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Makler gegen Check24: Der Kampf um den Versicherungsmarkt

Das Vergleichsportal Check24 hat es zum Marktführer in Deutschland gebracht. Doch der Anbieter ist umstritten: Traditionelle Versicherungsmakler zerren die Firma vor Gericht.

Die Versicherungsbranche streitet mit den Vergleichsportalen. Foto: dpa

Es sind markige Worte, die Michael H. Heinz wählt: „Bei Kindern hat man gedacht, dass sie aus Fehlern lernen, bei meinem Kollegen Christoph Röttele ist das nicht der Fall, also muss er fühlen.“ Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) schickte vor Kurzem eine klare Kampfansage in Richtung des Geschäftsführers des Online-Portals Check24.

Er werde den Konkurrenten am „Nasenring durch die Manege ziehen“, kündigte Heinz angesichts einer neuen Klage seines Verbandes gegen das Portal an, die am Dienstag vor dem Münchener Landgericht verhandelt wird. Doch auch das Vergleichsportal gibt sich kampfeslustig: „Herrn Heinz scheint es mit der Klage erneut nicht um die Verbraucher zu gehen, sondern um seinen persönlichen Kreuzzug gegen Check24“, heißt es in München.

Der Verband wirft dem Onlinemakler diesmal vor, mit Jubiläumsrabatten für den Abschluss von Versicherungsverträgen gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoßen zu haben. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Check24 für die sogenannten „Versicherung Jubiläums Deals“ geworben.

Dort hieß es wörtlich: „Jetzt Versicherung vergleichen, abschließen und bis zu zwölf Monate gratis sichern!“ Beim BVK sieht man darin einen Verstoß gegen das Verbot der Provisionsabgabe. Kunden dürfen nach dieser Regel nicht für den Abschluss einer Versicherung belohnt werden.

Check24 hält dem entgegen, dass die Prämie vom Mutterkonzern und nicht von der für Versicherungen zuständigen Tochter bezahlt wurde. Zudem sei die Zahlung nur eine Art Belohnung für ein Kundenkonto beim Konzern und nicht für den Abschluss einer einzelnen Versicherung zu sehen.

Komplexer Konflikt

Es ist ein Konflikt mit vielen Spitzfindigkeiten, der bereits seit dem Jahr 2015 schwelt. Mehrfach trafen sich die Kontrahenten bereits vor Gericht. Im Wesentlichen ging es dabei stets um die Frage, ob das Vergleichsportal gegen das Provisionsabgabeverbot verstößt. Mehrfach klagten die Versicherungskaufleute bereits gegen Check24 und erzielten mitunter juristische Erfolge.

Doch im Grunde steckt hinter der Auseinandersetzung mehr als nur ein Streit über ein paar Paragrafen. Es geht letztlich um die Frage, wer künftig das Geschäft in der sich immer stärker digitalisierenden Versicherungsbranche machen wird. Das Online-Vergleichsportal Check24 hat sich in den vergangenen Jahren eine führende Rolle in Deutschland erkämpft und sich damit für viele Versicherer zu einem neuen Machtfaktor entwickelt. Nun rütteln indes die klassischen Vermittler und neue Wettbewerber an dieser Position.

Das als GmbH geführte Unternehmen ist wegen seines hohen Werbeetats bei Verbrauchern quasi omnipräsent. Beobachter schätzen, dass die verschwiegene Firma mittlerweile eine niedrige dreistellige Millionensumme jedes Jahr in Werbung steckt. Laut dem Branchendienst Nielsen befindet sich Check24 damit unter den deutschen Top 20 bei den werbetreibenden Unternehmen.

Die ständige Werbepräsenz ist auch ein wesentlicher Grund, warum Check24 und andere Online-Portale den Versicherungsvertretern seit Jahren immer mehr Geschäft wegnehmen. Allein der Marktführer aus München vermittelt inzwischen mehr als eine Million Kfz-Versicherungsverträge pro Jahr – obwohl wichtige Anbieter wie Allianz oder HUK24 auf der Website nicht immer präsent sind.

Unfreundliche Tricks

Die Portale werben mit dem Argument, für die Kunden den günstigsten Tarif zu finden. Sie leben allerdings von Provisionen – auch wenn ihre Ergebnisse objektiv erscheinen. Technisch gesehen sind die Portale damit Makler. „Wir haben auch verbraucherunfreundliche Tricks mancher Portale aufgezeigt“, kritisierte Kartellamtspräsident Andreas Mundt im Sommer dieses Jahres nach einer Untersuchung der Portale.

Einige Verhaltensweisen entsprächen nicht „dem Idealbild einer neutralen Plattform“. Dennoch kommt kaum ein deutscher Versicherer mehr an den Vergleichsadressen vorbei. „Um im Privatkundengeschäft vernünftig positioniert zu sein, muss man auch das Spiel der Vergleicher können“, bringt es Jan Wicke, Vorstandschef bei HDI Deutschland, nüchtern auf den Punkt. Nur Branchengrößen wie HUK oder Allianz machen aus ihrer Abneigung keinen Hehl. HUK-Chef Klaus-Jürgen Heitmann wirft Check24 offen vor, der Vertrieb über das Portal sei schlicht zu teuer.

Entsprechend aufmerksam verfolgt die Branche, dass sich nun ein neuer Rivale in Stellung bringt. Denn mit dem Portal Joonko ist vor wenigen Wochen ein neuer Wettbewerber in Deutschland gestartet, der sich als Alternative zu Check24 empfiehlt. In der ersten Phase können Kunden dort zwar nur Tarife in der Autoversicherung vergleichen.

Dennoch markiert der Start eine Zäsur. Denn im rasch wachsenden und hochlukrativen Markt der Online-Vergleichsportale bahnt sich so eine neue Auseinandersetzung an. Schon bald sollen weitere Produkte auf dem neuen Portal folgen. Das Sortiment soll sukzessive ausgebaut werden, weitere Produkte aus dem Bankenbereich hinzukommen. Angst vor der etablierten Konkurrenz hat der Angreifer nicht. „Wir wollen alles viel einfacher machen“, kündigte Joonko-Chefin Carolin Gabor an.

Hinter Joonko stehen dabei zwei digital erfahrene und sehr erfolgreiche Unternehmen. Das neue Portal ist eine Gründung des Berliner Firmenentwicklers Finleap, der seit gut einem Jahr einen großen und mächtigen Partner an seiner Seite hat: die chinesische Versicherung Ping An.

Der weltweit größte Versicherer aus China ist sowohl an Finleap als auch an Joonko beteiligt. Joonko-Chefin Gabor setzt deshalb auch auf die technische Unterstützung ihrer Anteilseigner. Denn Ping An ist ein mächtiger Spieler, wenn es um den Technologiewettbewerb der Versicherer geht.

Der chinesische Konzern setzt ganz auf neue Technik und beschäftigt ein Heer von 23.000 IT-Entwicklern. So hat sich Ping An im großen Heimatmarkt China zu einem gigantischen Supermarkt entwickelt, der Autopolicen, Lebensversicherungen, Hypothekendarlehen, aber auch andere Finanzprodukte verkauft. Vor allem denkt Ping An darüber nach, sein Geschäftsmodell auf Gebiete weit jenseits des Versicherungsgeschäfts auszweiten. Der Konzern will auch auf das Terrain des klassischen Bankgeschäfts vordringen.

Der Name Joonko ist dabei eine Referenz an die Japanerin Junko Tabei, der es 1975 als erster Frau gelang, den Mount Everest zu erklimmen. Viel einfacher als dies wird der Versuch, Check24 anzugreifen, sicher nicht. Denn Check24 agiert längst in einer anderen Sphäre. Der Marktführer gab in den vergangenen Jahren schätzungsweise allein mehr als 170 Millionen Euro nur für Werbung aus.

Starke Portale

Die Kunden drängen auf die Seiten der Vergleichsportale, weil sie nicht mehr jedes einzelne Produkt mühsam separat im Internet suchen wollen. Für die etablierten Adressen bedeutet das einen gravierenden Nachteil: Sie müssen den Portalen nicht nur Provisionen für die Vermittlung der Aufträge zahlen – sie verlieren auf Dauer auch den direkten Kontakt zum Kunden.

Assekuranzen ohne starke Eigenmarke haben jedoch kaum eine andere Wahl, als den Vertriebsweg über die Vergleichsportale zu wählen. So fanden in Deutschland im vergangenen Jahr schon rund 36 Prozent der Online-Abschlüsse über Vergleichsportale statt, wie aus einer Studie von McKinsey hervorgeht. Im europäischen Vergleich war es sogar fast jeder zweite Abschluss. „Die Auswirkungen für die Versicherer sind signifikant“, werten die Autoren diesen Trend.

So sinkt die Zahl der selbstständigen Versicherungsvertreter in Deutschland seit Jahren. 2019 dürfte sie erstmals unter die Marke von 200.000 fallen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es laut Branchenverband GDV noch mehr als 257.000. Diese Zahlen erklären vielleicht ein wenig die Verve, mit der der BVK und das Online-Portal ihren Streit vor Gericht und in der Öffentlichkeit ausfechten.

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