Deutsche Märkte geschlossen

Manfred Knof wird neuer Vorstandschef der Commerzbank

·Lesedauer: 4 Min.

Der neue Aufsichtsratschef der Commerzbank ist bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef fündig geworden. Ausgerechnet bei der Frankfurter Konkurrenz.

Die spannendste Personalfrage in der deutschen Bankenszene ist beantwortet: Die Commerzbank hat nach Monaten des Führungschaos einen neuen Vorstandschef gefunden. Er heißt Manfred Knof und kommt von der Deutschen Bank. Dort hat er bislang das deutsche Privatkundengeschäft geleitet, eine Ebene unter dem Vorstand.

Die Commerzbank war im Sommer nach einer Aktionärsrevolte des US-Finanzinvestors Cerberus in eine tiefe Personalkrise gerutscht. Der zweitgrößter Aktionär des Instituts hatte der Führung vorgeworfen, „über Jahre eklatant versagt“ zu haben. Sowohl Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann als auch Vorstandschef Martin Zielke hatten daraufhin ihren Rücktritt eingereicht.

Die Nachfolge von Schmittmann hatte im August der ehemalige Chef der Landesbank Baden-Württemberg Hans-Jörg Vetter übernommen. Seine dringendste Aufgabe war die Suche nach einem neuen Vorstandschef. Diese Suche hat nun mit der Ernennung von Knof ein Ende gefunden. Der 55-Jährige war erst im vergangenen Jahr zur Deutschen Bank gewechselt. Zuvor hatte er das Deutschlandgeschäft des Versicherers Allianz geleitet. Seinen neuen Posten soll Knof Anfang des kommenden Jahres antreten.

Vetter sei es sehr wichtig gewesen, einen Topmanager von außen zu finden, weil die Commerzbank neue Impulse brauche, heißt es in Finanzkreisen. Als interne Favoriten für den Chefposten hatten Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzvorständin Bettina Orlopp gegolten. Boukehout war erst Anfang 2020 von der niederländischen Großbank ING nach Frankfurt gewechselt und hätte nach Meinung von Insidern deshalb ebenfalls eine neue Perspektive in die Commezrbank bringen können.

Knof sei „ein erfahrener und umsetzungsstarker Topmanager, der sich in unterschiedlichsten Aufgaben in der Finanzdienstleistungsindustrie bewiesen hat“, meint Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter. In einem bankinternen Interview ließ er vor Kurzem wissen, was er vom neuen Vorstandschef erwartet: „Es geht darum, Erträge zu steigern, Kosten zu senken und den Status-Quo zu hinterfragen“. Es gebe noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen seien. Knof betonte: „Ich habe großen Respekt vor dieser neuen Aufgabe. Die Commerzbank habe mit ihrer Mittelstandsbank eine hohe Relevanz für die deutsche Wirtschaft.

Von der Allianz überraschend zur Deutschen Bank

Knof war im vergangenen Juli bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatte von Vorstandschef Christian Sewing die Aufgabe bekommen, das deutsche Privatkundengeschäft zu sanieren. Das größte heimische Geldhaus will in diesem Bereich eine Milliarde Euro einsparen. Knof gilt als direkter aber umsetzungsstarker Manager mit reichlich Umbauerfahrung. In seinen 21 Jahren bei der Allianz leitete er die Sanierung mehrerer Auslandstöchter.

In seiner Funktion als Chef der mächtigen Deutschland-Tochter des Versicherers warf er 2017 nach nur zweieinhalb Jahren das Handtuch – er hatte sich mit Konzernchef Oliver Bäte überworfen. Knof gab gesundheitliche Gründe für seinen Abschied von der Allianz an und wollte eine Auszeit nehmen. Knapp zwei Jahre später tauchte er überraschend bei der Deutschen Bank wieder auf.

Aber bereits bald nach seinem Wechsel zum größten heimischen Geldhaus waren Gerüchte aufgekommen, er sei mit seinem neuen Posten unzufrieden. Auf die Frage nach seiner Loyalität zu seinem Arbeitgeber antwortete der Jurist im April im Handelsblatt-Interview: „Ich habe hier eine sehr spannende Aufgabe. Und gerade jetzt bin ich froh, hier an Bord sein zu dürfen. Denn es ist beeindruckend, wie professionell unsere Bank die Corona-Pandemie managt.“

Bei der Deutschen Bank wird der stellvertretende Vorstandschef Karl von Rohr, der im Vorstand das Privatkundengeschäft verantwortet, die Aufgaben Knofs übernehmen, heißt es in Finanzkreisen. Noch sei nicht klar, ob das eine endgültige Lösung sei, man suche aber nicht nach einem externen Nachfolger.

Bei der Commerzbank muss der neue Vorstandschef so schnell wie möglich mit dem von Cerberus und anderen Investoren eingeforderten Umbau der Bank beginnen. Investoren stößt die Hängepartie mitten in der Coronakrise bitter auf. Zielke hatte eingeräumt, dass die im Herbst 2019 beschlossenen Strategie nicht ausreicht, um das Institut im anhaltenden Zinstief profitabler zu machen.

Das amtierende Vorstandsteam hat im Juli deshalb einen radikalen Sanierungsplan vorgestellt, der unter anderem den Abbau von 10.000 Stellen und die Schließung von Hunderten Filialen vorsieht. Doch bevor nicht ein neuer Chef an Bord ist, kann das Institut nicht mit der Umsetzung beginnen.

Für dieses Jahr erwarten die Analysten von der Commerzbank im Schnitt einen Nettoverlust von 140 Millionen Euro. Seit Ausbruch der Coronakrise in Europa Ende Februar sackte der Aktienkurs des Instituts um rund 35 Prozent ab, am Freitag ging es noch einmal um 1,1 Prozent abwärts, nach dem die Ratingagentur Moody's den Ausblick für die Bonitätsnote der Commerzbank gesenkt hatte.