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Mareile Höppner: "Die Risse im Königshaus sind tiefer als gedacht"

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·Lesedauer: 6 Min.
Herzogin Meghan und Prinz Harry stellen sich den Fragen von Oprah Winfrey. (Bild: imago images/ZUMA Press)
Herzogin Meghan und Prinz Harry stellen sich den Fragen von Oprah Winfrey. (Bild: imago images/ZUMA Press)

Das Interview von Herzogin Meghan (39) und Prinz Harry (36) mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey (67) sorgt weltweit für Schlagzeilen. Meghan spricht darin unter anderem über massive mentale Probleme, Selbstmordgedanken und über angeblichen Rassismus am Hof, Harry bestätigt unter anderem sein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Vater Prinz Charles (72). "Dieses Interview wird und muss Konsequenzen haben", weiß Mareile Höppner (43). "Die Risse im Königshaus sind in jedem Fall sehr viel tiefer als gedacht", erklärt die Moderatorin und Royal-Expertin im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Im Interview mit Oprah Winfrey überraschen Harry und Meghan mit einigen schockierenden Aussagen. Haben Sie mit so viel Offenheit gerechnet?

Mareile Höppner: Unbedingt. Von einem anderen Weg war nicht auszugehen. Wie groß die Sorgen und Anklagen der beiden allerdings sind, das hat doch überrascht und erklärt wohl auch das weltweite Beben nach diesem Interview. Es ist eine offen formulierte Kritik an das Königshaus. In einer Schärfe, wie es das seit Diana nicht gegeben hat. Dieses Interview wird und muss Konsequenzen haben. Für alle Seiten. Die Risse im Königshaus sind in jedem Fall sehr viel tiefer als gedacht.

Ist Archie wirklich nur aufgrund seiner potentiell dunkleren Hautfarbe kein Prinz? Zur Geburt hieß es noch, die beiden würden bewusst auf alle Titel für ihren Sohn verzichten, damit er normal aufwachsen kann?

Höppner: Das ist der wohl kritischste Punkt in dem Interview. Für beide Seiten. Denn Harry und Meghan wirken da nicht in jedem Punkt nachvollziehbar. Was den Wunsch nach Ruhe und Zurückgezogenheit betrifft, waren sie ja maßgeblich in der Forderung. Massiv ist natürlich der Rassismus-Vorwurf an das Königshaus. Das trifft eine Gesellschaft wie Großbritannien, die multinational ist, in einem kritischen, sensiblen Kern. Das wird ein Beben auslösen und das Königshaus, das sonst nach der bekannten Strategie verfährt - schweigen und aushalten - wird nun gezwungen sein, diese Vorwürfe zu kommentieren. Wichtig ist dabei, die Kritik des Paares richtet sich nicht an die Queen, beide sprechen dort von einem guten Verhältnis. Was also - so kann man es interpretieren, Prinz Charles und seinen Beraterstab in die Verantwortung nimmt. Was ein ebenfalls harter Schlag ist. Dieses Interview ist auch ein Generationenstreit. Die Jungen machen es anders als die Alten. Das ist in vielen Familien so, nur schauen hier alle hin. Spannend wird sein, wie der Palast auf die Forderung eingeht, wie Archies Zukunft aussieht. Da scheinen beide ja nun einen anderen Kurs zu fahren und demnach wünschen sie sich Rechte und royale Pflichten für den Sohn.

Glauben Sie, dass der Palast auf diesen oder andere Vorwürfe reagieren wird?

Höppner: Normalerweise ist die Queen immer gut damit gefahren, es bei Lächeln und Durchhalten zu belassen. Durch größte Unruhen und viele politische Veränderungen hat sie so die Firma, wie sie die Arbeit für die Krone nennt, immer gut und sicher gesteuert. Nur Diana brachte diesen Kurs damals ins Wanken und die Queen musste darauf eingehen und Dianas Beliebtheit und die Kraft ihrer Worte ernst nehmen. Und noch viel mehr die große Anteilnahme an ihrem Tod. Ansonsten bleibt im Schloss, was dort bleiben soll. Jetzt könnte die Queen abermals gezwungen sein, sich zu äußern. Denn es geht hier nicht um Klatsch und Tratsch allein. Es geht um ernste Rassismusvorwürfe und eine Frau, die von Selbstmordgedanken spricht, das hat eine solch emotionale Sprengkraft, dass die Queen wohl not amused sein wird, aber handeln muss.

Meghans Selbstmordgedanken wecken unweigerlich Erinnerungen an Prinzessin Diana ...

Höppner: Über dem ganzen Interview schien ein wenig das Erbe von Diana zu schweben, die mit einem Lächeln wohl gern gesehen hätte, was ihr Sohn da tut. Harry, der immer viel mehr Diana war als William, zitierte das Leid seiner Mutter. Und er ging noch viel weiter, er machte seinen Vater verantwortlich. Noch nie haben die Söhne, in all ihrem Kummer, sich aktiv gegen den Vater gestellt und die Entscheidung, Diana zu verlassen. Das ist jetzt das erste Mal passiert. Und wohl nicht umsonst hat Meghan mit diesem Interview, den gleichen öffentlichen Weg gesucht wie damals Diana. Sie wusste, wenn ich das Königshaus zu Konsequenzen zwingen will, dann nur über diesen Weg. Und schweigen war offenbar nicht ihr Ziel. Dafür ist Meghan zu selbstbestimmt groß geworden. Anders als Diana, die diese Seite schmerzlich lernen musste.

Im Gegensatz zu Diana hätte Meghan doch wissen müssen, worauf sie sich mit ihrer Hochzeit einlässt?

Höppner: Niemand, der nicht ins Königshaus hineingeboren wurde, ahnt wohl, was es wirklich bedeutet, diese Art von Aufgabe zu bewältigen. Gewiss war Meghan ein Fernsehstar, aber nie war sie von außen so bestimmt, wie an der Seite von Harry. Gewiss hätte Sie manches erahnen können. Aber sie ist eine junge Frau, sie wollte leben und hat sich verliebt. Und sie hat diese Welt, so wie wir jetzt wissen, vom ersten Moment an innerlich nicht gemocht. Und Harry hatte nur eines im Sinn, das Schicksal sollte sich nicht wiederholen. Er wollte seine Frau beschützen. Hier haben sich zwei gefunden, mit einem großen Freiheitsgedanken und dieser passt nicht in die engen Palastmauern. Warum dann die ganze Hochzeit? Diese Millionenfeier, mit prominenten Gästen aus Show und Politik, mit Tassen und Keksen, die ihr Bild zierte? Meghan hatte wohl den Eindruck, diese Maschinerie nicht verlassen zu können. Aber sie wird sich gefallen lassen müssen, dass es Stimmen gibt, die das ihr bis heute als berechnend auslegen. Nach dem Motto: Hauptsache, ich habe den Prinzen und dann werden wir weitersehen.

Was haben wir von Harry und Meghan in den nächsten Wochen und Monaten noch zu erwarten?

Höppner: Dieses Interview wird wohl nur ein Auftakt sein. Man wird von den beiden sicherlich noch einiges hören und sehen. Und dann wird sich auch zeigen, was hinter der Wahl ihrer neuen Heimat wirklich steckt. Ob Harry irgendwann mal mehr vermissen wird als die britische Teestunde bleibt abzuwarten, aber man könnte es sich denken. So eng wie er mit dem britischen Leben und dem Militär verbunden war, wird ihm wohl irgendwann so einiges fehlen.

Was glauben Sie, haben sich Meghan und Harry mit diesem Interview einen Gefallen getan?

Höppner: Dieses Interview ist verbunden mit einigen Forderungen. Es ist nicht nur die Abrechnung einer unglücklichen Frau mit den verstaubten Vorstellungen eines Palastes. Dieses Interview ist eine Anklage und als solche ist sie wohl auch zu verstehen. Ob man Meghan und Harry dafür als Königsmörder verurteilt oder sie auf einen Sockel stellt als Beispiel für Emanzipation, Selbstbestimmtheit und Mut, das wird wohl die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall hat dieses Interview eine breite Diskussion ausgelöst und das kann auch einem Königshaus, das über Generationen im immer gleichen Fahrwasser überdauert, wohl nicht schaden. Wer am Ende gewinnt oder verliert wird sich zeigen.

Werden wir die beiden jemals wieder gemeinsam mit der britischen Königsfamilie zu Gesicht bekommen?

Höppner: Darum wird das Königshaus dringend bemüht sein. Denn nach diesem Interview wird wohl erst wieder Ruhe einkehren, wenn sich alle friedlich und freundlich winkend auf dem Balkon des Buckingham Palasts einfinden. Und die ganze Welt wird dann zusehen und jeden Fingerzeig zu deuten wissen. Dieses Interview hat der ganzen royalen Familie viel Tratsch und Klatsch für die Zukunft eingebracht. Von so etwas lebt zwar heute auch ein Palast, aber es kann auch schädlich sein.