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„Man muss nicht jeden Ball halten. Es reicht schon, wenn er nicht ins Tor geht.“

·Lesedauer: 6 Min.

Andreas Arntzen kennen viele als Gründer der Online-Dating-Plattform Parship. Dabei blickt der gebürtige Hamburger auf eine total bunte Karriere mit vielen anderen Etappen zurück. Er war unter anderem Hockey-Bundesliga- und Nationalspieler und fiel schon in in den frühen 90er Jahren – noch während des BWL-Studiums und seiner laufenden Hockey-Karriere – unternehmerisch auf, als er in gleich vier deutschen Städten Hockey-Equipment-Geschäfte gründete. Nach seinem Parship-Erfolg wurde er Geschäftsführer: 2004 von der ZEIT-Verlagsgruppe und bis 2006 bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Später ging er zur NZZ. Seit 2016 führt er den Wort & Bild Verlag (Herausgeber der Apotheken Umschau, Deutschlands auflagenstärkster Zeitung). Er gründete außerdem Apploft, Radio.de, Wespund und investiert als Founding Investor via Isartal Ventures für den Wort & Bild Verlag in digitale Gesundheitsunternehmen.

Heute erzählt uns Arntzen im Flashback-Interview, welche Erfahrungen aus seiner Zeit als Sportler ihm beim Gründen halfen und welche Fragen er am liebsten verdrängt.

Wie würde deine beste Freundin oder dein bester Freund dich in einem Satz beschreiben?

Ich habe meinen besten Freund, Christian Blunck, Hockey-Olympiasieger und der für mich beste Sportmoderator Deutschlands, gefragt und bei der Antwort sehr gelacht. „Positiv denkender und handelnder Mensch, der alles für möglich und machbar hält, nur schwer zu bremsen ist und sich dabei zwischen anstrengend und mitreißend bewegt. Zum Glück überwiegt das zweite.“ Ein anderer Freund sagte: „Der kann auch in der 85. Minute 0:4 zurückliegen und glaubt immer noch, gewinnen zu können.“

Inwiefern haben dich Menschen oder Erlebnisse aus deiner Umwelt geprägt und wer oder was davon am meisten?

Ich bin als drittes Kind mit vier Frauen aufgewachsen. Sollte ich weibliche Fähigkeiten besitzen, so ist der Ursprung hiermit erklärt. Am meisten hat mich natürlich meine Mutter oder eigentlich meine Oma geprägt, denn sie haben mir einfach vertraut und mich machen lassen, so wie auch meine Frau, die mir dann noch zwei tolle Kinder beschert hat, die mir Kontra geben und kein Blatt vor den Mund nehmen. Es ist schön, auch an manchem selbst schuld zu sein.

Gab es in deiner Kindheit oder deiner Jugend bestimmte Momente, die sehr prägend für dich waren, positiv oder negativ? Kannst du einen oder zwei beschreiben und erklären, welche Auswirkung das auf dich hatte?

Klar, 10. Klasse, innerhalb eines Halbjahres eine sechs und eine zwei in den Klausuren. Ich verrate aber nicht, in welcher Reihenfolge und auch nicht, welche Diskussionen mir das eingehandelt hat. Und eine Situation beim Sport. Es war in einem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, wir führten 1:0 und es gab kurz vor dem Ende einen Siebenmeter gegen uns. Ich war Torwart, ging zum Schützen und sagte ihm, dass mein linker Fuß wehtun würde und er bitte nicht in diese Ecke schießen sollte, was natürlich vollkommen lächerlich war. Aber immerhin hatte es Wirkung gezeigt und er schoss vorbei. Es hat mich auch gelehrt, dass man nicht jeden Ball halten muss, es reicht schon, wenn er nicht ins Tor geht. Das kann man auf viele Dinge, auch im Berufsleben, übertragen.

An welches Kindheitserlebnis erinnerst du dich gerne oder ungerne zurück?

Hausaufgaben habe ich auf jeden Fall gehasst, ich wollte lieber raus und mit Freunden Fußball spielen. Ein tolles Erlebnis hatte ich, als ich mal ein Fahrrad gewonnen habe. Man musste die Anzahl der Kugeln in einem riesigen Glasgefäß schätzen und ich lag am dichtesten dran.

Was wolltest du als Kind von Beruf werden und warum?

Architekt oder Leistungssportler. Architekt, weil mein Vater einer war und es mich fasziniert hat. Und Leistungssportler wollte wohl jedes Kind mal werden.

Wer war damals dein Vorbild und wieso?

Ian Taylor, der damals weltbeste Hockey-Torwart, der für Großbritannien zweimal an Olympischen Spielen teilgenommen und jeweils Medaillen gewonnen hat. Er hatte eine unglaubliche Aura und zudem hat er das Equipment weiterentwickelt.

Kannst du den genauen Moment beschreiben, in dem du dich FÜR die Gründung entschieden hast? Was genau führte zu dieser Entscheidung in genau diesem Moment?

Ich war schon immer darauf aus, Wünsche und Bedürfnisse von Menschen zu erkennen und diese zu befriedigen, möglichst auch mit einem Gewinn für mich. Mit 19 habe ich mit meinem besten Freund – eben Christian „Büdi“ Blunck – mehrere Sportgeschäfte aufgebaut. Als wir vier davon hatten und finanziell unabhängig waren, haben wir die erste Sportbar in Deutschland eröffnet. Und so ging es dann immer weiter. Ich war und bin eigentlich ein Hybrid zwischen angestelltem Manager und Unternehmer. Man hat mir immer den Freiraum gegeben, unternehmerisch zu agieren. So sind dann auch Firmen wie Parship, radio.de oder jetzt ganz frisch gesund.de entstanden. Ich habe aber auch zwischenzeitlich immer mal wieder eigene Firmen gegründet, wie z.B. Apploft oder Wesound oder habe mich an Gründungen beteiligt. Das Motiv war eigentlich immer gleich – ich habe Bedürfnisse gesehen, die man aus meiner Sicht besser befriedigen kann. Also musste es eine Nachfrage danach geben.

Wer hat dich dabei unterstützt, dich selbstständig zu machen, eher mental, nicht finanziell?

Niemand Spezielles. Es waren eher allgemein meine Freunde, mit denen ich über die Business-Ideen gesprochen habe und deren Input dann oft ausschlaggebend war für die finale Entscheidung, es anzugehen.

Welche extrinsischen und intrinsischen Hürden musstest du anschließend für die Selbstständigkeit überwinden und wie hast du das geschafft?

Intrinsisch war und ist das immer dasselbe geblieben. Ich bezeichne das oft als FreuSinn, die Symbiose aus Freude und Sinnhaftigkeit in dem, was man tut. Es motiviert mich enorm, Neues anzugehen, nicht nur zu denken oder zu reden, sondern es zu machen, es auszuprobieren. Der extrinsische Druck war da schon oft eine Herausforderung, beispielsweise die Frage nach dem „was passiert, wenn man scheitert oder was passiert, wenn uns das Geld ausgeht.“ Ich habe versucht, diesen Gedanken wenig Platz zu geben, denn ich glaube, dass die positive Einstellung, der feste Glaube an das Gelingen, ein wesentlicher Baustein für den Erfolg ist.

Wie unterscheidet sich dein heutiger Charakter von deinem früheren? Warst du vor deiner Gründung anders?

In Bezug auf positives Denken und Willen hat sich nichts verändert. Es spielt dabei auch nur eine untergeordnete Rolle, ob es sich um ein kleines Projekt oder eine größer angelegte Gründung handelt. Mir macht es einfach Spaß, Dinge zu verändern und zu verbessern. Verändert hat sich nur, dass ich ruhiger geworden bin (meine Freunde würden wohl ein „etwas ruhiger“ reinredigieren). Ich reagiere jetzt nicht mehr ganz so spontan und emotional. Ich gebe manchen Dingen etwas mehr Zeit und oft lösen sich Probleme dann auch von selbst.

Basierend auf deinem Hintergrund und Werdegang, welchen Rat würdest du anderen Gründern und Gründerinnen und solchen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Fragt euch jeden Tag, was man im Sinne der jeweiligen Idee noch besser machen könnte. Hört nicht auf, euch und die Umsetzung zu hinterfragen und nach Optimierung zu suchen. Der wesentliche Erfolgsfaktor seid ihr und euer Team, also kümmert euch darum. Wählt mit Bedacht die richtigen Teammitglieder aus. Sie dürfen auch nicht alle gleich sein – ihr braucht unterschiedliche Charaktere, so wie auch eine Fußballmannschaft verschiedene Typen braucht. Und tut alles, um das Potential des Teams abzurufen.

Würdest du alles auf dem Weg zur Gründung nochmal genauso machen?

Hätte ich jetzt die Wahl, noch einmal geboren zu werden, so würde ich mir wünschen, dass mindestens 80 Prozent so verlaufen, wie sie verlaufen sind. Ich würde sicher eine WM gegen Olympische Spiele tauschen, hätte Parship vermutlich alleine mit Konstantin Urban und Harald Lazardzig gegründet und bei einigen Investments mehr auf meine Anteile geachtet, aber grundsätzlich bin ich froh und auch sehr dankbar für all das, was ich ausprobieren, aufbauen und erleben durfte. Und da ich noch die zweite Halbzeit vor mir habe, habe ich es ja auch in der Hand, die 80 Prozent noch zu erhöhen. 😉

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