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Mehr Seife, weniger Sonnenschutz: Kosmetikbranche leidet unter Lockdown-Problemen

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Die Coronakrise hat die Kosmetikbranche gebeutelt. Sonnenschutz und Luxusprodukte waren nicht gefragt, dafür Seifen und Haarfärbemittel für zu Hause.

Beautiful caucasian woman shopping personal hygiene products at supermarket.
Die Kosmetikbranche leidet unter den Folgen des Lockdowns. (Symbolbild: getty Images)

In der Coronakrise haben die Menschen die meiste Zeit zu Hause verbracht. Die Arbeiten wurde im Homeoffice erledigt, Treffen mit Freunden und Familie fanden virtuell am Rechner statt, Restaurantbesuche wurden durch Lieferdienste ersetzt. Wozu sich da schminken und parfümieren, haben sich anscheinend viele Menschen gedacht – und entsprechend weniger Kosmetikprodukte gekauft. Das hat die Branche stark zu spüren bekommen.

Im Juni prognostizierte Markus Grefer, Präsident des Kosmetikverbands VKE, für das Jahr 2020 „für unsere Branche unter dem Strich ein Umsatzminus von 20 Prozent“. Besonders schlimm sei die Situation im April gewesen, als der Lockdown den stationären Handel lahmgelegt hatte. Die Unternehmen hätten damals Umsatzrückgänge von bis zu 60 Prozent verkraften müssen.

Der börsennotierte Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf, der den Hauptteil seines Umsatzes mit der traditionsreichen Pflegemarke Nivea erzielt, berichtete bei seinen Halbjahreszahlen beispielsweise von einem Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent und gab im Juli eine entsprechende Ad-hoc-Meldung heraus. Das Verhalten der Konsumenten hat sich in der Coronazeit deutlich verändert.

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So werden deutlich mehr Hygieneprodukte wie Seifen als vor dem Lockdown verwendet. Das häufige Händewaschen sowie die Verwendung von Desinfektionsmitteln führen zu trockener Haut und damit zu einer ebenfalls erhöhten Nachfrage nach Feuchtigkeitscremes. Das sind zumindest für die Branche gute Nachrichten. Doch auf der anderen Seite hat sich durch die eingeschränkte Reisetätigkeit die Nachfrage etwa nach Sonnenschutzmitteln stark reduziert.

Von der Kaufzurückhaltung sind vor allem auch die Premiummarken der Kosmetikbranche betroffen. Die hochpreisigen Produkte werden oft in den Shops an Flughäfen verkauft – Orte, die lange Zeit verwaist waren. Beiersdorf berichtete beispielsweise in den ersten sechs Monaten des Jahres von einem Umsatzrückgang von mehr als 40 Prozent bei seiner Premiummarke La Prairie.

Weniger Lippenstift und Friseurbedarf

Der ebenfalls börsennotierte Kosmetikkonzern Henkel bekam die Auswirkungen der Coronakrise in seiner Beautysparte zu spüren. Etwa eine Million von insgesamt 20 Milliarden Euro Umsatz erzielt das Düsseldorfer Unternehmen mit dem Friseurgeschäft. Dieses Geschäft kam im Frühjahr zum Erliegen und lief im Frühsommer erst zögerlich wieder an. Die Verbraucher verwendeten stattdessen verstärkt Friseurprodukte für den Hausgebrauch, etwa Haarfärbemittel aus der Drogerie. Das konnte den Verlust nicht auffangen: Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen berichtete Henkel von einem Umsatzrückgang von 8,5 Prozent im Bereich Beauty-Care – Hauptgrund ist der Rückgang im Friseurgeschäft.

Auch das Tragen der Mundschutzmasken führt zu einer Konsumänderung. So werden nach Branchenberichten weniger Lippenstifte gekauft. Das fränkische Unternehmen Schwan Stabilo bekam das zu spüren. Um ein Drittel sei der Umsatz in der Kosmetiksparte im April eingebrochen, teilte das Unternehmen mit. Es ist eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer darin, Schminkstifte für Kosmetikmarken zu entwickeln und zu produzieren.

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