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Nicht mehr einzig die Inzidenz: Robert-Koch-Institut plant Wende in der deutschen Corona-Politik

·Lesedauer: 3 Min.
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, informiert über die aktuelle Corona-Lage.
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, informiert über die aktuelle Corona-Lage.

Überlegungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnten eine Wende in der Corona-Politik der Bundesregierung bringen. Das RKI ist als Bundesbehörde dafür zuständig ist, Krankheiten zu erkennen, vorzubeugen und zu bekämpfen und dementsprechend die Politik zu beraten. Jetzt könnte nach Angaben der Bild-Zeitung bald die Abkehr von der Inzidenz (Anzahl der Infektionen) als einzigem Faktor für Corona-Maßnahmen in Deutschland bevorstehen. Dies geht aus einem internen Dokument hervor. Darin stellt Deutschlands Behörde die „Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator“ für die Politik vor – also die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten.

Der Grund: Wegen der Impfung verliert die Inzidenz zunehmend an Aussagekraft. So rechnet das RKI mit einer „Abnahme des Anteils schwerer Fälle“, da die Risikogruppen fast vollständig durchgeimpft sind. Selbst bei höheren Infektionszahlen wird Corona für das Gesundheitssystem somit weniger gefährlich. Die Experten des RKI kommen zum Schluss: „Weitgehende nicht-pharmakologische Interventionen für alle fachlich schwer begründbar (außer bei drohender systematischer Überlastung)“. Das heißt, für geimpfte Bürger seien Corona-Maßnahmen kaum mehr zu begründen. Allgemeine Lockdowns, wie die Deutschen sie bereits dreimal erdulden mussten, wären also hinfällig. Noch Anfang Juni gab das RKI in einem Strategiepapier die Sieben-Tage-Inzidenz als einen von zwei Leitindikatoren bei der Bewertung der Corona-Lage an.

So reagieren Politiker auf die Überlegungen

In der politischen Diskussion über den richtigen Umgang mit der aktuellen Situation wurden am Wochenende gleichermaßen Warnungen vor weiteren Lockerungen laut, wie auch Forderungen nach einem absehbaren Ende der Beschränkungen. So mancher plädiert dafür, die Inzidenz als Maß aller Dinge abzuschaffen. Die zentrale Frage sei, wie die stärkere Verbreitung des Virus zu interpretieren ist, sagte der Statistiker Helmut Küchenhoff von der Uni München. Der aktuelle Inzidenz-Anstieg sei zwar "vielleicht ein Grund für Nervosität, aber noch kein Grund, um Lockerungen zurückzunehmen". Man müsse erstmal abwarten, um die Auswirkungen auf die tatsächliche Zahl der Erkrankungen absehen zu können. Küchenhoff sagte weiter, man solle bei der Inzidenz in erster Linie auf die älteren Menschen zu blicken, da diese besonders anfällig für schwere Verläufe seien.

Bei einigen Politikern trifft das RKI-Papier auf Zustimmung: Die mögliche Abkehr vom Inzidenz-Wert könnte „die langersehnte Wende für uns alle“ sein, sagte Friedrich Merz (65, CDU) am Wochenende der "Bild":„Der kollektive Entzug von Grundrechten für die gesamte Bevölkerung“ ließe sich „nicht aufrechterhalten“. Er forderte Zusagen an die jungen Menschen in Deutschland: „Der Schulunterricht, Kindergärten, der Unterricht an Universitäten in Präsenz finden ab dem Herbst definitiv wieder statt!“ Auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), warnte davor, nur auf die Inzidenz zu blicken: Wenn es in einer vierten Corona-Welle „viele positive Befunde, aber keine Kranken mehr hat“, könnte man die Lage „sehr gelassen sehen“. Gassen sagte weiter: Deutschland müsse sich „mit höheren Infektionszahlen arrangieren“. Und das auch ohne extrem hohe Impfquoten, wie sie etwas das Robert-Koch-Institut anstrebt. „Impfquoten von 90 Prozent sind Science Fiction.“

Kennzahlen als Alternative zum Inzidenzwert

Das schon früh ausgegebene Ziel der Politik ist es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und schwere Erkrankungen sowie Todesfälle zu vermeiden. Aus Sicht von Küchenhoff sollte man genau auf diese Parameter schauen - also beispielsweise wieviele Neuaufnahmen von Corona-Fällen es in Kliniken gibt. Das Bundesgesundheitsministerium gab am Sonntag bekannt, dass Krankenhäuser künftig verpflichtet werden sollen, alle Krankenhausneuaufnahmen wegen Corona zu melden. Bisher wird lediglich die Zahl der Intensivpatienten zentral erfasst.

cri/dpa

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