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Mars-Hubschrauber «Ingenuity» hebt erstmals ab

·Lesedauer: 3 Min.
Diese von der NASA zur Verfügung gestellte Illustration zeigt den Mini-Hubschrauber «Ingenuity» auf der Marsoberfläche.
Diese von der NASA zur Verfügung gestellte Illustration zeigt den Mini-Hubschrauber «Ingenuity» auf der Marsoberfläche.

Die Voraussetzungen für den ersten Flug eines Hubschraubers auf einem anderen Planeten waren alles andere als einfach. Doch mit «Ingenuity» schaffte die Nasa jetzt den Durchbruch.

Washington (dpa) - Mit dem Mars-Hubschrauber «Ingenuity» hat erstmals ein Luftfahrzeug einen Flug auf einem anderen Planeten absolviert.

Der mit Lithium-Ionen-Akkus betriebene und rund 1,8 Kilogramm schwere «Ingenuity» (auf Deutsch etwa: Einfallsreichtum) stieg bei seinem ersten Testflug heute auf, schwebte dann auf der Stelle und landete schließlich wieder auf der Oberfläche des Planeten, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Wegen technischer Probleme war der Testflug zuvor seit Anfang April mehrfach verschoben worden.

«Es ist wahr, es ist wirklich wahr», jubelte «Ingenuity»-Projektmanagerin MiMi Aung im Nasa-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena. Das Team applaudierte, nachdem die Daten des Hubschraubers auf der Erde angekommen und ausgewertet worden waren - rund drei Stunden nachdem der Flug auf dem Mars stattgefunden hatte. «Wir können jetzt sagen, dass Menschen einen Drehflügler auf einem anderen Planeten geflogen haben.» Auch erste Bilder und ein Video lagen schon vor: Der Schatten von «Ingenuity» aus der Luft gesehen und der Hubschrauber in der Luft aus der Perspektive des Rovers «Perseverance».

«Wir haben schon so lange von unserem Gebrüder-Wright-Moment auf dem Mars gesprochen - und hier ist er», sagte Aung. Wilbur und Orville Wright waren am 17. Dezember 1903 in North Carolina nacheinander mit einem Motorflieger abgehoben. Der zwölf Sekunden und 36 Meter lange Flug von Orville ging als weltweit erster motorisierter Flug in die Geschichte ein.

Rund 120 Jahre später hob der Mini-Hubschrauber «Ingenuity» den Daten zufolge um 6.34 Uhr MESZ von der Marsoberfläche ab, stieg auf eine Höhe von etwa drei Metern auf und schwebte dann etwa 30 Sekunden, bevor er wieder landete. Insgesamt habe der Flug 39,1 Sekunden gedauert, hieß es von der Nasa. Mehr Informationen dazu wurden erwartet, wenn weitere Daten zur Erde übertragen worden sind.

«"Ingenuity" ist das jüngste in einer Reihe von Nasa-Projekten, die ein Raumfahrterkundungsziel erreicht haben, von dem man einst dachte, es sei unmöglich», sagte der kommissarische Nasa-Chef Steve Jurczyk. «Wir wissen noch nicht genau, wo "Ingenuity" uns hinführen wird, aber die heutigen Ergebnisse deuten an, dass der Himmel - zumindest auf dem Mars - möglicherweise keine Grenze sein wird.»

Der Hubschrauber muss auf dem Mars extremen Bedingungen trotzen: Nachts ist es bis zu minus 90 Grad Celsius kalt, was für Batterien und Elektronik leicht das Todesurteil bedeuten kann. Wegen der dünnen Atmosphäre, die grob nur ein Prozent so dicht ist wie die auf der Erde, müssen die Rotoren von «Ingenuity» auf 2537 Umdrehungen pro Minute beschleunigen - ein Vielfaches von Hubschraubern auf der Erde. Die Energie für diese Kraftanstrengung zieht «Ingenuity» aus seiner durch Sonnenstrahlen gefütterten Batterie.

Der Mini-Helikopter war an Bord des Nasa-Rovers «Perseverance» (auf Deutsch etwa: Durchhaltevermögen) Ende Februar - nach 203 Flugtagen und 472 Millionen zurückgelegten Kilometern - mit einem riskanten Manöver in einem ausgetrockneten Mars-See namens «Jezero Crater» aufgesetzt. Diesen See mit einem Durchmesser von etwa 45 Kilometern soll «Perseverance» in den kommenden zwei Jahren untersuchen.

Entwicklung und Bau des rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) teuren Rovers hatten acht Jahre gedauert. Er soll auf dem Mars nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens fahnden sowie das Klima und die Geologie des Planeten erforschen.

«Ingenuity» sei nach dem Flug in einem ausgezeichneten Zustand und solle nun in den kommenden Wochen weiter getestet werden, teilte die Nasa bei einer Pressekonferenz mehrere Stunden nach dem Start mit. Bis zu vier weitere Flüge seien geplant, sagte Projektmanagerin Aung. «Immer schwierigere, herausfordernde Flüge - wir wollen den Drehflügler an seine Grenzen bringen und davon wirklich etwas lernen.» Zunächst einmal solle das Team aber diesen «unglaublichen Moment» des erfolgreichen ersten Flugs genießen, sagte Aung. «Lasst uns diesen Moment genießen und danach lasst uns wieder an die Arbeit gehen. Mehr Flüge.»