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Mehr als 1 Million US-Dollar sind geboten: Der gefährlichste Laptop aller Zeiten wird versteigert

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
Voll mit hochgefährlichen Viren – dieser Samsung-Laptop wird versteigert. (Bild: thepersistenceofchaos.com)

Würden Sie mehr als eine Million US-Dollar für einen alten Laptop, Baujahr 2008, mit Windows-XP-Version zahlen? Klingt nicht gerade nach einem Schnäppchen, oder? Aber das Teil hat es richtig in sich. Auf seiner Festplatte tummeln sich die gefährlichsten Computerviren der Welt.

Im Jahr 2008 wurde das Samsung NC10 von der Computerpresse gut bewertet und als heißer Kandidat unter den Netbooks gehandelt. Immerhin war es für damalige Verhältnisse mit einem Gewicht (inklusive Netzteil) von 1,6 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht. Eine coole Surfstation für unterwegs, die zum günstigen Preis von 400 Euro zu haben war.

Nicht ganz so günstig ist das NC10 aus dem Jahre 2008, das derzeit im Internet versteigert wird. Das aktuelle Gebot steht bei 1.130.500 US-Dollar, umgerechnet rund 1 Million Euro. Wie viel der Laptop am Ende bringen wird, ist noch völlig offen. Die Auktion läuft noch sechs Tage und Interessenten gibt es viele. Die sind nicht an der Hardware interessiert, sondern am Inhalt der Festplatte.

Auf der Auktionsseite ist der Latop in einem Livestream zu sehen. (Bild: Screenshot / thepersistenceofchaos.com)

Auf dem 14 Gigabyte großem Speichermedium sind die sechs gefährlichsten Computerviren versammelt, die es bisher jemals gegeben hat. Weltweit haben die laut Anbieter der Auktion einen Schaden von 95 Milliarden US-Dollar (85 Milliarden Euro) angerichtet.

Superbösartige Viren, Würmer und Trojaner

Zu den aufgespielten Superschädlingen gehört etwa der I-love-you-Virus, der sich am 4. Mai 2000 explosionsartig per E-Mail verbreitete. Mehr als 500.000 Systeme wurden infiziert, es entstanden Schäden im zweistelligen Milliardenbereich. Ebenfalls an Bord sind die Würmer und Trojaner MyDoom, WannaCry und SoBig, die es gemeinsam auf rund 80 Milliarden Schadenshöhe brachten. Und schließlich machen DarkTequila, der Bankdaten in Lateinamerika klaute und BlackEnergy, der für einen groß angelegten Blackout in der Ukraine sorgte, die Runde der hochansteckenden Computerkrankheiten perfekt.

Das steckt hinter der Aktion

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Guo O Dong der sich selbst als zeitgenössischer Internetkünstler bezeichnet und mit seinem Werk die moderne Online-Kultur kritisieren will. Sein brisantes Kunstobjekt taufte er auf den Namen The Persistence of Chaos, auf Deutsch: Die Beständigkeit des Chaos.

Um die technische Seite des Projekts ausreichend zu gewährleisten, holte der chinesische Künstler die auf Cybersicherheit spezialisierte Firma deepinstinct ins Boot. Das Unternehmen stellte die Malware zur Verfügung und soll dafür sorgen, dass die Internetseite mit der Versteigerung entsprechend abgesichert ist.

So gefährlich ist das Kunstobjekt

Die Gebotsabgabe ist mit Klauseln verbunden. Der Käufer erkennt an, dass The Persistence of Chaos ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellt und muss bestätigen, dass er das Werk als Kunstwerk oder zu wissenschaftlichen Zwecken erwirbt und nicht beabsichtigt, Schadsoftware zu verbreiten, heißt es in der Angebotsbeschreibung.

Zur Sicherheit werden vor dem Versand aus New York die Internetfunktionen des Computers deaktiviert und die entsprechenden Anschlüsse gekappt.

Ob sich der Käufer wohl an die Absprachen hält? Besser Sie prüfen rasch noch einmal, ob Ihr Virenscanner auf dem neusten Stand ist – schaden kann das ja nicht.

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