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Massiver Kursrutsch: Entlassung des Petrobras-Chefs stürzt Brasiliens Börse in Turbulenzen

Reuters
·Lesedauer: 2 Min.

Nach der Nominierung eines Ex-Generals als neuen Chef des Ölkonzerns Petrobras durch Brasiliens Staatspräsident Bolsonaro gibt der Kurs der Aktie zweistellig nach.

Die Entlassung des Chefs des Ölkonzerns Petrobras durch Staatspräsident Jair Bolsonaro macht Brasilien-Anleger nervös. Die Aktien des Staatskonzerns brachen am Montag zeitweise um mehr als 20 Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März 2020.

Der Börsenwert schrumpfte dadurch um umgerechnet rund neun Milliarden Euro. Der brasilianische Leitindex steuerte mit einem Minus von zeitweise knapp sechs Prozent auf den größten Tagesverlust seit knapp einem Jahr zu.

Aus der Währung des Landes zogen sich Investoren ebenfalls zurück. Im Gegenzug stieg der Dollar auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 5,5335 Real. Gleichzeitig wuchs die Furcht vor Zahlungsausfällen.

Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets brasilianischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 22.000 auf 185.000 Dollar. Auch dies ist der höchste Stand seit etwa dreieinhalb Monaten.

Investoren fragten sich, ob Bolsonaro nicht nur bei Staatsfirmen Einfluss nehmen und die Staatsausgaben hochfahren werde, ohne notwendige Reformen anzugehen, sagte ein Börsianer. Sie zweifelten am Willen der Regierung, für eine freie Marktwirtschaft einzutreten.

Der Rechtspopulist Bolsonaro hatte am Freitag den bisherigen Petrobras-Chef Roberto Castello Branco durch den Ex-General und früheren Verteidigungsminister Joaquim Silva e Luna ersetzt. Dieser ist ohne Erfahrung in der Öl- und Gasbranche ersetzt, Branco galt als marktfreundlicher Ökonom.

Vorausgegangen war ein wochenlanger Streit um die jüngsten Benzinpreis-Erhöhungen des Konzerns. Spekulationen auf einen erzwungenen Führungswechsel wie bei Petrobras brockten dem staatlichen Stromkonzern Eletrobras einen Kursrutsch von bis zu zehn Prozent ein.

Bei internationalen Investoren löste das Eingreifen des Präsidenten in ein Unternehmen wie Petrobras, den größten Öl- und Energiekonzern Lateinamerikas, schlimme Befürchtungen vor staatlicher Interventionen aus. Petrobras ist immer noch dabei, sich von seinen Verwicklungen in den Korruptionsskandal „Lava Jato“ (Autowäscherei), der Brasilien in den vergangenen Jahren erschütterte, zu erholen.