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Media Markt und Saturn haben aus dem Black-Friday-Desaster gelernt

Die Muttergesellschaft der Handelsketten sieht sich angesichts steigender Gewinne auf einem guten Weg. Doch noch liegt viel Arbeit vor Ceconomy.

Das große Dilemma von Ceconomy: Die beiden Einzelunternehmen Media Markt und Saturn waren nie richtig zusammengewachsen. Foto: dpa

Die Erleichterung war praktisch spürbar. „Wir haben den Black Friday erfolgreich und profitabel abgeschlossen“, verkündete Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann anlässlich der Quartalszahlen der Muttergesellschaft der Elektronikketten Media Markt und Saturn.

Und das schlägt sich ganz direkt im operativen Gewinn nieder: Das berichtete Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 84 Millionen Euro auf 319 Millionen Euro. Das ist alles andere als selbstverständlich, ist der Black Friday doch für Ceconomy so etwas wie ein Trauma: Zum Jahreswechsel 2017/2018 hatte die Rabattschlacht den Händler in die roten Zahlen gezogen.

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Der unprofitable Umsatz am Black Friday hatte damals das wichtige Weihnachtsgeschäft so sehr kannibalisiert, dass das Unternehmen in die Krise rutschte. In der Folge musste sogar Konzernchef Pieter Haas gehen. Denn das Black-Friday-Desaster war kein einmaliger Ausrutscher, es war ein Ergebnis einer Strukturkrise des Unternehmens.

So führten die beiden Ketten Media Markt und Saturn praktisch über viele Jahre ein Eigenleben: kaum Abstimmung, teure Doppel- und Dreifachstrukturen im Management, viel zu wenig zentrale Planung und gemeinsame Services. Ein umfangreiches Sanierungs- und Umbauprogramm soll das jetzt ändern.

Und CEO Düttmann sieht die aktuellen Zahlen als Bestätigung dafür, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist. „Wir sind auf einem guten Weg, unser Versprechen einzulösen und das Unternehmen zu transformieren“, betonte er. Und offenbar schaffen sie es jetzt auch, den heiklen Black Friday besser zu steuern.

Zurückgedreht und vereinfacht

Das große Dilemma des Marktführers: Die beiden Einzelunternehmen Media Markt und Saturn waren nie richtig zusammengewachsen, hatten zahlreiche Doppelfunktionen und komplett getrennten Einkauf und Logistik. Die Börsenholding Ceconomy darüber schuf nur weitere Komplexität und Kosten.

Dazu kam: Die Marktleiter hielten traditionell einen kleinen Anteil an ihrem Markt und hatten damit große Freiheiten bei der Sortiments- und Preisgestaltung. Was als Anreiz für besonders viel Kundennähe gedacht war, wurde zum Hemmschuh in einer digitalen Welt. Innovationen ließen sich nur langsam durchsetzen, zentral gesteuerte Preis- und Sortimentsaktionen waren nicht möglich.

All das wird jetzt zurückgedreht und vereinfacht. Zusätzlich soll die durchschnittliche Größe der Läden sinken, um Kosten zu verringern. So sollen die Märkte künftig im Schnitt nur noch 1700 bis 1800 Quadratmeter haben und für die Kunden sehr viel einladender gestaltet werden. Heute liegt die durchschnittliche Quadratmeterzahl noch bei rund 3000.

Doch angesichts bestehender Mietverträge ist dieser Wandel nur langsam durchzusetzen. Dass Ceconomy noch einen weiten Weg vor sich hat, zeigt auch die aktuelle Umsatzentwicklung. So ist der Umsatz im ersten Quartal um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Auch im für die Zukunft so wichtigen Onlinegeschäft wuchs der Umsatz nur um 4,3 Prozent, was angesichts der allgemeinen Wachstumsraten im E-Commerce noch Luft nach oben zeigt. „Insgesamt haben wir in einem schwächeren Marktumfeld eine solide Grundlage für ein erfolgreiches Gesamtjahr geschaffen“, verspricht Ceconomy-Finanzchefin Karin Sonnenmoser.

Ob sie davon auch die Aktionäre überzeugen kann, muss sich jetzt zeigen. Die erste Reaktion der Börse immerhin war sehr positiv. So sprang der Kurs nach Veröffentlichung der Zahlen um mehr als 15 Prozent auf rund 5,50 Euro. Doch damit hat die Aktie bisher nur die Verluste seit Anfang des Jahres wieder aufgeholt.