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Lange Schlangen vor bereits geöffneten Wahllokalen – Obama wirbt verstärkt für Biden

·Lesedauer: 3 Min.

Wer macht das Rennen, Donald Trump oder Joe Biden? Im Newsletter US-Wahl Briefing verfolgen Sie alle wichtigen Geschichten im Vorfeld der US-Wahlen.

Das YMCA wurde zum Early-Voting Zentrum umgewandelt. Foto: dpa
Das YMCA wurde zum Early-Voting Zentrum umgewandelt. Foto: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,
noch zwei Tage bis Halloween und fünf Tage bis zur Wahl. In unserer Nachbarschaft in Brooklyn ist beides zu spüren. Auf vielen Kürbissen vor den Häusern steht „VOTE“, und vor dem YMCA, das zum Early-Voting Zentrum umgewandelt wurde, stehen Schlangen, die sich um zwei Häuserblocks ziehen. Die New Yorker, die hier ihr Votum schon vor dem eigentlichen Wahltag abgeben, nehmen drei Stunden Warten in Kauf, um sicher zu gehen, dass ihre Stimme auch rechtzeitig ankommt.

Mehr als 70 Millionen Menschen hatten am Mittwoch bereits gewählt. Das ist mehr als die Hälfte der Menschen, die bei der letzten Wahl insgesamt ihre Stimme abgegeben haben. 50 Millionen haben per Briefwahl gewählt, 20 Millionen in den bereits geöffneten Wahlstationen.

Es ist ein Mix aus Angst vor Covid und Sorge, es am 3. November wegen der Covid-Maßnahmen nicht bis zur Urne zu schaffen, die die Wähler beider Parteien dazu bringt, ihren Stimmzettel schon Tage vorher abzugeben.

Demoskopen zerbrechen sich nun die Köpfe, wem die hohe Beteiligung wohl am meisten zugutekommt. Schließlich haben beide Seiten aufgerufen, möglichst früh zu wählen. Ein gutes Zeichen ist es auf jeden Fall. Denn es zeigt eins: Die amerikanische Demokratie leibt und lebt.

In den Umfragen liegt Joe Biden bisher zwar weiterhin vorne (hier finden Sie unsere interaktiven Wahlgrafiken). Aber das war auch bei Hillary Clinton vor vier Jahren der Fall. Deshalb hat sich zuletzt auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama in den Wahlkampf eingeschaltet.

Dieses Wochenende wird Obama in dem wichtigen Swing State Michigan sogar zusammen mit Biden auftreten. Michigan ist einer jener demokratischen Staaten, die Donald Trump beim letzten Mal gewonnen hat.

Doch es sind nicht nur die Live-Auftritte, die Stimmen bewegen. Der Wahlkampf wird gerade in Corona-Zeiten immer mehr online geführt. Und ob da immer alles mit rechten Dingen zu geht, darüber scheiden sich die Geister.

Da passt es perfekt, wenn sich die Mitglieder des Wirtschaftsausschuss im Senat mit einer Anhörung der CEOs der größten Social-Media-Plattformen profilieren können: Am Mittwoch mussten sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Twitter-Chef Jack Dorsey und Sundar Pichai, der als Alphabet-Chef unter anderem die Google-Suche und Youtube kontrolliert, per Video-Schalte gegen die Vorwürfe der Senatoren verteidigen.

Dabei ging es vor allem um die Frage, ob Unternehmen vielleicht doch haften sollen für die Inhalte, die ihre Nutzer verbreiten. Eigentlich eine ethisch interessante Frage. Aber wie sechs Tage vor der Wahl zu erwarten, blieb eine substanzielle politische Debatte aus. Weiter geht es mit der Frage, von welchem Kandidaten die Beziehungen zwischen den USA und Europa am meisten profitieren würde.

Wie sollten die transatlantischen Beziehungen nach den Wahlen aussehen?

Die Antwort kommt von Jeffrey Rathke, Präsident des American Institute for Contemporary German Studies der Johns Hopkins University in Washington: „Die Vereinigten Staaten brauchen eine Außenpolitik, die auf die Begrenztheit der amerikanischen Macht achtet und deswegen die Zusammenarbeit mit Partnern wie Deutschland und Europa sucht, um globale Entwicklungen zu gestalten.

Washington muss Priorität auf die gemeinsamen Interessen setzen, die Amerika mit ihren Verbündeten effektiv verfolgen kann, z.B. in der internationalen Handels-, Sicherheits- oder Technologiepolitik, statt auf Europa handelspolitische Macht auszuüben. Es ist offensichtlich, dass Donald Trump letzteres bevorzugt, während Herausforderer Joe Biden den Schulterschluss mit Partnern weltweit betont.

Eine amerikanische Politik des erneuten Engagements würde Deutschland und Europa herausfordern, eigene Ideen und Instrumente zu entwickeln, und gemeinsame Initiativen mit den USA durchzuführen. Dafür wäre eine gestärkte Flexibilität und Dialogbereitschaft nötig, nicht nur in Washington. Denn die Welt, mit der wir konfrontiert sind, ist nicht mehr die Welt von 2016, welche nicht wieder herzustellen ist.“

Der Präsident des American Institute for Contemporary German Studies der Johns Hopkins University in Washington, findet, dass die transatlantischen Beziehungen gestärkt werden sollten. Foto: dpa
Der Präsident des American Institute for Contemporary German Studies der Johns Hopkins University in Washington, findet, dass die transatlantischen Beziehungen gestärkt werden sollten. Foto: dpa
Selbst die Halloween-Dekoration in den USA will zum wählen animieren. Foto: dpa
Selbst die Halloween-Dekoration in den USA will zum wählen animieren. Foto: dpa