Sorgen in der Corona-Pandemie und schärfere Gegenmaßnahmen lasten auf den Konjunkturerwartungen für Deutschland.

Es gibt allerdings auch Hoffnungsschimmer, und einer kommt ausgerechnet aus der zuletzt gebeutelten Industrie: Die Produktion ist erstmals seit längerem wieder spürbar gestiegen.

Deutsche Finanzexperten bleiben für Deutschland aber zurückhaltend. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW fiel im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,8 Punkte auf 29,9 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Die Abschwächung fiel zumindest geringer aus als befürchtet: Analysten hatten einen Rückgang auf 25,4 Punkte erwartet.

Corona trübt Erwartungen

Die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage trübte sich wegen neuer Corona-Ängste deutlich ein, der Indikator fiel um 19,9 Punkte auf minus 7,4 Zähler. Zum ersten Mal seit Juni befindet sich die Lageeinschätzung wieder im negativen Bereich.

«Die deutsche Wirtschaft leidet spürbar unter den neuen Entwicklungen der Corona-Pandemie», kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Zuletzt wurden die Virus-Beschränkungen in vielen Bundesländern verschärft. Ein Grund ist auch die neue Corona-Variante Omikron. «Die ZEW-Konjunkturerwartungen kommen nun unter die Räder der vierten Corona-Welle», kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Eine Folge der Pandemie sind erhebliche Engpässe im weltweiten Warenhandel, die die wirtschaftliche Entwicklung schon länger dämpfen. Ökonomen wie Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer befürchten sogar ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr.

In diesem Umfeld kommen solide Produktionsdaten aus der deutschen Industrie gerade recht: Im Oktober weiteten die Unternehmen ihre Produktion deutlich aus. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Herstellung um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Volkswirte hatten zwar mit einem Zuwachs gerechnet, diesen aber deutlich niedriger veranschlagt. Zudem fiel das Ergebnis im September nach neuen Daten nicht ganz so schwach aus wie bisher bekannt.

Kräftig um 12,6 Prozent legte die Herstellung von Autos und Autoteilen zu. Von Investitionsgütern wie Maschinen wurden 8,2 Prozent mehr hergestellt als im Vormonat. Die Produktion von Vorleistungs- und Konsumgütern ging dagegen leicht zurück. Die Energieerzeugung und die Aktivität am Bau stiegen an.

Autobranche besonders gelitten

Bankvolkswirte sprachen von einem positiven Zeichen aus der Industrie. «Eine gute Nachricht zur richtigen Zeit», kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Besonders erfreulich sei, dass auch die Produktion im Automobilsektor offenbar wieder anziehe. Die Autobranche hat in den vergangenen Monaten besonders unter den Problemen im Welthandel gelitten. Am Montag hatten Auftragszahlen aus der Industrie zwar enttäuscht. Allerdings sitzen die Unternehmen immer noch auf einem dicken Auftragspolster, das für mehrere Monate ausreicht.

Lieferengpässe und die Corona-Pandemie trüben auch die Zuversicht bei Deutschlands Mittelständlern. «Die Geschäftserwartungen der mittelständischen Unternehmen für die nächsten sechs Monate sind in diesem Herbst deutlich gesunken und weit hinter ihren langjährigen Durchschnittswert zurückgefallen», stellten der Bankenverband BVR und die DZ Bank in ihrer jüngsten Mittelstandsumfrage fest. «Trotz der aktuellen Verschlechterung bleibt aber eine kleine Mehrheit der von uns befragten mittelständischen Unternehmen weiterhin optimistisch, was die Entwicklung der nächsten sechs Monate anbelangt.»

In der Eurozone hat sich das Wirtschaftswachstum im Sommer stabilisiert. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent im Quartalsvergleich gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Damit wurde eine vorherige Schätzung bestätigt. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft ebenfalls um 2,2 Prozent gewachsen. Zwischen den Ländern der Eurozone gibt es merkliche Unterschiede. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs die Wirtschaft der Eurozone im Sommer um revidierte 3,9 Prozent.

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