Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    15.416,64
    +216,96 (+1,43%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.017,44
    +64,99 (+1,64%)
     
  • Dow Jones 30

    34.382,13
    +360,68 (+1,06%)
     
  • Gold

    1.844,00
    +20,00 (+1,10%)
     
  • EUR/USD

    1,2146
    +0,0062 (+0,51%)
     
  • BTC-EUR

    38.569,96
    -2.848,04 (-6,88%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.398,33
    +39,77 (+2,93%)
     
  • Öl (Brent)

    65,51
    +1,69 (+2,65%)
     
  • MDAX

    32.141,17
    +445,60 (+1,41%)
     
  • TecDAX

    3.327,80
    +43,22 (+1,32%)
     
  • SDAX

    15.642,43
    +189,34 (+1,23%)
     
  • Nikkei 225

    28.084,47
    +636,46 (+2,32%)
     
  • FTSE 100

    7.043,61
    +80,28 (+1,15%)
     
  • CAC 40

    6.385,14
    +96,81 (+1,54%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.429,98
    +304,99 (+2,32%)
     

Dieser Medizintechniker ist ein echter Problemlöser

Henning Lindhoff, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Cosmo Pharmaceuticals (WKN: A2AJ68) hat die Zulassung seines Endoskopie-Systems GI Genius durch die US-Gesundheitsbehörde FDA erhalten. Dabei handelt es sich ein neuartiges Gerät zur Läsionserkennung während einer Darmspiegelung. Appetitlich ist das Business nicht. Doch ist es zumindest lukrativ? Die Aktie notiert aktuell bei 82 Euro (Stand: 13. April 2021).

Cosmo hat echten Problemlöser entwickelt

Die US-Zulassung des Darmuntersuchungsgeräts GI Genius ist tatsächlich ein Meilenstein. Denn GI Genius ist nach Unternehmensangaben das erste Gerät seiner Art, das die FDA-Zulassung über das De-Novo-Programm erhalten hat.

Dieses Zulassungsverfahren für Medizinprodukte in den USA können Hersteller für neuartige Produkte anwenden, für die es kein vergleichbares Vorgängerprodukt („predicate device“) gibt.

GI Genius arbeitet in Echtzeit, um die Ärzte bei der Erkennung von Läsionen zu unterstützen, ist einfach zu bedienen und mit allen Endoskopen kompatibel. Den Kunden bringt das Gerät einen wirklichen Mehrwert bei überschaubaren Kosten: Es erhöht die Erkennungsrate von Darmpolypen deutlich. Aus ihnen kann sich Krebs entwickeln. Finden Ärzte mehr Polypen, können sie die Zahl der späteren ernsthaft an Krebs erkrankten Patienten deutlich senken. Das Gesundheitswesen und seine Leistungserbringer – und nicht zuletzt die Patienten – sollten also ein großes Interesse an GI Genius haben.

GI Genius fehlt jedoch der entscheidende Marktzugang

Das Management um CEO Alessandro Della Chà hatte mit der US-Zulassung bis Mitte dieses Jahres gerechnet. Doch nun steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich bereits im Sommer erste Verkäufe auf die Gewinn-und-Verlust-Rechnung auswirken werden. Alessandro Della Chà schätzt das Marktpotenzial auf mehr als 1 Mrd. US-Dollar.

Exklusiver und weltweiter Vertriebspartner ist Medtronic (WKN: A14M2J). Doch diese starke Partnerschaft hat auch einen Pferdefuß. Der Zugang zu den Krankenhäusern gestaltet sich für Medtronic aufgrund bestehender Verträge und Abhängigkeiten sehr schwierig. Für GI Genius konnten in Europa, wo das Gerät bereits seit etwa einem Jahr zugelassen ist, im Geschäftsjahr 2020 kaum Einnahmen verbucht werden. Die Entwicklungskosten für das Gerät in Höhe von 3,7 Mio. Euro sind noch lange nicht eingespielt.

Trotz der Pandemielage und der entsprechenden Restriktionen in den Krankenhäusern weltweit wurden in den vergangenen Monaten zudem nur relativ wenige Darmuntersuchungen verschoben. Mit einem bedeutsamen Nachholeffekt rechnet das Management daher nicht. Kurzfristig sind Umsatzprognosen also kaum möglich.

Corona erschwert die Lage für andere Cosmo-Entwicklungen

Aemcolo, ein Antibiotikum gegen Reisedurchfall, das an das israelische Unternehmen RedHill Biopharma lizenziert wurde, hat unter den Reiserestriktionen gelitten. Der Geschäftsbericht 2020 weist für Aemcolo keine Einnahmen aus.

Der Gesamtumsatz fiel um 2,5 % auf 60,9 Mio. Euro. Der Umsatz mit dem Entzündungshemmer Lialda zur Behandlung chronischer Darmerkrankungen stieg um 27 % auf 27,7 Mio. Euro. Das Medikament ist Cosmos aktuell wichtigstes Produkt.

Unterm Strich lag der Gesamtumsatz jedoch deutlich über den anvisierten 56 Mio. Euro. Der operative Gewinn in Höhe von 6,9 Mio. Euro entsprach der Erwartung des Managements.

Das Management bleibt vorsichtig

CEO Della Chà rechnet weiterhin mit Einschränkungen durch die Pandemie und erwartet einen Umsatz zwischen 60 und 64 Mio. Euro sowie einen operativen Gewinn in Höhe von maximal 5 Mio. Euro für das laufende Jahr.

Das Management von Cosmo plant, nach dem Sommer in Zürich einen Investorentag durchführen zu können, um eine aktualisierte Produkt-Pipeline vorzustellen. Wie bei anderen ihrer Produkte beabsichtigt Cosmo bereits zugelassene Wirkstoffe in anderen Indikationen einzusetzen. Das ist weniger riskant, günstiger und schneller.

Cosmo hat eine starke Bilanz

Foolishe Investoren blicken gerne besonderes scharf auf die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Hier ist Cosmo ein Vorzeigepatient. Das Umlaufvermögen übertrifft die kurzfristigen Verbindlichkeiten um das Zehnfache. Die Gesamtschulden entsprechen lediglich 41 % des Eigenkapitals. Der Goodwill in Höhe von 1,4 Mio. Euro ist verkraftbar. Aktuell sitzt Cosmo Pharmaceuticals auf 185 Mio. Euro Cash.

Rückt ein Deal mit Cassiopea näher?

Am Dermatologie-Spezialisten ist Cosmo zurzeit mit 46,6 % beteiligt. In diesen Wochen laufen bereits Gespräche über einen Zusammenschluss und weitergehende Lizenzvereinbarungen. Dabei wäre ein Equity-for-Product-Deal eine mögliche Option. Cosmo Pharmaceuticals hatte bereits in der Vergangenheit Produkte an Partner abgegeben und sich im Gegenzug an diesen beteiligt. So lief es beispielsweise mit Paion, VolitionRx und Acacia.

Auch 2021 wird ein Übergangsjahr für Cosmo sein

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis der Aktie liegt aktuell bei 16, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 2,6. Wirklich günstig ist sie vor dem Hintergrund der kurz- bis mittelfristigen operativen Hürden nicht. Ich behalte Cosmo Pharmaceuticals dennoch auf meiner erweiterten Watchlist und bin zuversichtlich, dass die zahlreichen guten Produkte eines Tages für einen Durchbruch in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung sorgen werden.

Der Artikel Dieser Medizintechniker ist ein echter Problemlöser ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

Mehr Lesen

Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2021