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McAllister: Ein unabhängiges Schottland könnte EU-Mitglied werden

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Nach einem britischen EU-Austritt könnte Schottland nach Einschätzung des Europapolitikers David McAllister (CDU) unter der Voraussetzung in die Union zurückkehren, "dass Schottland ein unabhängiger Staat wird". Zunächst gehe es aber um andere Fragen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Montag).

"Das Vereinigte Königreich verlässt zwar die EU, aber bleibt uns vielfältig verbunden", sagte McAllister. "So werde ich schon heute von schottischen Institutionen angesprochen, ob ich für sie nach dem Brexit Ansprechpartner in Brüssel sein kann. Schottische Universitäten etwa möchten weiter an der EU-Forschungsförderung und an dem akademischen Austauschprogramm Erasmus+ teilnehmen."

Großbritannien will Ende Januar aus der EU austreten und die in Schottland regierende Schottische Nationalpartei (SNP) verlangt mit Blick auf die EU-Zugehörigkeit ein neues Referendum 2020 über die Unabhängigkeit von London. McAllister äußerte die Ansicht, die SNP fordere das Referendum nur, um vor der schottischen Parlamentswahl im Mai 2021 "politisch Stimmung" zu machen. "Sollte die SNP die Wahl gewinnen, nähme der politische Druck auf London weiter zu."

McAllister wertete den Brexit als einen historischen Fehler mit schwerwiegenden Folgen für Großbritannien. "Jetzt geht es um die Gestaltung unserer zukünftigen Beziehungen." Dies wie London bis Ende regeln zu wollen, sei aber "extrem ambitioniert". "Ein detailliertes Freihandelsabkommen ist in wenigen Monaten jedenfalls nicht machbar."

McAllister ist Sohn eines Schotten und früherer Ministerpräsident von Niedersachsen. Zu seiner Haltung zur Unabhängigkeit Schottlands erklärte er: "Das ist eine innerbritische beziehungsweise innerschottische Angelegenheit."