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Mehr Dividende für die Anleger

Ausschüttungen steigen weltweit – doch in Deutschland nicht. Nach dem Kursrutsch wegen Corona steigt der Renditeabstand zwischen Aktien und Anleihen auf Rekordhöhe.

Die DZ-Bank bringt in einer neuen Studie einen interessanten Vergleich: „Weltweit werden rund 1,6 Billionen Dollar an Dividende ausgeschüttet. Damit könnte man alle Dax-Unternehmen kaufen und hätte noch 350 Milliarden Dollar übrig.“ Hierin kommen die niedrigen Kurse der deutschen Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex versammelt sind, zum Ausdruck.

Weltweit steigen die Ausschüttungen nach Berechnungen der Bank um vier Prozent, obwohl die Unternehmensgewinne im Durchschnitt nicht zugelegt haben. Die deutschen Unternehmen werden dagegen mit 47,2 Milliarden Euro vier Prozent weniger als im Vorjahr ausschütten. „Die nachlassende Dynamik des Welthandels und sektorspezifische Probleme haben die industrie- und exportabhängigen deutschen Unternehmen gebremst“, heißt es in der Studie.

Die Summe bezieht sich auf den sogenannten H-Dax. Der setzt sich zusammen aus dem Dax, also dem Aktienindex mit den Top-30-Unternehmen, dem M-Dax mit den mittleren Unternehmen und dem TecDax für die Tech-Unternehmen. Er umfasst rund 100 Unternehmen, wobei es leichte Schwankungen gibt, weil TecDax-Titel zum Teil gleichzeitig in den anderen beiden Indizes enthalten sind und im H-Dax nicht doppelt gezählt werden.

Dabei haben zwei Unternehmen ihre Dividenden deutlich gekürzt, was zusammen einen Unterschied von rund drei Milliarden Euro ausmacht: die Deutsche Telekom und Daimler. Die Telekom hat die Dividende von 70 auf 60 Cent gekürzt, Daimler sogar von 3,25 Euro auf 90 Cent.

Die Telekom hat 2019 zwar sehr gut verdient, aber sie braucht im laufenden Jahr viel Geld für die Ersteigerung von Frequenzen in Deutschland und in den USA. Bei Daimler brach dagegen der Gewinn im Vorjahr um rund zwei Drittel ein. Gründe dafür waren unter anderem hohe Investitionen in neue Technik und Altlasten aus der Dieselaffäre.

Eine Frage des Vertrauens

Nach dem Kurseinbruch wegen des Coronavirus liegen die Dividendenrenditen, also Ausschüttung bezogen auf den Kurs, wieder bei den historischen Durchschnittswerten. Für den Dax errechnet die Bank einen Durchschnitt von 3,6 Prozent, für den Euro Stoxx 50 mit den 50 Schwergewichten im Euro-Raum sind es sogar 4,1 Prozent. Weil die Anleiherenditen zugleich gesunken sind, liegt der Renditevorsprung derzeit bei 4,5 Prozentpunkten.

Diese Differenz bezeichnet die Bank als „extrem hoch und nahe den Rekordwerten“. Die Bank warnt aber, dass in vielen Fällen Gewinne und damit auch Dividenden unter der Coronakrise leiden könnten. Interessant sind auch die Verschiebungen zwischen den Branchen. Finanz- und Tech-Unternehmen schütten tendenziell immer mehr aus, Firmen aus den Bereichen Energie und Kommunikation immer weniger.

Die DZ-Bank findet Dividendentitel „attraktiv und für einen langfristigen Vermögensaufbau unerlässlich“. Zugleich warnt sie vor möglichen Rückschlägen und rät dazu, die Ausschüttungen im Blick zu halten und das Portfolio entsprechend anzupassen.

Hohe Dividendenrenditen können ein Zeichen für die Finanzstärke eines Unternehmens sein. Manchmal entstehen sie aber auch durch einen Fall des Aktienkurses und bringen ‧somit einen Vertrauensverlust der Anleger zum Ausdruck. Das kann sich auf einzelne Titel beziehen, auf Branchen oder, wie im Fall der Coronakrise, auf den gesamten Aktienmarkt.

Deutsche Autotitel haben zum Beispiel hohe Dividendenrenditen, soweit sie noch hohe Dividenden zahlen, weil die Anleger die Probleme der Branche sehen – vom schwächeren Welthandel über die Umstellung auf Elektrotechnik bis zum Abgasskandal.

Beim Vergleich von Aktien ist außerdem wichtig, dass Aktienrückkäufe de facto eine Alternative zu Ausschüttungen sind. Die Unternehmen pumpen damit ja Geld in den Markt, der ihren Aktionären in Form von höheren Kursen zugutekommt.

Hohe und weit verbreitete Rückkäufe waren zeitweise dafür verantwortlich, dass die Kurse gestiegen sind. Weil damit die Zahl der Aktien verringert wird, steigt aber entsprechend auch der Gewinn je Aktie, sodass die populäre Kennzahl Kurs/Gewinn je Aktie (KGV) nicht entsprechend angewachsen ist.

Wer auf Aktien mit hohen Ausschüttungen setzt, wird auch bei speziellen Fonds fündig. Dividendenstrategien gelten als defensiv, also als vorsichtig. Sie sind verwandt mit anderen defensiven Konzepten wie etwa dem Value-Ansatz, der auf unterbewertete Aktien abzielt, oder Low-Vola-Ansätzen, bei denen es auf Papiere mit unterdurchschnittlichen Schwankungen ankommt.