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Megatrend Medizintechnik: Welche deutschen Aktien profitieren!

Christoph Püllen, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

In der öffentlichen Meinung dominieren meist die gleichen Themen, wenn von Zukunftstrends gesprochen wird – erneuerbare Energien, das Internet of Things oder Digital Payments. Dabei gibt es einen weiteren Megatrend, der gerade aus deutscher Perspektive besonders interessant ist: die Medizintechnik.

Medizintechnik = deutscher Wirtschaftstreiber

Medizintechnik ist ein großer Wachstumsmarkt. Bis 2024 soll das jährliche globale Wachstum bei knapp 6 % liegen, während die deutsche Wirtschaft lediglich um etwas mehr als 1 % jährlich wachsen soll. Gerade Deutschland könnte von diesem hohen Wachstum profitieren, denn die Medizintechnik macht bereits 0,5 % des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aus. Der relative Anteil liegt damit fast doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Die deutschen Medizintechnik-Unternehmen erzielen knapp ein Drittel des Umsatzes der gesamten EU und besitzen einen größeren Anteil am Weltmarkt als beispielsweise China und Japan mit ca. 10 % (nur die USA besitzt einen höheren Anteil). Vor dem Hintergrund, dass viele traditionelle Branchen in Deutschland vor einer steinigen Zukunft stehen (z. B. die Automobilbranche oder das Bankwesen), ist gerade die Medizintechnik ein Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft.

Neben dem Spin-Off Siemens Healthineers oder dem Traditionsunternehmen Carl Zeiss Meditec gibt es im MDAX zwei weitere besonders spannende Unternehmen.

CompuGroup Medical

CompuGroup Medical (WKN: A28890) verbindet die Medizintechnik mit dem IT-Sektor. Das Unternehmen aus Koblenz, das mehr als 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, spezialisiert sich auf Softwarelösungen für den Gesundheitsmarkt. Dabei bietet es sowohl Arztpraxen und Apotheken als auch Krankenhäusern oder Krankenkassen eine IT-Infrastruktur an, insbesondere Anwendungssoftware für ärztliche und administrative Tätigkeiten.

Besonders interessant ist der Bereich Health Connectivity. In diesem Bereich bietet das Unternehmen den oben genannten Teilnehmern des Gesundheitsmarktes Netzwerkmöglichkeiten und Austauschdienste – gerade dieser Bereich könnte ein Nutznießer der zunehmenden Vernetzung des Gesundheitssektors sein. Das Unternehmen profitiert somit von der zunehmenden Digitalisierung (wie beispielsweise die Einführung des E-Rezeptes im Sommer 2021).

Dabei erzielt das TecDAX-Unternehmen, das von Gründer Frank Gotthardt als CEO geführt wird, den Großteil seines Umsatzes in Europa und hat mehr als 1,5 Millionen Kunden in mehr als 50 Ländern angeschlossen. Die Gotthardt-Familie ist zudem auch weiterhin der größte Eigentümer des Unternehmens und besitzt fast die Hälfte der Aktien. Dies gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, langfristige Wachstumspläne zu verfolgen und kurzfristige Schwankungen geringer zu gewichten.

Die Finanzkennzahlen von CompuGroup sind überzeugend. Während der Umsatz in den letzten drei Jahren annualisiert um 10 % gewachsen ist, konnte der Gewinn sogar um 14 % wachsen. Optimierungspotenzial besteht vor allem im Bereich der Profitabilität. Für einen Softwarekonzern liegt die Eigenkapitalrendite (14 %) und die Umsatzrendite (8 %) auf einem niedrigen Niveau – für ein wachsendes Unternehmen ist dies jedoch nicht ungewöhnlich. Die Bewertung ist, bei einer guten Liquiditätssituation, noch in Ordnung. Während das KGV (60) und das KUV (5) relativ hoch liegen, liegt das KBV mit 6,6 in einem angemessenen Bereich (Datum: 03.11.2020, alle Kurse).

Sartorius

Während CompuGroup den Medizintechnik- und den Softwarebereich verbindet, ist Sartorius (WKN: 716560) ein klassisches Unternehmen aus der Medizintechnik. Das Unternehmen aus Göttingen beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter und hat sich auf die Produktion und Distribution von medizinischen und mechatronischen Geräten für die Anwendung im Labor konzentriert. Dabei profitiert das MDAX-Unternehmen, das ebenfalls auch im TecDAX gelistet ist, von einer weiteren Wachstumsbranche, der Biotechnologie.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie stehen Biotech-Konzerne wie CureVac oder Gilead Sciences im Anlegerfokus. Sartorius kann das nutzen, da ca. 75 % des Konzernumsatzes durch den Verkauf biotechnologischer Ausrüstung entsteht (z. B. Filtrationssysteme). Dadurch profitiert der deutsche MDAX-Konzern indirekt vom Branchenwachstum und der intensiven Suche nach einem Impfstoff. Die anderen ca. 25 % des Umsatzes werden vor allem durch Laborausrüstung für die Chemie- oder Pharmaindustrie erzielt.

Der Großteil der Stammaktien befindet sich im Besitz der Familie Sartorius, wodurch auch hier eine langfristige Unternehmensplanung möglich ist. Die Finanzkennzahlen sehen dabei noch stärker aus als bei CompuGroup. Der Umsatz konnte in den letzten drei Jahren annualisiert um 12 % wachsen, während der Gewinn um mehr als 15 % wachsen konnte. Auch die Profitabilitätskennzahlen fallen besser aus. Dafür ist die Bewertung von Sartorius extrem hoch. Ein KGV von mehr als 120 und ein KUV von mehr als 10 sind sehr anspruchsvoll.

Vom Megatrend profitieren

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es kaum eine Branche gibt, die so gute Wachstumsaussichten hat und in der Deutschland so gut aufgestellt ist wie die Medizintechnik. Dabei stechen vor allem die beiden Konzerne CompuGroup Medical und Sartorius heraus, da diese auch noch von anderen Megatrends profitieren (Digitalisierung/Biotechnologie). Anleger sollten bei beiden Aktien an schwächeren Tagen zugreifen, gerade bei Sartorius könnte man jedoch auch einen größeren Rücksetzer abwarten.

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Christoph Püllen besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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