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McLaren am Freitag: "Eine Zehntel kann zwischen P6 oder P12 entscheiden"

Maria Reyer
·Lesedauer: 6 Min.

"Das war eigentlich sehr positiv", zieht Carlos Sainz nach den ersten beiden Freien Trainings in Bahrain eine erste Bilanz. Der Spanier hatte schon im Vorfeld gehofft, dass McLaren im Kampf um WM-Rang drei in der Wüste zu alter Stärke zurückfinden kann. Mit den Rängen sieben und elf ist das Team zufrieden.

"Das Auto fühlt sich gut an. Die Balance war von Beginn an okay. Und wir konnten einige Dinge ausprobieren", fasst Sainz sein Freitagsprogramm zusammen. Am Ende konnte er sich mit einer Rundenzeit von 1:30.018 Minuten - gefahren im ersten Training - auf dem elften Gesamtrang einsortieren (+1,047 Sekunden).

"Hätte ich im zweiten Training noch einen Versuch auf dem weichen Reifen geschafft, hätte uns das noch ein Stück weiter nach vorne im Klassement gespült. Generell bin ich aber zufrieden." Tatsächlich war er im zweiten Training bei Dämmerung mit einer 1:30.271 Minuten ein wenig langsamer.

Norris: "Der Tag war ein wenig durchwachsen"

Teamkollege Lando Norris war zwar ein wenig schneller als Sainz - er reiht sich im Gesamtklassement vom Freitag mit einer Rundenzeit von 1:29.841 Minuten (+0,870) auf Platz sieben ein -, dennoch hat er kein so gutes Gefühl wie der Spanier. "Der Tag heute war ein wenig durchwachsen", berichtet der Brite.

"Das war kein ganz so einfacher Tag für mich. Ich bin nicht ganz sicher warum. Das müssen wir uns ein wenig ansehen. Aber ich hatte ein bisschen Schwierigkeiten im ersten Freien Training." Aufgrund der zusätzlichen Reifentests für Pirelli Prototypen für 2021) kam er in keinen guten Rhythmus.

Im zweiten Training war Norris dann schon ein wenig zufriedener. "Dennoch müssen wir noch an ein paar Schrauben drehen. Ich fühle mich nicht so wohl, aber ich denke, das können wir morgen im dritten Training mit ein wenig mehr Übung ändern."

<span class="copyright">Charles Coates / Motorsport Images</span>
Charles Coates / Motorsport Images

Charles Coates / Motorsport Images

Woher kommt das ungewohnte Gefühl im MCL35? "Verglichen mit dem Vorjahr gibt es ein paar Unterschiede darin, wie sich das Auto verhält. Daher haben wir ein wenig Arbeit vor uns, um zu verstehen, wo die Unterschiede liegen und warum es sie gibt. Generell fühlt es sich aber ganz okay an."

Teamchef Andreas Seidl erklärt hierzu, dass die Entwicklung des Autos noch immer nicht ganz abgeschlossen ist, und das britische Team mit kleinen Feinheiten im Kampf um WM-Rang drei punkten will. "Wir bringen immer noch kleine Aero-Updates, um noch mehr Performance rauszuholen. Aber das sind wirklich kleine Dinge."

Schon während der laufenden Saison hat McLaren die Designphilosophie verändert und eine neue Richtung eingeschlagen, die an Mercedes erinnert. Das sei nicht "problematisch" gewesen, betont Seidl. Aber: "Natürlich war es eine große Änderung im aerodynamischen Konzept des Autos."

Seidl: Hätten uns reibungslosere Update-Einführung gewünscht

"Wir waren uns der Herausforderungen bewusst. Und natürlich hätten wir uns eine noch reibungslosere Einführung gewünscht. Aber wie wir nun wissen mit dem Timing der Rennen und der Bedingungen, speziell auf dem Nürburgring, hat es leider nicht so funktioniert, wie wir das geplant hatten auf Carlos' Seite."

Deshalb ging das Team einen Schritt zurück und führte das Paket, wie ursprünglich geplant, in den darauffolgenden Rennen sukzessive ein. "Am Ende hat es wie erwartet funktioniert. Also ja, wir hätten uns eine schnellere und reibungslosere Einführung gewünscht."

Dem Team blieb kaum eine Wahl, da McLaren aufgrund des Umbaus auf den Mercedes-Motor im kommenden Jahr keine Token für die Weiterentwicklung zur Verfügung hat. Deshalb musste die Integration des neuen Konzepts während der Saison passieren.

Mit dem Endergebnis ist Seidl zufrieden. "Die Probleme, die wir hatten nach der Einführung, waren Teil des Prozesses, in dem wir als Team stecken. Es funktioniert nicht immer alles sofort und ohne Probleme, manchmal muss man einen Schritt zurückmachen. Aber es ist wichtig, diese Möglichkeiten wahrzunehmen, um daraus zu lernen. Hoffentlich macht uns das zu einem besseren Team."

In Bahrain möchte seine Mannschaft Früchte der harten Arbeit ernten, schon im Vorjahr war das Traditionsteam in der Wüste stark unterwegs. "Ob die Streckencharakteristik unserem Auto entgegenkommt?", fragt sich der Teamchef.

Und antwortet: "Ehrlich gesagt ist es das Gleiche wie schon in der gesamten Saison. Es ist so schwierig vorherzusagen, wo alle stehen werden. Wie wir gesehen haben, kann eine Zehntel mehr oder weniger Platz zwölf oder sechs bedeuten."

Fünf Teams kämpfen um die Punkteränge

Im Gesamtklassement am Freitag liegen die Ränge sieben bis 13 exakt innerhalb dieser angesprochenen zwei, drei Zehntel - McLaren, Racing Point, AlphaTauri, Renault und Ferrari. "Wir wissen, dass wenn wir die letzten Rennen betrachten, wir unter normalen Umständen in diesem unglaublich konkurrenzfähigen Kampf mit dabei sind."

Zwar ist sich Seidl bewusst, dass McLaren nicht über das "dritt- oder viertstärkste Paket" in diesem WM-Kampf verfügt, aber dennoch sieht er eine Chance. "Wir haben ein sehr starkes Team, dass es normalerweise schafft, das Maximum aus den Wochenenden herauszuholen - gemeinsam mit unseren beiden Fahrern."

Auch Sainz ist nicht entgangen, dass es "wieder einmal sehr eng" im Mittelfeld zugeht. "Im Moment sind fünf Teams im Mittelfeld sehr eng beisammen - Renault, Racing Point, Ferrari, AlphaTauri und wir. Alle fünf liegen innerhalb von nur zwei Zehntel. Mal sehen, wer am Ende an der Spitze sein wird. Im Moment ist das unmöglich vorherzusagen."

In Bahrain wird vor allem der hohe Reifenverschleiß über Sieg oder Niederlage entscheiden, sind sich die McLaren-Piloten einig. "Man muss sehr stark auf die Reifen aufpassen", berichtet Sainz. Die Pirelli-Gummis werden auf dem besonders rauen Asphalt enorm beansprucht, hinzu kommen die warmen Temperaturen.

"Jede Runde wirst du langsamer. Das ist ein bisschen ein mentales Spielchen, in dem du dich zusammennehmen musst, damit du nicht zu sehr pusht. Daher wird das auch ein interessantes Rennen werden, weil der Reifenabbau sehr hoch ist."

Sainz ist sich auch sicher, dass kein Team mit nur einem Stopp ins Ziel kommen werde. "Wir werden zwei oder drei Reifensätze am Sonntag brauchen. Ich glaube nicht, dass es irgendjemand mit einer Einstoppstrategie schaffen kann. Das eröffnet viele strategische Möglichkeiten."

Sainz glaubt nicht an Einstoppstrategie

Alle Mischungen - C2 bis C4 - seien im Rennen einsetzbar. "Der harte Reifen sieht nicht so schlecht aus, das ist der Medium des Vorjahres. Und der Medium ist der weiche Reifen des Vorjahres, der sehr gut war. Und der weiche Reifen hat zwar viel Pace, aber baut auch schnell ab."

Was wird daher im Rennen möglich sein? "Ich denke, wir haben ein gutes Verständnis unserer Rennpace und was die Reifen machen. Das werden wir uns heute Abend ansehen", ergänzt Norris. Der weiche Reifen könnte im Qualifying zum Verhängnis werden.

Denn: "Wenn man mit dem weichen Reifen ins Q3 einzieht und dann darauf startet, wird das sehr schwierig einen langen Stint zu fahren. Daher müssen wir überlegen, wie wir das morgen anlegen. Aber dennoch ist der weiche Reifen immer noch der schnellste."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.