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„Der Markt sieht aus wie ein Schlachtfeld“

In Teheran kämpfen Geschäfte ums Überleben. Trumps Iran-Entscheid erschwert die Situation. Bei den Unternehmern macht sich Lethargie breit.


Im Paytakht Computer Center, einem der größten Einkaufszentren im Norden Teherans, finden sich die neuesten Laptops und Smartphones. Im Schaufenster sind auf 42-Zoll-Flachbild-TVs kürzlich veröffentlichte Videospiele zu sehen. Nur die Ladenbesitzer passen nicht so recht ins Geschehen: Anstatt sich um Kunden zu kümmern, verbringen sie ihre Zeit damit, Filme zu sehen oder miteinander zu chatten.

„Der Markt sieht aus wie ein Schlachtfeld“, sagt der Apple-Verkäufer Iman Rahmati, 31. „Du kannst einen ganzen Tag im Laden bleiben; kein Kunde wird auftauchen. Manchmal fragt jemand nach Zubehör. Aber niemand kauft ein Smartphone oder einen Computer“.

Anspannung: Dieses Wort beschreibt die Atmosphäre in der iranischen Wirtschaftswelt. Doch nicht nur Computerläden, auch andere Geschäfte haben mit enormen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Jeder ist besorgt über den Wechselkurs und natürlich Donald Trumps Entscheidung über neue Sanktionen.

Obwohl Unternehmer es wagen, die neuen Wechselkurspolitiken zu kritisieren, traute sich vor wenigen Tagen niemand vorzustellen, was Trump zum Atomabkommen sagen würde. „Mal sehen“, war die einzige Antwort, die zu hören war. Nun herrscht verstärkt Unsicherheit.

Im Gegensatz zu Menschen, die nur abwarten können, muss die Regierung auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein. Die letzte Annäherung der Wechselkurse scheint eine dieser Vorbereitungen zu sein.

Nach einer schnellen Abwertung des Rial sank die iranische Währung am 9. April auf ihren niedrigsten Stand von 62.000 IRR gegenüber dem Dollar, während der offizielle Kurs 37.850 IRR betrug. Zu diesem Zeitpunkt kündigte die Regierung plötzlich die Vereinigung der Wechselkurse an und fixierte sie bei 42.000 IRR gegenüber dem Dollar. Der Tausch zu anderen Tarifen kann seither mit Gefängnisstrafen geahndet werden.

Innerhalb von zwei Wochen wurde eine Online-Plattform für Importeure eingeführt, auf die von dem Zollamt und der iranischen Zentralbank zugegriffen werden kann. Dies soll die Transparenz erhöhen und den Schmuggel von Waren bekämpfen.


Im November 2017 startete das Informations- und Telekommunikationsministerium ein „Registrierungsprogramm“ für importierte Smartphones. „Es war ein sehr erfolgreiches Programm“, fährt Iman fort, „heute findet man kein illegal importiertes Handy auf dem Markt mehr. Aber während die Importeure auf dieses Programm vorbereitet wurden, sind sie von den neuen Einfuhrbestimmungen überrascht worden.“

Selbst der Präsident der Teheraner Handelskammer, Masoud Khonsari, gab in einem monatlichen Treffen zu, dass die Unternehmen für solche extremen Veränderungen nicht bereit waren. „Derzeit ist es unmöglich, einige Waren zu importieren“, sagte Khonsari, „aber wir müssen geduldig sein, bis der Devisenmarkt die für die Wirtschaft entscheidende Stabilität erreicht“.

Und tatsächlich, seit dem Beginn des iranischen Neujahrs am 21. März warten alle Unternehmen. „Seit Anfang April mussten wir unser Geschäft auf die Bereitstellung von Wartungsdienstleistungen beschränken“, sagt Marjan, Senior Managerin bei Informatics Services Corporation, die es vorzieht, nicht mit ihrem richtigen Namen zitiert zu werden.

Ihr Unternehmen, das Geldautomaten und andere Hard- und Software für Banken herstellt, musste die Produktion verlangsamen, weil Komponentenanbieter entweder nicht verkaufen oder die Preise verdreifachen. „Wir können kein neues Projekt starten und derzeit haben wir auch keine Perspektive“, fügt sie hinzu. „Ich schätze, die nächsten Entscheidungen der Regierung hängen vom Glauben an das Atomabkommen.“


Im Großen Basar von Teheran hatte jeder gehofft, dass das Nuklearabkommen Bestand haben wird. „Sonst haben wir ein weiteres ernstes Problem“, sagte vor der Entscheidung ein Hausgerätehersteller von Bosch in der Innenstadt von Teheran. „Der Markt stagniert dermaßen, dass es kaum Sinn macht, den Laden zu öffnen“.

Um nicht darüber nachzudenken, was als nächstes passieren wird, ziehen Ladenbesitzer es vor, sich mit ihren Smartphones zu beschäftigen oder über Fußball zu reden. Sie alle sind sich einig: „Die Situation wird nicht so bleiben. Warten wir also.“