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Mehrheit der Deutschen befürwortet Staatshilfen für Kleinunternehmer

Die Deutschen zeigen sich in der Krise solidarisch mit notleidenden Firmen. Doch die Befragten koppeln ein Konjunkturpaket an eine Forderung: Es muss grün sein.

Die Gastronomie-Branche ist stark von der Kurzarbeit betroffen. Foto: dpa

Staatliche Hilfen für die Wirtschaft stoßen auf große Zustimmung der Bürger. Vor allem die Hilfen an Kleinunternehmer und Selbstständige findet eine breite Mehrheit richtig: 73 Prozent der berufstätigen Deutschen sagten dies in einer repräsentativen Online-Umfrage von Civey im Auftrag der Beratungsgesellschaft Deekeling Arndt/Amo. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Mit zunehmender Unternehmensgröße nimmt die Zustimmung für finanzielle Unterstützung allerdings stark ab: Eine direkte finanzielle Unterstützung von Großunternehmen befürworten nur 15,1 Prozent der Befragten. Sie steigt allerdings im Falle einer staatlichen Beteiligung wieder auf 30,4 Prozent.

Eine knappe Mehrheit von 51,7 Prozent, würde es demnach begrüßen, wenn es einen Aufschub von Steuerzahlungen für Firmen gebe. Beim Verlustvortag und beim Verlustrücktrag, über den dies unbürokratisch organisiert werden könnte, ist die Bundesregierung bisher allerdings nur zögerlich aktiv geworden. Instrumente wie zinslose Kredite an Firmen und eine Lockerung der Kurzarbeiterregeln findet jeweils eine knappe Hälfte der Befragten sinnvoll.

Auch in der Wirtschaftskrise steht eine deutliche Mehrheit zu den Klimazielen der Bundesregierung. Zwei Drittel sagten, dass die Regierung daran festhalten solle. Nur 14,5 Prozent lehnten dies strikt ab. Dabei unterscheiden sich die Altersgruppen erstaunlich wenig: In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen und der Über-65-Jährigen ist die Zustimmung mit 67,2 und 68,3 Prozent am höchsten.

Unterschiede ergeben sich in der Klimafrage dagegen entsprechend der Parteipräferenzen: Anhänger der Grünen wollen zu 94 Prozent an den Klimazielen festhalten, bei der FDP sind es nur 39,9 Prozent und bei der AfD lediglich 12,3 Prozent. Im Westen sind mit 67,3 Prozent mehr Befragte für Klimaschutz als im Osten mit 58,4 Prozent.

Konjunkturprogramm muss grün sein

Wenn der Staat ein Konjunkturprogramm auflegt, dann sollte dieses unbedingt klimafreundlich gestaltet werden. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich dafür aus, dieses gezielt mit der Förderung umweltfreundlicher Technologien zu verknüpfen.

Interessant ist auch die Einschätzung der Berufstätigen zur Lage des eigenen Unternehmens. Bisher hält nur ein Drittel sie für schlecht oder sehr schlecht. 45 Prozent bewerten sie noch mit sehr gut oder eher gut.

Civey befragte zusätzlich zu mehr als 10.000 Berufstätigen auch 1512 privatwirtschaftliche Entscheider, ebenfalls repräsentativ, nach den größten Hindernissen bei der Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie: 46 Prozent nannten steuerliche Belastungen, 34 Prozent die Verschuldung ihres Unternehmens. Das Problem Fachkräftemangel scheint demnach weniger als vor der Krise im Vordergrund zu stehen: Nur ein Viertel (26,1 Prozent) sieht dies aktuell als Problem.