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Mehrere Milliardenkonzerne nutzen das 3G-Kontroll-Tool dieses Gründers

·Lesedauer: 4 Min.
Plötzlich erhielt der 28-Jährige Gründer Philipp Kochan Hunderte Anfragen für sein Softwareprodukt, das den 3G-Status am Arbeitsplatz kontrolliert.
Plötzlich erhielt der 28-Jährige Gründer Philipp Kochan Hunderte Anfragen für sein Softwareprodukt, das den 3G-Status am Arbeitsplatz kontrolliert.

„Können Sie uns nicht vorziehen? Wir unterschreiben das Angebot direkt, damit wir möglichst schnell starten können“. Solche Kundengespräche führte Philipp Kochan vergangene Woche mehrfach. Der 28-Jährige arbeitet gerade rund um die Uhr, erzählt er im Gespräch mit Gründerszene. Denn sein Startup Saneware hat eine Lösung entwickelt, mit der Unternehmen kontrollieren können, ob ihre Mitarbeiter geimpft, genesen oder getestet sind.

Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) am 24. November müssen Arbeitgeber nämlich die Einhaltung der sogenannten 3G-Regel am Arbeitsplatz kontrollieren. Dafür dürfen sie laut dem Gesetz auch personenbezogene Daten wie etwa den Impfnachweis speichern. Nach der Abstimmung im Bundesrat blieb den Unternehmen knapp eine Woche Zeit, um den Anforderungen Folge zu leisten. „Ich glaube, das hat viele Unternehmen vollkommen unvorbereitet getroffen“, so Kochan.

Für den Gründer kommt 3G am Arbeitsplatz zu spät

Kochan und sein Mitgründer Gerhard Stumpf haben bereits in den Sommermonaten angefangen, an einem Tool für die 3G-Nachweispflicht zu basteln. Denn die beiden ahnten, dass nun auch Unternehmen für die Pandemiebekämpfung in die Pflicht genommen werden könnten. „Wir haben uns selbst immer wieder gefragt, warum man überall sein Impfzertifikat vorzeigen muss außer am Arbeitsplatz“, erzählt Kochan.

Saneware will Firmen die Möglichkeit bieten, den Impfstatus ihrer Angestellten unkompliziert überprüfen zu können – ohne Excelltabellen und tägliche Kontrollen an Gebäudeeingängen. So können Arbeitnehmer über die Website ihren Gesundheitsstatus selbstständig teilen, indem sie ihr Zertifikat beispielsweise vor ihre eigene Handy- oder Laptopkamera halten. Das geht auch aus dem Homeoffice. Die browserbasierte Software ordnet das Impfzertifikat anschließend den Beschäftigten zu. Zudem merkt sich das Programm, wann die Impf- oder Genesenenausweise ablaufen. Daher brauchen Mitarbeiter nur einmal ihr Zertifikat vorzeigen – bis ihr Nachweis ausläuft und die Software den zuständigen Vorgesetzten darüber informiert.

Das Programm bietet verschiedene Möglichkeiten der Erfassung, so können Daten auch manuell ins System eingetragen werden, wenn Beschäftigte etwa nur über ein Impfbuch oder einen Testnachweis verfügen. Dasselbe gilt für diejenigen, die ihren Status vor ihrem Arbeitgeber nicht preisgeben wollen. So gibt es die Option, dass Vorgesetzte lediglich erfahren, dass ein gültiger Nachweis vorliegt. Wenngleich Beschäftigte ihr Zertifikat täglich vorzeigen müssen.

Das Tool kostet zwei Euro pro Mitarbeiter

Für die Nutzung zahlen Firmen eine monatliche Gebühr, die sich an der Anzahl der Beschäftigten orientiert. Pro Mitarbeiter koste die Software rund zwei Euro, so Kochan. Bei einem Unternehmen mit etwa 10.000 Beschäftigten sinke die Nutzungsgebühr pro Mitarbeiter jedoch auf unter einen Euro. Da das Infektionsschutzgesetz zunächst bis März 2022 gilt, beträgt die Mindestvertragslaufzeit vier Monate.

Kochan gründete zuvor eine Firma für Programmier-Dienstleistungen. Hauptprojekt von Akubu war allerdings eine eigens entwickelte Suchplattform für Freizeitangebote wie Yoga-, Koch- oder Grillkurse. Doch als sich damit kein Geld verdienen ließ, stellte er das Projekt ein. Sein Co-Gründer Stumpf leitete währenddessen die Personalberatungsfirma GreenHr, die er 2018 ins Leben gerufen hatte. Als Joint-Venture gründeten Kochan und Stumpf ein Jahr später die Firma Saneware, die neben dem 3G-Tool an einer Vielzahl digitaler Lösungen für die betriebliche Gesundheitsvorsorge arbeitet. Sowohl Kochan als auch Stumpf sind weiterhin als Gesellschafter an ihren alten Firmen beteiligt.

„Manchmal frage ich mich, ob ich träume“

Seine erste Anfrage bekam das Startup mit Sitz im Paderborner Technologiepark direkt nach dem Launch Anfang November 2021 aus Österreich. Denn dort trat die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz bereits am 1. November in Kraft. Eine Woche später nahm als erster deutscher Kunde das Bielefelder Klinikum mit seinen 3000 Mitarbeitern die Software in Betrieb.

Danach habe sich das Startup vor Anfragen nicht mehr retten können, so Kochan. Mit der neuen Beschlusslage zum Infektionsschutzgesetz habe Saneware binnen weniger Tage Hunderte Angebote von Unternehmen erhalten. Manche Firmen sollen sogar Verträge abgeschlossen haben, ohne dass sie das Tool einmal gesehen haben. „Wir haben bis zwei Uhr nachts Verträge geschrieben“, erzählt der Gründer. Daher sei Saneware in nur einer Woche von sieben auf 15 Mitarbeiter gewachsen, so Kochan. „Manchmal frage ich mich, ob ich träume“, sagt der 28-Jährige.

Paderborner Startup nimmt Milliardenunternehmen wie Schüco und Dohle unter Vertrag

Neben zahlreichen Kliniken versorgt die Paderborner Firma unter anderem das Milliardenunternehmen Schüco aus Bielefeld, die Dohle Handelsgruppe und die Kölner Medienfirma Ströer mit über 12.000 Mitarbeitern. Derzeit warten weitere 15 Unternehmen auf das Onboarding, das zwei bis drei Tage dauert.

Doch das Paderborner Startup ist nicht der einzige Anbieter, der digitale Tools für die Kontrolle der 3G-Regelung am Arbeitsplatz entwickelt hat. Die Covpasscheck-App des Robert Koch Instituts kann das auch – jedoch erfolgt die Überprüfung offline, heißt: Beschäftigte müssen sich zusätzlich ausweisen. Etwas mehr Komfort verspricht hingegen die Kölner Firma Mobiviention mit ihrer App „Corona 3G-Regel“ oder die Anwendung „Covidenz“ des Düsseldorfer IT-Unternehmens Troido. Zwei Apps aus Österreich, darunter die „Covid Control Plattform“ von Testify sowie „Smarter 3G“ der Firma Smart Business Solution sollen ebenfalls dabei unterstützen, die 3G-Kontrolle am Arbeitsplatz mit digitalen Mitteln zu ermöglichen.

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