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Hinter dieser Maske steckt eine dramatische Geschichte

·Lesedauer: 3 Min.
Hinter dieser Maske steckt eine dramatische Geschichte
Hinter dieser Maske steckt eine dramatische Geschichte

Einer der skurrilsten Auftritte dieser Olympischen Spiele mündete in einer bemerkenswerten Geste.

Kugelstoßerin Raven Saunders, die kurz zuvor mit einer ins Auge springenden Maske Silber geholt hatte, erklomm das Podest im Leichtathletik-Stadion von Tokio und formte ihre Arme über dem Kopf zu einem X. (Olympia 2021: Alle Entscheidungen im SPORT1-Liveticker)

“Es ist der Schnittpunkt, an dem sich alle unterdrückten Menschen treffen”, erklärte die US-Amerikanerin ihre Geste anschließend in einem Interview.

Dass der IOC die Angelegenheit nun als möglichen Verstoß gegen ihr Verbot politischer Protestgesten bei der Siegerehrung untersucht, vergrößert die Aufmerksamkeit für die Geschichte, die dahintersteckt.

Raven Saunders: “Ich war jung, schwarz und lesbisch”

Mit unterdrückten Menschen meinte sie vor allem Schwarze, Personen mit psychischen Problemen und Anhänger der LGBTQ-Bewegung. Jene Personengruppen, denen sie selbst angehört(e).

“Ich war jung, schwarz und lesbisch. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass es keinen Ausweg für mich gibt”, fasste Saunders Anfang 2020, als sie ihre Leidensgeschichte öffentlich machte, ihre frühere Situation zusammen.

Die heute 25-Jährige wurde in Charleston, South Carolina geboren. Sie ging zum Studium nach Mississippi, blieb also im konservativen, bis heute von seiner Sklaverei- und Rassentrennungs-Geschichte geprägten Süden der USA.

Mehrere Titel im Kugelstoßen

Im Leichtathletik-Team der dortigen Universität, den “Ole Miss Rebels”, feierte sie mit der Kugel schnell große Erfolge. Insgesamt holte sie drei NCAA-College-Titel, 2014 wurde sie sogar Junioren-Weltmeisterin.

Doch der kometenhafte Beginn ihrer sportlichen Karriere verhinderte nicht, dass sie in ein emotionales Tal gelangte. Sie hatte mit schweren psychologischen Probleme zu kämpfen, die 2018 in einer beinahe ausweglosen Situation mündeten.

Saunders war so verzweifelt, dass sie laut eigener Aussage kurz davor stand, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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“Ja, ich war bereit, mir das Leben zu nehmen”, verriet die Fünftplatzierte von Rio kurz vor den Spielen in Tokio in einem Interview.

Selbstmordgedanken plagen Saunders

Doch sie nahm an jenem Tag vor drei Jahren mit einem verzweifelten Hilferuf Kontakt zu ihrer ehemaligen Therapeutin auf. “Ich schrieb ihr, dass ich Angst hätte und nicht weiß, was ich mit mir selbst machen würde. Zum Glück hat sie geantwortet”, schilderte Saunders ihre Lage.

Infolge ihres Gesprächs mit der Psychologin begab sie sich in eine psychiatrische Einrichtung in Memphis. Die Diagnose: Depressionen, Angstzustände und ein posttraumatisches Stresssyndrom.

Ein Wendepunkt, der gerade noch rechtzeitig kam. Die Behandlung brachte Saunders wieder auf den richtigen Weg. Sie zog sich aus dem Wettkampfsport zurück, krempelte ihr Leben um, und mit der Unterstützung ihrer Familie ging es ihr irgendwann wieder besser.

Qualifikation für Olympia in Tokio

Zu Beginn des Jahres 2020 startete die Leichtathletin einen neuen Anlauf im Kugelstoßring - mit Erfolg. Sie schloss schnell an ihre früheren Leistungen an und qualifizierte sich für Tokio.

Dort überstand sie den Vorkampf mühelos. Im Finale am Sonntag folgte ein Auftritt, der vielen Zuschauern im Gedächtnis bleiben wird.

Allein schon wegen ihrer 108 Kilogramm bei 1,65 Metern Körpergröße fällt Saunders auf. Hinzu kommen dann noch große Piercings und ihre augenscheinliche Frisur: Die auf wenige Millimeter gekürzten Haare leuchteten in der Arena von Tokio zu einer Hälfte grün, zur anderen lila.

Gewinn der Silbermedaille hinter Gong

Und dann absolvierte Saunders den Wettkampf auch noch mit einer Gesichtsmaske, die ihr den Look einer Comicfigur gab.

Die Maske selbst erinnert an die von Batman-Gegenspieler Bane, der Aufdruck an Marvel-Held Hulk, den sie schon länger zu einem Teil ihres öffentlichen Auftritts gemacht hatte: Sie nennt auch ihre Social-Media-Accounts “Raven HULK Saunders” -, hin und wieder trug sie die Maske bereits im Training oder bei kleineren Wettkämpfen.

Nun feierte die Hulk-Optik auf großer Bühne Premiere.

Unglück brachte es nicht: Mit Silber hinter der Chinesin Lijiao Gong feierte Saunders den größten Erfolg ihrer sportlichen Karriere.

Persönlich hat sie aber bereits einen weitaus bedeutenderen Sieg eingefahren: den gegen ihr psychisches Martyrium.

Alles zu den Olympischen Spielen 2021 bei SPORT1:


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